Berappelt sich der TVB nach Pokal-Aus?

Das Pokal-Aus gegen den Zweitligisten Rimpar Wölfe könnte als Betriebsunfall gewertet werden, an diesem Donnerstag gilt’s nun für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart. Der Punktspiel-Auftakt indes hat es in sich: Mit dem SC DHfK Leipzig wartet eines der kampfstärksten Teams auf den TVB, der voraussichtlich erneut auf Michael Kraus verzichten muss.

Keine Frage: Die 26:29-Niederlage in der ersten Runde des DHB-Pokals gegen den Underdog aus Rimpar war ein kleiner Schock für den TVB. „Wir waren individuell einfach zu schwach, um ein gutes Mannschaftsergebnis zu erzielen“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt nach der intensiven Videoanalyse. Ein Sonderlob allerdings gab’s für den Neuzugang David Schmidt, der als einziger Spieler sein Leistungsvermögen abgerufen habe. Wichtig sei zudem gewesen, dass Johannes Bitter und Dominik Weiß Spielpraxis sammelten. „Man hat allerdings auch gesehen, dass beide noch nicht bei hundert Prozent sind.“

Haarsträubende Fehler seien seinem Team unterlaufen – „und wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir uns durch die Schiedsrichterentscheidungen aus der Ruhe bringen haben lassen“. Irgendwann habe seine Mannschaft gemerkt, dass sie das Spiel auch verlieren könne, und sei nervös geworden. „Außerdem hatte Rimpar, als wir dran waren, auch richtig gute Aktionen, da muss man auch mal Respekt zollen.“

TVB wird als Abstiegskandidat gehandelt

Dass die Niederlage Auswirkungen habe, sei nicht von der Hand zu weisen. „Wir werden sicherlich nicht mit dem allergrößten Selbstbewusstsein nach Leipzig fahren“, sagt Schweikardt. Freilich sei es viel zu früh, alles infrage zu stellen nach nur einem Spiel. Selbst wenn der TVB das Pokal-Wochenende unbeschadet überstanden hätte, hätte er zum Auftakt in Leipzig und – erst recht – acht Tage später gegen den Vizemeister Rhein-Neckar Löwen die Außenseiterrolle eingenommen.

In der vergangenen Saison klaute der TVB den Leipzigern beim 24:24 einen Punkt, verspielte dabei sogar einen zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Vorsprung. Mit einem Unentschieden könnte der TVB auch an diesem Donnerstag sicherlich gut leben. Zum einen brächte es den Glauben an die eigene Stärke zurück, zum anderen beruhigte es die Gemüter im Umfeld: Der eine oder andere sieht im TVB bereits einen heißen Abstiegskandidaten.

Verein kann sich keine weitere Zittersaison leisten

Dass sich der Verein eine weitere Zittersaison kaum leisten kann, machte unlängst auch Hartmut Jenner in einem Interview mit dieser Zeitung deutlich. Zuletzt habe die Entwicklung ein wenig stagniert, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des Hauptsponsors Kärcher – und wünschte sich für die kommende Saison eine Platzierung „in Richtung Rang zehn“.

In ruhigeren Gewässern möchte auch der Trainer und Geschäftsführer in der vierten Erstligasaison schippern, an Platzierungen jedoch möchte Jürgen Schweikardt eine Weiterentwicklung nicht festmachen. „Wir wollen den Anschluss ans Mittelfeld herstellen“, sagt er. Ein Ziel, das Interpretationsspielraum zulässt. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand Platz zehn von uns erwartet. Wir müssen ja auch schauen, wie sich die anderen Teams verhalten.“

Leipzig weiter in der Entwicklung

Ein bisschen weiter in seiner Entwicklung ist der Auftaktgegner und damalige Mitaufsteiger des TVB: Der SC DHfK Leipzig wurde im ersten Jahr Elfter und belegte in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils den achten Rang. Für Schweikardt ist der SC in gewisser Weise „ein Vorbild“ – wobei er mit einem Etat von 4,9 Millionen Euro rund 900 000 über dem des TVB liegt.

„Leipzig hat ein gutes Team und war nicht zu Unrecht zweimal unter den ersten zehn“, sagt Schweikardt. Wie beim TVB, so gab’s auch im Kader der Leipziger wenig Bewegung. Auf drei Positionen haben sie sich gezielt verstärkt: Vom THW Kiel kommt der schnelle Linksaußen Raul Santos. Auf der anderen Außenbahn spielte der zweite Neue, der Däne Patrick Wiesmach, eine starke Vorbereitung. Für den Kreis verpflichtete Leipzig den Polen Maciej Gebala. Alle drei sind Nationalspieler.

Beim SC fehlen die Langzeitverletzten

Ganz sorgenfrei indes startet auch das Team von Trainer Michael Biegler nicht in die Saison: Verletzungsbedingt den Start verpassen werden der Torhüter Jens Vortmann, Andreas Rojewski, Gregor Remke und Lucas Krzikalla. In der ersten Pokalrunde, die Leipziger hatten beim 26:25-Sieg gegen den Zweitligisten Dessau-Roßlauer HV ebenfalls ihre Probleme, fehlten zudem Aivis Jurdzs und Maximilian Janke. Der deutsche Nationalspieler Philipp Weber wurde aufgrund von Rückenproblemen lediglich in der Deckung eingesetzt. Nationalmannschaftserfahrung bringen außerdem unter anderem Niclas Pieczkowski, Bastian Roscheck und der slowakische Keeper Milos Putera mit.

Schweikardt geht davon aus, dass der SC bis auf die Langzeitverletzten alle Mann an Bord haben wird. „Wenn Leipzig keinen so guten Tag erwischt und wir einen guten, haben wir eine Chance.“ Fraglich ist der Einsatz von Tobias Schimmelbauer (Pferdekuss im Oberschenkel). Michael Kraus (Bänderverletzung am Knöchel) nahm zwar schon wieder am Mannschaftstraining teil, sein Einsatz ist aber eher unwahrscheinlich.

Quelle: ZVW, Thomas Wagner