Frecher Aufsteiger klaut auch dem TVB die Punkte

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat sich in einem dramatischen Spiel vor 2105 Zuschauern in der Stuttgarter Scharrena dem Bergischen HC mit 30:31 (16:18) geschlagen geben müssen. In letzter Sekunde machte der starke Aufsteiger per Strafwurf alles klar. Mit 4:8 Punkten findet sich der TVB nun im hinteren Tabellendrittel wieder.

Fassungslos standen die TVB-Spieler nach Spielende auf dem Platz, die Bergischen Löwen feierten derweil ausgiebig ihren vierten Sieg im sechsten Spiel. Der war nicht unverdient, schließlich hatten die Gäste während der gesamten Partie nie im Hintertreffen gelegen. In der Schlussphase hatten sie das nötige Glück auf ihrer Seite und wären wohl auch mit einer Punkteteilung zufrieden gewesen.
Robert Markotic belohnte den großen Kampf des TVB 20 Sekunden vor dem Ende mit dem 30:30-Ausgleich. Groß war der Jubel auf den Rängen, nachdem Jonas Maier den finalen Wurf von Kristian Nippes pariert hatte – doch dann machte sich Entsetzen breit: Die Schiedsrichter Colin Hartmann und Stefan Schneider hatten ein siebenmeterwürdiges Foulspiel gesehen. Jeffrey Boomhouwer hatte seine Nerven im Griff und verwandelte den Strafwurf gegen Johannes Bitter eiskalt um 31:30-Sieg für den Neuling, der mit 8:4 Punkten einen prächtigen Saisonstart hingelegt hat.

Starke Ex-Bittenfelder Rutschmann und Gunnarsson

Die Fans sahen einen flotten Start von beiden Teams. Der BHC, angeführt vom sehr guten Spielmacher Tomas Babak, bauten viel Druck auf. Der schwer zu stoppende Kreisläufer Rafael Baena brachte die Gäste mit 4:2 und 5:3 (7.) in Führung. Arnor Gunnarsson scheiterte nach zehn Minuten beim 4:6 aus Sicht des TVB mit einem Strafwurf an Johannes Bitter, davon indes ließ sich der Isländer nicht entmutigen – im Gegenteil: Der Ex-Bittenfelder avancierte zu einem der besten Spieler am Sonntag.

Beim TVB setzte Robert Markotic in der Anfangsphase die Akzente, nach dem 5:6 trafen die Gäste jedoch gleich zweimal ins verwaiste Stuttgarter Tor zur 8:5-Führung (12.). Lukas von Deschwanden und Dominik Weiß sorgten dafür, dass der TVB dran blieb (9:10/16.). Michael Kraus traf beim 10:10 zum ersten Ausgleich, von Deschwanden bugsierte den Ball zum 12:12 ins Löwen-Gehäuse. Zur Führung reichte es dem TVB allerdings nicht, weil er sich nun den einen oder anderen Fehler zu viel erlaubte.

Das Heimteam rannte deshalb stets einem knappen Rückstand hinterher, in der Schlussphase der ersten 30 Minuten kam auch der zweite Ex-Bittenfelder im Löwen-Dress auf Betriebstemperatur: Keeper Bastian Rutschmann parierte zwei Würfe gegen Sascha Pfattheicher und Simon Baumgarten, die Gäste gingen mit der 18:16-Führung in die Halbzeit.

Vorteile auf der Torhüterposition hatten die Gäste auch im zweiten Spielabschnitt. Bitter erwischte erneut keinen guten Tag, nach 40 Minuten machte er für Jonas Maier Platz. Zu diese Zeitpunkt führte der BHC mit 22:19. Der TVB stand nun zwar in der Deckung besser als vor der Pause, doch die Fehlerquote im Angriff war höher als die der Gäste. Sie wirkten ballsicherer und waren abschlussstärker.

Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt versuchte es von der 40. Minute an mit dem siebten Feldspieler, was aber nur bedingt funktionierte. Der TVB legte seine Angriffe zu eng an, die Löwen dagegen spielten variabel und kamen wieder über ihre gefährlichen Außen Boomhouwer und Gunnarsson zu Toren. Eine Viertelstunde vor dem Ende hatten die Gäste beim 26:22 beste Chancen auf den ersten Auswärtssieg.

Das Heimteam kämpfte unermüdlich um den Anschluss, vergab die Möglichkeiten hierzu jedoch mehrfach. In der 53. Minute war’s soweit: von Deschwanden traf zum 27:28, doch im Gegenzug überlistete Babak die TVB-Deckung zum 27:29. Mit dem ersten Siebenmeter nährten Kraus beim 28:29 und Pfattheicher beim 29:30 (57.) die Hoffnung auf wenigstens einen Punkt.

Ausgerechnet der junge Rechtsaußen scheiterte im nächsten Angriff frei an Rutschmann und vergab damit den Ausgleich. Noch einmal eröffnete sich den nimmermüden Stuttgartern die Möglichkeit, einen Zähler zu retten. Nachdem Babak am Pfosten gescheitert war, blieben dem TVB nach einer Auszeit 27 Sekunden Zeit. Bei angezeigtem Zeitspiel brachte Markotic mit einem tollen Tor die Halle zum Brodeln.

Am Ende indes reichte es doch nicht zu einem Remis. Unterm Strich hatten sich die Löwen den Sieg auch verdient: Sie leisteten sich weniger Fehler, hatten in Rutschmann den besseren Torhüter und überzeugten mit einem variablen, abgezockten Spiel.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (2), Häfner, Weiß (4), Schagen, Schweikardt (1), Späth, Kraus (4/1), Markotic (5), Baumgarten (1), Röthlisberger (1), von Deschwanden (4), Pfattheicher (4), Schmidt (4).
Bergischer HC: Rudeck, Rutschmann; Bettin, Darj (2), Petrovsky, Gunnaorsson (7/1), Nippes (1), Majzinsk (1), Baena (4), Fontaine (1), Fraatz, Babak (4), Szücs, Arnesson (4), Boomhouwer (7/3), Criciotoiu.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW