Schweikardt erwartet “keine Gnade” der Zebras

Nach der Derby-Niederlage gegen Göppingen steht zwei Spiele vor Schluss fest: Der TVB 1898 Stuttgart wird seine dritte Saison in der ersten Handball-Bundesliga auf Rang 14 beenden – wie im vergangenen Jahr. Zu einer besseren Punktzahl wird’s nur reichen, wenn der TVB am Sonntag gegen Wetzlar gewinnt – und an diesem Donnerstag beim THW Kiel.

Die Partie des TVB beim deutschen Rekordmeister ist die einzige an diesem Donnerstag, bevor am Sonntag der spannende Final-Spieltag ansteht. Für Spannung ist gesorgt im Abstiegs- wie im Aufstiegskampf, an dem weder der THW noch der TVB beteiligt sind. Während die Bittenfelder glücklich darüber sind, müssen die Kieler zuschauen, wie die SG Flensburg-Handewitt und die Rhein-Neckar Löwen das Titelrennen unter sich ausmachen. Wobei die Flensburger bei einem Punkt Vorsprung im Vorteil sind und mit einem Sieg gegen die ersatzgeschwächten Göppinger alles klarmachen können.

Die Mannheimer dagegen haben ihren recht komfortablen Vorsprung durch die jüngsten Punktverluste gegen die Füchse Berlin (23:29), den HC Erlangen (25:25) und die MT Melsungen (23:24) verspielt.

„Damit haben die Löwen sicher nicht gerechnet“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Es zeigt aber, dass das Niveau mittlerweile so ausgeglichen ist, dass man sich nicht zu sicher sein darf.“ Schweikardt sieht die Vorteile nun auf Seiten der Flensburger – „wenn sie ihre Nerven im Griff haben“.

Sehr gerne wären die Kieler in der Situation des norddeutschen Rivalen gewesen. Nach zwei dritten Plätzen in den beiden vorangegangenen Spielzeiten hatten sich die erfolgsverwöhnten „Zebras“ wieder höhere Ziele gesetzt. Die Saison verlief allerdings erneut enttäuschend: Es wird dieses Mal vielleicht zum vierten, wahrscheinlich aber nur zum fünften Platz reichen. Der berechtigt normalerweise nicht einmal für den EHF-Cup. Weil jedoch die Füchse Berlin, Tabellendritter in der Liga, diesen Wettbewerb gewannen, wurde ein zusätzlicher Platz frei. Den Kielern bleibt damit das schlimmste Szenario erspart: eine Saison ohne internationalen Einsatz.

Mit 6:8 Punkten erwischte das Team von Trainer Alfred Gislason einen Fehlstart in die Saison. Im Laufe der Hinrunde stabilisierte sich der THW, musste aber weiterhin etliche Rückschläge einstecken wie beim 27:31 in Gummersbach, 25:26 gegen Wetzlar oder 27:28 in Hannover. Der Meisterschaftszug jedenfalls war bereits frühzeitig ohne die Kieler abgefahren.

„Für mich ist der THW immer noch die größte Mannschaft in Deutschland und eine der fünf größten in der Welt“, sagt dagegen der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Auch wenn’s im Moment nicht danach aussieht.“ Die Kieler litten auch in dieser Saison noch unter dem personellen Umbruch. Spieler wie Lukas Nilsson oder Nikola Bilyk bräuchten noch Zeit, bis sie absolutes Top-Niveau erreichten. Aber sie seien eine Investition für die Zukunft. Schweikardt ist überzeugt davon, „dass Kiel bald wieder das Maß aller Dinge sein wird“.

In seinem letzten Heimspiel werde der THW seinen treuen Fans noch einmal eine Show bieten wollen. „Auf besonders viel Gnade dürfen wir nicht hoffen“, so Schweikardt. Für sein Team gelte es, sich nach der enttäuschenden Vorstellung gegen Göppinger wieder besser zu präsentieren.

Verzichten muss der TVB auf die Langzeitverletzten Johannes Bitter, Max Häfner und Sascha Pfattheicher. Auch Dominik Weiß wird nicht dabei sein. Schon vor dem Derby machte ihm eine Entzündung in der Wurfschulter zu schaffen, nach dem Spiel waren die Beschwerden noch schlimmer.

Ob Djibril M’Bengue in seinem vorletzten Spiel für den TVB mitwirken kann, ist noch nicht sicher. Er hat ebenfalls Probleme mit der Schulter.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW