Schwacher Auftritt im Derby

Im vorletzten Saison-Heimspiel hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart einen äußerst dürftigen Auftritt hingelegt. Vor 5930 Fans in der Porsche-Arena verlor er das prestigeträchtige Derby gegen das arg dezimierte Team von FA Göppingen zurecht mit 23:30 (12:14). Normalform erreichte nur Simon Baumgarten, erfreulich war das Comeback von Djibril M’Bengue.

Auf dem Papier waren die Voraussetzungen für einen Derbysieg wohl noch nie so gut für den TVB wie am Donnerstagabend. Beim Heimteam fehlten zwar die verletzten Jogi Bitter, Max Häfner und Sascha Pfattheicher. Die Ausfälle bei den Göppingern indes wogen deutlich schwerer: Der Trainer Rolf Brack musste auf Anton Halén, Daniel Fontaine, Jens Schöngarth, Zarko Sesum und Jacob Bagersted verzichten. Und nachdem auch Sebastian Heymann in der vierten Minute aufgrund einer Kopfverletzung seinen Dienst quittieren musste, stellte sich die Mannschaft der Gäste von selbst auf.

Mit Tim Kneule, Allan Damgaard und Adrian Pfahl blieben drei Rückraumspieler übrig – wobei Pfahl wegen einer Schulterverletzung nur in der allergrößten Not aufs Tor warf. Die Göppinger meisterten diesen personellen Engpass jedoch vortrefflich. Mit ihrer offensiven Deckung störten sie von der erste Minute an den Spielfluss der Bittenfelder, die überraschend wenig Lösungen parat hatten und sich zu wenig bewegten.
Der TVB lief von Beginn an einem knappen Rückstand hinterher. Vor allem die schwache Chancenverwertung und unzählige technische Fehler waren dafür verantwortlich. Die Göppinger spielten immer wieder clever mit ihrem Kreisspieler Kresimir Kozina zusammen, der etliche Strafwürfe herausholte. 5:5 stand es nach einer Viertelstunde in einem Derby auf spielerisch mäßigem Niveau. Marcel Schiller besorgte die 7:6-Führung für die Gäste mit dem vierten Siebenmetertreffer (16.). Gegen Ende der ersten Hälfte nahmen die Fehler des TVB überhand, Göppingen zog über 12:9 auf 14:10 (26.) davon. Mit dem 12:14-Pausenrückstand war das Heimteam, bei dem Simon Baumgarten am Kreis der auffälligste Spieler war, noch gut bedient.

Im zweiten Spielabschnitt blieb Göppingen das Team mit der größeren Willenskraft. Bestes Beispiel war der überragende Tim Kneule, dessen Wucht die TVB-Abwehr nicht gewachsen war. Der Nationalspieler beschäftigte den TVB – zusammen mit Allen Damgaard – quasi im Alleingang. Erschwerend hinzu kam, dass Jonas Maier das Torhüterduell gegen Primoz Prost klar verlor. Nach 35 Minuten lag der TVB mit 13:17 im Hintertreffen. Auch die Einwechslung des angeschlagenen Dominik Weiß brachte keine Stabilität in die Deckung.

Dennoch blieben die Bittenfelder zunächst im Spiel. Mimi Kraus sorgte zweimal für den Anschluss (19:20/20:21) – dann machte Kneule den Unterschied und führte sein Team zum 24:21-Vorsprung (50.). Nach einer Auszeit feierte Djibril M’Bengue sein Comeback und traf umgehend zum 22:24. Das indes reichte nicht, der Partie eine Wende zu geben. Göppingen nutzte die haarsträubenden Fehler des TVB rigoros aus und machte mit vier Toren in Folge zum 28:22 (56.) alles klar. Am Ende feierte Frisch Auf mit seine Fans den verdienten 30:23-Sieg. Im finalen Heimspiel gegen Wetzlar am 3. Juni sollte sich der TVB wieder anders präsentieren zum Abschluss der letztlich erfolgreichen Saison. Schließlich bleibt der letzte Eindruck haften.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW