TVB will Löwen nerven

Nach dem überraschenden Sieg in Leipzig bekommt der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart an diesem Donnerstag hohen Besuch in der Porsche-Arena: Gegen den Deutschen Vizemeister Rhein-Neckar Löwen ist der TVB krasser Außenseiter. „Wir wollen die Löwen ein bisschen nerven“, sagte der TVB-Torhüter Johannes Bitter in der Pressekonferenz vor dem Spiel.

So schnell kann’s gehen: Hatten die Bittenfelder nach der Pokal-Schmach gegen Rimpar noch Trübsal geblasen, war die Stimmung nach dem Sieg zum Punktspielauftakt bestens. „Nach diesen beiden Bonuspunkten in Leipzig geht man mit Spaß und einem guten Gefühl in die Trainingswoche“, sagte Johannes „Jogi“ Bitter bei der Pressekonferenz vor dem ersten Heimspiel an diesem Donnerstag.

15 Paraden im Spiel gegen Leipzig

An der guten Laune hat der TVB-Keeper wesentlichen Anteil: Mit 15 Paraden und 37 Prozent gehaltenen Bällen beim 27:26-Erfolg war Bitter fast schon wieder der Alte. „Körperlich bin ich zu hundert Prozent belastbar, ich habe keine Schmerzen mehr“, so Bitter. „Es fehlt mir aber noch die Routine, in drei, vier Wochen geht noch ein bisschen mehr bei mir.“

Bitter: Der TVB tritt an, um zu gewinnen

Eine außergewöhnliche Torhüterleistung braucht der TVB an diesem Donnerstag, wenn er mit dem Deutschen Vizemeister auch nur ansatzweise mithalten möchte. „Wir haben große Ziele und wollen auch mal einen Großen ärgern“, so Bitter. „Wir sollten aber nicht so vermessen sein und sagen, wir haben gegen die Rhein-Neckar Löwen eine realistische Chance.“ Trotzdem trete der TVB an, um zu gewinnen. „Vielleicht können wir die Löwen ein bisschen nerven. Sie verlieren pro Jahr mal ein Spiel, das nicht eingeplant ist. Warum nicht hier in Stuttgart und zu Beginn der Saison?“

Keine Anlaufschwierigkeiten der Löwen zum Saisonstart

Bitter denkt dabei an die vergangene Spielzeit, als dem TVB zum Start beim 29:27-Sieg gegen Melsungen gleich eine Überraschung gelungen war. „Wenn die Hütte voll ist, setzt das Kräfte frei.“ Andererseits seien die Löwen überzeugend in die Saison gestartet, von Anlaufschwierigkeiten sei nichts zu sehen gewesen. Warmgeworfen haben sich die Mannheimer im DHB-Pokal. Auf den 43:19-Sieg in der ersten Runde gegen den Drittligisten TuS Fürstenfeldbruck folgte im zweiten Spiel das 38:29 gegen den Erstliga-Absteiger TV Hüttenberg. Im Super-Cup ließ der DHB-Pokalsieger dem Deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt beim 33:26 keine Chance. Und im ersten Punktspiel nahmen die Löwen den TBV Lemgo mit 28:21 auseinander. Zusammen mit dem THW Kiel zählt die Mannschaft von Trainer Nicolaj Jacobsen zum aussichtsreichsten Meisterschaftskandidaten, nach 2016 und 2017 soll der dritte Titel her.

Beeindruckende Ansammlung der Superstars im Kader

„Für mich sind die Löwen die beste Mannschaft in Deutschland“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. Die Ansammlung der Superstars im Kader, alle 16 Akteure sind Nationalspieler, ist jedenfalls beeindruckend. Mit Harald Reinkind, Hendrik Pekeler, Kim Ekdahl du Rietz, Rafael Baena und Momir Rnic haben die Löwen zwar starke Spieler verloren. Die Neuen indes wiegen diese Verluste locker auf. Vor allem am Kreis dürfte der Vizemeister deutlich besser besetzt sein: Der deutsche Nationalspieler Jannik Kohlbacher (von der HSG Wetzlar) und Jesper Nielsen (Paris St. Gernain) gesellen sich zu Gedeon Guardiola. Für den Rückraum kamen Ilija Abutovic aus Skopje, Steffen Fäth aus Berlin und Vladan Lipovina aus Hüttenberg. Die Torhüter Mikael Appelgren und Andreas Palicka haben ebenso Weltklasse-Niveau wie die Außen Valur Sigurdsson und Patrick Groetzki oder Linkshänder Alexander Petersson.

Kraus’ Einsatz ist nicht ausgeschlossen

Dreh- und Angelpunkt ist Andy Schmid. Der Schweizer trifft in Stuttgart auf seine Nationalmannschafts-Kollegen Samuel Röthlisberger und Lukas von Deschwanden, der TVB-Neuzugang David Schmidt auf seinen Ex-Club. Für den Spielmacher des TVB, Michael Kraus, dürfte das Löwen-Spiel vermutlich zu früh kommen. „Ausgeschlossen ist sein Einsatz nicht“, so Jürgen Schweikardt. „Mein Gefühl sagt mir aber, dass es nicht reichen wird. Zumindest nicht so, dass er uns helfen kann.“

Schweikardt: Keine Chance, wenn Löwen in Normalform spielen

Helfen würde dem TVB dagegen, wenn die Löwen nicht ihren besten Tag erwischten in ihrem ersten Auswärtsspiel. „Das können wir nicht beeinflussen“, sagt Schweikardt. „Klar ist, dass wir keine Chance haben werden, wenn sie in Normalform spielen.“ Die Löwen scheinen den TVB nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Eine Schwächephase dürfen wir uns in Stuttgart nicht erlauben“, sagte der Trainer Nicolaj Jacobsen den Löwen-News.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW