Erst die emotionale, dann die sachliche Ansprache

Es ist ein denkwürdig miserabler Auftritt gewesen des Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart beim 25:38-Desaster in Minden. Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt steht nun vor der schwierigen Aufgabe, die richtigen Worte zu finden vor der bedeutsamen Partie gegen das punktlose Schlusslicht Eulen Ludwigshafen am Donnerstag (19 Uhr) in der Scharrena.

Pressekonferenzen unmittelbar nach einem verlorenen Spiel machen in den seltensten Fällen Spaß. Am Sonntagabend indes dürfte Jürgen Schweikardt der Pflichttermin besonders schwergefallen sein. Die „gute Heimreise“, die der Moderator dem TVB am Ende wünschte, rang dem Trainer logischerweise nur ein gequältes Lächeln ab. Hatte er zuvor doch eine Begegnung gesehen, „in der es so ausgesehen hatte, als ob Mannschaften unterschiedlicher Ligen gegeneinander spielten“. Es dürfte jedenfalls recht still gewesen sein auf der sechsstündigen Heimfahrt. Genügend Zeit jedenfalls blieb für jeden Beteiligten, in sich zu gehen.

Die eine oder andere klare Niederlage haben die Bittenfelder in den drei Erstligaspielzeiten schon einstecken müssen, mit 13 Toren Differenz wurden sie aber schon lange nicht mehr nach Hause geschickt. Höher verlor der TVB vor knapp zwei Jahren, beim 28:46 in eigener Halle gegen die SG Flensburg-Handewitt. Das allerdings war und ist ein Top-Team der Liga. Der TSV GWD Minden zählt, bei allem Respekt, nicht zu dieser Kategorie.

Was ist also schiefgelaufen in der Kampa-Halle? Noch auf der Heimreise hat sich Jürgen Schweikardt den Auftritt seiner Mannschaft in der Konserve angesehen. „Da wurde es noch mal klarer, was wir alles haben vermissen lassen“, sagt der Trainer am Tag danach. Als da wären unter anderem: Einsatz, Kampfbereitschaft, Konsequenz. „Das war die Basis allen Übels.“ Daraus hätten die Zuordnungsprobleme in der Defensive resultiert, hinzugekommen seien zu viele einfache Fehler im Angriff. „Es war durchweg ein ganz schwarzer Tag.“ Einziger Lichtblick aus Sicht des Trainers war Lukas von Deschwanden. Der Neuzugang scheint sich nach anfänglichen Problemen immer besser zurechtzufinden.

Weil außer dem Schweizer im Rückraum kein Spieler auch nur annähernd sein Leistungsvermögen abrief, kam Max Häfner nach langer Pause in der 45. Minute zu seinem Comeback. Eigentlich ein ungünstiger Zeitpunkt – und fast folgerichtig gelang auch dem Youngster nicht viel.

Es wäre auch vermessen gewesen, von einem 22-Jährigen zu verlangen vornewegzugehen. Schließlich hat der TVB unter anderem mit Johannes Bitter, Michael Kraus, Manuel Späth, Michael Schweikardt oder Simon Baumgarten ausreichend erfahrene Kämpen in seinen Reihen. „Es war leider keiner da, der die anderen mitgerissen hat oder an dem sie sich hätten orientieren können“, sagt Schweikardt, der bereits am Sonntag „aus den Emotionen heraus“ deutliche Worte an seine Mannschaft gerichtet hat. Am Montag sei noch einmal „sachlicher“ analysiert worden, ehe die Vorbereitung auf die nächste Partie am Donnerstag (19 Uhr) in der Scharrena gegen den punktlosen Tabellenletzten Eulen Ludwigshafen startete. „Das Spiel brauchen wir gar nicht erst kleinreden“, sagt Schweikardt. „Wenn wir uns nicht in allen Teilen verbessern, werden wir auch das verlieren.“

Bei dann 4:12 Punkten und vor den Partien gegen Flensburg, Hannover, Berlin und Magdeburg dürfte die Luft dünn werden im Stuttgarter Kessel.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW