TVB hält Zebras lange auf Trapp

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat sein letztes Auswärtsspiel in dieser Saison beim THW Kiel mit 25:31 (11:13) verloren. Dabei präsentierte sich der TVB vor 10 285 Fans gegen den deutschen Rekordmeister deutlich verbessert und geriet erst in der Schlussviertelstunde entscheidend ins Hintertreffen. Nach 42 Minuten hatten die Gäste mit 18:17 geführt.

Zu Beginn der Partie sah’s reichlich düster aus für den Außenseiter: Nach zwei Siebenmetertreffern von Niclas Ekberg und je einem Tor von Lukas Nilsson und des überragenden Kieler Spielmachers Miha Zarabec führte das Heimteam rasch mit 4:0. Ein Konter von Tobias Schimmelbauer brachte nach acht langen Minuten den ersten Treffer der Bittenfelder.
Viel zu behäbig, umständlich und abschlussschwach agierte das Team von Trainer Jürgen Schweikardt. Der THW-Rechtsaußen Ekberg legte nach 15 Minuten zum 8:3 nach – es alles deutete auf einen einseitigen Abend in der stimmungsvollen Sparkassen-Arena hin.

Doch der TVB behielt, wie schon so oft in dieser Saison, in schwierigen Situationen die Ruhe. Die Abwehr ackerte verbissen, hatte sich sehr gut auf die Kieler eingestellt und provozierte mit flinken Beinen und guter Antizipation nach und nach Fehler des THW. Und der wackelte plötzlich und fing sich Kontertore durch Schimmelbauer (2) und Bobby Schagen sowie einen Rückraumwurf des energischen Marian Orlowski ein. Beim 8:7 (18.) war der TVB im Spiel und blieb den Zebras fortan ein unangenehmer Gegner.
Michael Kraus sorgte per Siebenmeter beim 9:9 (21.) für den ersten Ausgleich. Im Anschluss legten die Kieler stets knapp vor, was vor allem ein Verdienst des quirligen und torgefährlichen Zarabec war. Mit ihm hatte die TVB-Defensive die größten Probleme, die Halbpositionen hatte sie über weite Strecken der Partie ordentlich im Griff.

Nach Orlowskis viertem Treffer zum 11:12-Anschluss (26.) ließen die Bittenfelder zweimal die Chance auf den neuerlichen Ausgleich liegen. Erst scheiterte Schagen per Strafwurf am deutschen Nationalkeeper Andreas Wolff, dann unterlief Robert Markotic – er machte ansonsten ein gutes Spiel –, ein Stürmerfoul. So rettete Kiel beim 13:11 die Führung in die Pause.
Der TVB machte im zweiten Durchgang genauso weiter: Ein Doppelschlag von Schagen brachte den 13:13-Ausgleich (32.). Die Gäste zwangen die Kieler immer wieder zu überhasteten Abschlüssen. Die Taktik war klar: Der TVB wollte das Tempo hoch halten und zu einfachen Toren kommen.
Ganz so einfach indes war’s nicht: Zuerst scheiterte Manuel Späth frei an Wolff, dann unterlief Stefan Salger ein Stürmerfoul. Nikola Bilyk sorgte mit zwei Toren für das 15:13 (33.). Der TVB ließ sich aber nicht abschütteln, kämpfte in der Abwehr weiterhin um jeden Ball. Kiel wechselte von der 6:0- in die 3:2:1-Abwehrformation, doch auch hier fanden die Gäste Lösungen.

Kraus egalisierte per Siebenmeter zum 17:17 (40.) und brachte sein Team, ebenfalls vom Strich, beim 18:17 (42.) erstmals in Vorteil. Es blieb jedoch die einzige Führung im Spiel. In den folgenden Minuten profitierte Kiel von einer kleinen Schwächephase des TVB, dem etliche Fehler unterliefen. Mit einem 4:0-Lauf holte sich der nun effektive und konsequente THW beim 23:19 die Sicherheit zurück (48.).
Bei den Bittenfeldern schwanden nun ein wenig die Kräfte, sie stemmten sich aber weiterhin mit aller Macht dagegen. Spätestens nach Marko Vujins Treffer zum 27:21 (53.) stand der Sieger fest. In der Schlussphase ging’s für den TVB darum, ein ordentliches Resultat mit nach Hause zu nehmen. Das gelang ihm, denn es blieb bei dieser Sechs-Tore-Differenz.
Trotz der 25:31-Niederlage kann der TVB 1898 Stuttgart zufrieden aus dem hohen Norden zurückkehren. Er hat sich vor über 10 000 Fans in der Sparkassen-Arena als kompakte und kampfstarke Einheit präsentiert. Und er hat den haushohen Favoriten hier und da vor Probleme gestellt.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW