Derby-Niederlage wirft Fragen auf

Die Art und Weise, wie sich die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart bei der 23:30-Niederlage gegen Göppingen präsentiert haben, wirft Fragen auf. „Das war sehr schade“, sagt Jürgen Schweikardt. Der Trainer und Geschäftsführer des TVB ist sich jedoch sicher, dass die Einstellung passte. „Ich denke eher, dass wir überdreht haben.“

Auf einen entspannten, unterhaltsamen Abend und auf den zweiten Derby-Sieg hatten sich die TVB-Fans in der nahezu ausverkauften Porsche-Arena eingestellt. Am Ende jubelten die Göppinger Fans, die sich über den leidenschaftlichen Auftritt ihrer Mannschaft freuten. Der TVB dagegen ließ mit einer über weite Strecken lauwarmen Vorstellung sämtliche Tugenden vermissen, dank derer er in den vergangenen Wochen die zum vorzeitigen Ligaverbleib notwendigen Punkte gesammelt hat.

„Ich kann nachvollziehen, dass der Eindruck entstand, das Team würde nicht alles geben“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Ich bin mir aber sehr sicher, dass es nicht an der Einstellung lag.“ Sondern? „Vielleicht waren wir zu heiß, wir wollten uns unbedingt gut präsentieren.“

Seine Mannschaft sei schlichtweg nicht ins Spiel gekommen. Zudem habe sich der Umstand, dass die Göppinger dezimiert waren, nicht als Vorteil erwiesen für den TVB. „Es ist im Sport oft so, dass die verbliebenen Spieler dann noch enger zusammenrücken.“

Dass Allen Damgaard und Tim Kneule die TVB-Deckung im Eins-gegen-eins mehr oder weniger alleine aufmischten, sei erschwerend hinzugekommen. Für solche Spielertypen sei die TVB-Abwehr zwar nicht gerade prädestiniert, „wir haben’s aber auch schon besser verteidigt“.

Für Unsicherheit habe die Umstellung in der Defensive gesorgt: Wochenlang spielte der TVB mit Samuel Röthlisberger und Tobias Schimmelbauer auf den Halbpositionen sowie Manuel Späth und Dominik Weiß im Mittelblock. Der angeschlagene „Lange“ wurde gegen Göppingen in den ersten 30 Minuten geschont, kam später aber noch zum Einsatz. „Obwohl das eigentlich nicht geplant war“, so Schweikardt.

In die Spur kamen die Bittenfelder allerdings nicht mehr. Unterm Strich taugte das Spiel nicht als Werbung, neue Fans zu gewinnen. Und dieses Ziel muss der TVB verfolgen, schließlich möchte er im Zuge der Weiterentwicklung die 6000-Zuschauer-Halle künftig öfter bespielen – und füllen.

Trotz aller Ernüchterung möchte Schweikardt den dürftigen Auftritt seiner Mannschaft nicht zu hoch hängen. „Wir haben in der Porsche-Arena auch schon sehr gute Spiele gemacht, ich denke da an Magdeburg und vor allem Berlin.“

Die Leistung und das Resultat passten am Donnerstag nicht, dennoch gab’s zwei positive Nachrichten: Ein bisschen Gänsehaut-Atmosphäre kam auf, als der Publikumsliebling Djibril M’Bengue nach 14-monatiger Verletzungspause in der 50. Minute aufs Spielfeld zurückkehrte. Und am Ende des Tages präsentierten die TVB-Verantwortlichen mit der Firma Becker Kunststofftechnik einen neuen, handballaffinen Exklusivpartner. Die Firma unterstützt schon länger den Zweitligisten HBW Balingen-Weilstetten. Dort beendete der Vertriebsleiter Frank „Litty“ Ettwein nach zwölf HBW-Jahren 2014 seine Karriere.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW