Alle Spiele bei Sky: Das sagt TVB-Trainer Schweikardt

Wie in der vergangenen Saison, so werden auch in dieser Spielzeit sämtliche Spiele der 1. Handball-Bundesliga via Sky im (Bezahl-) TV zu sehen sein. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zogen fast alle Bundesliga-Manager eine positive Bilanz – auch Jürgen Schweikardt. ZVW-Sportredakteur Thomas Wagner unterhielt sich mit dem Geschäftsführer und Trainer des TVB 1898 Stuttgart über dieses Thema.

Herr Schweikardt, in der Umfrage freuten sich die meisten Ihrer Kollegen über die Steigerungen der Fernseh-Reichweiten durch die Live-Übertragungen bei Sky. Teilen Sie die Begeisterung?
Ja, allen voran die Tatsache, dass man alle Bundesligaspiele schauen kann, ist ein Riesenfortschritt. Die Fans können jetzt auch die Auswärtsspiele ihrer Mannschaft verfolgen. Dass die Reichweite größer geworden ist, ist natürlich auch von Vorteil.

Inwiefern hilft die größere TV-Reichweite dem TVB bei der Akquise neuer Sponsoren?
Sicherlich gibt es Sponsoren, denen es wichtig ist, wie viele TV-Kontakte wir haben. Wir hatten deutlich mehr in der vergangenen Spielzeit. Für die meisten unserer regionalen Sponsoren sind die TV-Zahlen aber nicht so wichtig. Für sie ist es nicht so bedeutend, dass der TVB in Berlin oder Kiel zu sehen ist.

Gibt es Partner, die der TVB aufgrund der größeren Präsenz für sich gewonnen hat?
Die gibt es schon. Für die Firma Becker Kunststofftechnik beispielsweise war es wichtig, dass wir in der ersten Liga dabei sind und die Spiele auf Sky übertragen werden. Aber es war natürlich nicht der alleine ausschlaggebende Grund für die Partnerschaft.

Die beste Live-Quote lag in der vergangenen Saison bei 100 000 Zuschauern, sie wurde beim Topspiel zwischen den Rhein-Neckar Löwen und der SG Flensburg-Handewitt erreicht. Besonders berauschend ist das nicht.
Die Zahlen im Pay-TV darf man nie mit den Zahlen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens vergleichen. Es gibt nun einmal die Hürde, dass bezahlt werden muss. Ich finde 100 000 Zuschauer beachtlich. Außerdem muss man den Gruppeneffekt beachten, den Sky mit sich bringt. Viele Fans schauen sich die Spiele gemeinsam in der Kneipe an, und diese Zahlen werden nicht erfasst.

Liegen Ihnen Zahlen vor, wie viele Zuschauer die Spiele des TVB verfolgt haben?
Zahlen gibt es, sie sind aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Die Einschaltquoten der einzelnen Spiele sind für uns auch nicht so relevant. Mit den TV-Kontakten insgesamt sind wir jedenfalls zufrieden.

Gibt’s, wenn der TVB auswärts antritt, eigentlich Public Viewing in Bittenfeld?
Das gibt es tatsächlich. Im Bistro Red sind unsere Spiele zu sehen. Ansonsten laden diejenigen Fans, die Sky haben, andere ein zum gemeinsamen Schauen.

Vier Spiele liefen in der vergangenen Saison in der ARD, immerhin 1,83 Millionen wollten die Partie zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen sehen. Muss das Bestreben der HBL nicht sein, öfter im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufzutauchen?
Natürlich, das versucht die HBL ja auch. Allerdings ist es nicht so einfach, andere Sportarten möchten auch gerne öfter im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftauchen. Das Problem ist, dass König Fußball alles überstrahlt. Im Vergleich mit unseren Wettbewerbern Volleyball, Basketball oder Eishockey steht der Handball jedoch deutlich besser da.

Der Vertrag mit Sky wurde auf sechs Jahre abgeschlossen. Behindert eine solch lange Laufzeit nicht eher die Entwicklung?
Ich finde, das ist ein sehr guter Vertrag, weil sich auch die öffentlich-rechtlichen Sender die Rechte sichern und Spiele übertragen können. Ein Sechs-Jahres-Vertrag gibt beiden Parteien Planungssicherheit. Das ist besser, als immer neu verhandeln zu müssen. Außerdem ist gewährleistet, dass die Spiele in höchster Qualität übertragen werden.

Acht Spiele liefen in der vergangenen Saison in den dritten Programmen, aber nicht im SWR. Mit dem TVB, Frisch Auf Göppingen, der SG BBM Bietigheim und den Rhein-Neckar Löwen spielen gleich vier Clubs aus dem Ländle in der ersten Liga. Wär’s nicht mal an der Zeit, das eine oder andere Derby zu übertragen?
Absolut. Es ist schade, dass sich der SWR keine Rechte gesichert hat. Der MDR unterstützt seine Vereine und hat dabei mit Magdeburg und Leipzig nur zwei. In Baden-Württemberg gibt’s vier. Ich denke, der SWR steht in der Pflicht.

Die überwiegend fixen Spieltage donnerstags und sonntags geben den Vereinen auf der einen Seite zwar Planungssicherheit, der Weisheit letzter Schluss sind sie aber wohl nicht. Welche Erfahrungen hat der TVB mit den neuen Spieltagen gemacht?
Erst mal ist es wichtig, dass es fixe Termine gibt. Wenn wir als TVB uns allerdings einen Termin raussuchen dürften, wäre dies der Freitagabend. Damit haben wir zu Zweitligazeiten super Erfahrungen gemacht. Aber natürlich spielen auch andere Aspekte eine Rolle. Fürs Fernsehen ist Handball am Freitag ein schlechter Termin, da gibt’s zu viel Konkurrenz. Der kann man donnerstags und sonntags aus dem Weg gehen. Es schlagen also zwei Herzen in unserer Brust: Einerseits würden wir unsere Heimspiele gerne an einem anderen Tag austragen, andererseits muss man auch an die Fernsehzuschauer denken. Wir müssen der Sache auch Zeit geben, sich einzuspielen.

In der neuen Saison gibt’s Änderungen bei den Anwurfzeiten: Die meisten Sonntagsspiele werden nicht mehr um 12.30, sondern um 16 Uhr angepfiffen. Das sogenannte Top-Spiel steigt um 13.30 Uhr. Glauben Sie, dass um 16 Uhr mehr Fans dabei sein werden als um 12.30 Uhr? Schließlich gibt’s am Nachmittag viel mehr Konkurrenzveranstaltungen – zum Beispiel die Amateurspiele, die in der Regel um 17 Uhr starten. Oder auch die Fußballspiele.
Auch da gibt’s zwei Sichtweisen. Für unsere Fans ist’s definitiv besser, wenn die Heimspiele statt um 12.30 Uhr um 16 Uhr angesetzt sind. Wie sich die neuen Zeiten auf die TV-Einschaltquoten auswirken werden, wird sich zeigen. Eine Konkurrenzsituation mit dem Amateursport wird es an Samstagen und Sonntagen immer geben, die lässt sich nicht vermeiden. Ganz gleich, um welche Uhrzeit gespielt wird.

Die Champions-League-Teilnehmer stehen den Spieltagen am Donnerstag und Sonntag eher kritisch gegenüber, weil sie deshalb hin und wieder zwei Spiele binnen 48 Stunden bestreiten müssen. Sehen Sie hier eine Lösung?
Es gibt in Europa so viele unterschiedliche Interessen, da sehe ich im Moment keine Lösung. Für Top-Clubs wie Barcelona oder Veszprem hat die Champions League einen höheren Stellenwert als die heimische Liga, die wollen ihre internationalen Spiele am Wochenende. Für die deutschen Clubs hat die Bundesliga einen hohen Stellenwert, da ist es andersrum. Das lässt sich schwer unter einen Hut bringen.

Die Medienwirksamkeit des Fußballs wird der Handball niemals erreichen. Was können die Vereine tun, um noch mehr Begeisterung für ihre Sportart zu wecken?
Wir sollten nicht neidisch sein auf den Fußball und nicht immer jammern. Dort ist vieles übertrieben und abgehoben. Die Ablösesummen und Gehälter sind teilweise pervers. Diese Dimensionen werden wir nie erreichen. Die Handballer sind nah dran am Leben, sie müssen sich während ihrer Karriere auch um ihre Ausbildung kümmern. Wir beim TVB pflegen den Kontakt zur Basis, zu den Fans, zu den Sponsoren. Wir schicken unsere Spieler in Schulen und Vereine, um als Vorbild greifbar zu sein. Wir müssen versuchen, unsere Arbeit bodenständig und gut zu machen, die Menschen von den Vorteilen unserer Sportart zu überzeugen und sie zu begeistern.

Quelle: Thomas Wagner / ZVW