BHC könnte dem TVB Probleme machen

Die Punkte gegen Liga-Neulinge sind normalerweise fest eingerechnet. Mit dem Bergischen HC indes gastiert am Sonntag ein Team in der Scharrena, das den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart vor Probleme stellen könnte. „Nach den Rhein-Neckar Löwen ist das unser bisher bester Gegner“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Vier Jahre in Folge gehörten die Bergischen Löwen, Namensvetter der großen Rhein-Neckar Löwen, der ersten Liga an. Kalt erwischt wurde der BHC in der Saison 2016/2017: Zur Winterpause hatte das Tabellenschlusslicht lediglich fünf Punkte gesammelt, diese Hypothek erwies sich als zu groß. Selbst 17:17 Punkte in der Rückrunde verhinderten das Debakel nicht. Als Drittletzter, punktgleich mit dem Viertletzten VfL Gummersbach und einem Zähler weniger als der TVB 1898 Stuttgart, stieg der Bergische HC ab.

Souveräne Rückkehr als Meister

Das Jahr in der zweiten Liga hat dem Verein allerdings nicht geschadet – im Gegenteil: 35 von 38 Partien gewann der BHC und kehrte mit 72:6 Punkten und als Meister souverän ins Oberhaus zurück. Die Löwen hatten die Saison für einen Umbruch genutzt: Der Ex-Bittenfelder Keeper Bastian Rutschmann war aus Göppingen gekommen, außerdem holte der BHC vier Nationalspieler: die beiden Schweden Max Darj (Kreis) und Linus Arnesson (Rückraummitte) sowie den Tschechen Milan Kotrc (Linksaußen) und den erfahrenen Slowaken Csaba Szücs (Rückraummitte) vom TSV Hannover-Burgdorf.

Zur aktuellen Saison legten die Löwen noch einmal kräftig nach: Der wurfgewaltige linke Rückraumspieler Daniel Fontaine (aus Göppingen) und der niederländische Linksaußen Jeffrey Boomhouwer (Melsungen) sorgen für einen neuerlichen Qualitätsschub. Als der Kader bereits fix war, schnappten die Löwen noch einmal zu: Von den Rhein-Neckar Löwen holte der Aufsteiger den spanischen Auswahlspieler Rafael Baena für den Kreis.

Positionen beim BHC dreifach besetzt

18 Spieler hat der Trainer Sebastian Hinze zur Verfügung, bis auf die Außenpositionen sind alle Positionen dreifach besetzt. Den rechten Flügel bilden der Ex-Bittenfelder Arnor Gunnarsson und die Nachwuchshoffnung Yannick Fraatz. Kopf des Teams ist der Tscheche Tomas Babak, von dessen Zuspielen profitiert auch der wurfstarke Bogdan Criciotoiu im rechten Rückraum. Bis auf den Ex-Balinger Fabian Gutbrod (Patellasehnenverletzung) hat Hinze derzeit alle Spieler zur Verfügung.

Der BHC scheint sein großes Selbstbewusstsein, das er in der zweiten Liga gesammelt hat, transportiert zu haben in die erste Liga. Zum Saisonauftakt besiegte er die Eulen Ludwigshafen mit 27:23, hielt beim 26:29 in Hannover und 27:32 beim Tabellenführer SC Magdeburg prächtig dagegen. So richtig krachen ließen es die Löwen gegen Erlangen und Lemgo, beiden Teams kehrten mit einer 26:35-Schlappe nach Hause zurück. In Stuttgart soll nun der erste Auswärtssieg her: Im Erfolgsfall setzte sich der Aufsteiger im ersten Tabellendrittel fest – und der TVB im hinteren Drittel.

Schweikardt hat mächtig Respekt vor dem Gegner

Jürgen Schweikardt hat mächtig Respekt vor dem Gegner. „Hut ab, was sich da entwickelt hat“, sagt der TVB-Trainer. Der BHC habe sich nach dem Abstieg nicht nur gefangen, sondern einen Schritt nach vorne gemacht. Das Team habe zwar keinen alles überragenden Spieler in seinen Reihen, sei aber sehr breit und auch qualitativ sehr gut aufgestellt. „Wenn’s bei einem Spieler nicht läuft, kommt der nächste. Jeder weiß genau, was zu tun ist.“ Beeindruckend sei auch das Tempospiel, in der Deckung hat allen voran der Mittelblock mit Szücs und Darj in den ersten fünf Partien viel Lob bekommen.

„Normalerweise sind wir Favorit, am Sonntag sieht das aber anders aus“, sagt Schweikardt. Für sein Team gelte es, die „sehr guten Phasen“ aus den Partien gegen Göppingen und Gummersbach zu verlängern. „Und wir müssen konsequent bleiben, wenn’s mal läuft.“

Der TVB wird voraussichtlich in Bestbesetzung antreten. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Michael Kraus, der Probleme mit dem Oberschenkel hat.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW