Es geht ums Prestige

Am drittletzten Spieltag der 1. Handball-Bundesliga geht’s für den TVB 1898 Stuttgart und FA Göppingen lediglich noch um Tabellenkosmetik. Ein frühsommerliches Freundschaftsspiel indes ist nicht zu erwarten. „Es gibt genügend Gründe, warum zwei Punkte gegen Göppingen richtig Spaß machen würden“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt.

Während die Bittenfelder nach dem vorzeitigen Ligaverbleib entspannt in die Pfingstfeiertage gingen, platzte für die Göppinger in Magdeburg der Traum vom erneuten Gewinn des EHF-Pokals. Im Final Four musste das Team von Trainer Rolf Brack allerdings bereits im Halbfinale die Segel streichen. Bei der 24:27-Niederlage gegen den späteren Cup-Gewinner Füchse Berlin zeigte Göppingen allerdings eine ausgesprochen starke Leistung. Im Spiel um den dritten Platz gegen den Gastgeber SC Magdeburg war die Luft raus bei den ersatzgeschwächten Göppingern (25:35).

Mit dem dritten Pokaltriumph in Serie, was noch keinem Team gelungen ist, wollte Frisch auf eine reichlich durchwachsene Bundesligasaison kaschieren. Nun geht’s für den Tabellenzehnten noch um ein ordentliches Ende – wobei die Göppinger lediglich noch einen Rang nach oben klettern können. Das heißt, international wird Göppingen in der nächsten Spielzeit nicht vertreten sein.

Große Sprünge kann auch der TVB 1898 Stuttgart nicht mehr machen – was die Verantwortlichen jedoch kaum traurig stimmen wird. Mit dem vorzeitigen Ligaverbleib hat der TVB sein Saisonziel erreicht – und könnte seine Punktzahl aus der vergangenen Runde (23) sogar noch toppen. Dazu müsste er aus den Partien gegen Göppingen, in Kiel und gegen Wetzlar vier Zähler holen.

Spannend wie lange nicht mehr geht’s sowohl an der Spitze als auch am Tabellenende der Bundesliga zu. In der einen oder anderen Partie im Saisonfinale dagegen ist der Spielausgang bedeutungslos. In der Porsche-Arena an diesem Donnerstagabend indes dürfte es noch einmal ziemlich heiß hergehen. „Natürlich geht es im Derby ums Prestige“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Die Zuschauer dürfen erwarten, dass wir alles geben.“ Dass sich im Vorfeld rund 5700 Fans ein Ticket gesichert haben, freut ihn besonders. „Das ist in den Pfingstferien nicht selbstverständlich.“

Zweifelsfrei sei’s „ein schönes Gefühl“, ohne Druck in eine Partie zu gehen. „Entspannt fühle ich mich aber nicht, ich spüre die normale Nervosität und Vorfreude auf eine volle Halle.“ Nach einem trainingsfreien Wochenende habe die normale Spielvorbereitung auf dem Programm gestanden. Schweikardt möchte das Derby unbedingt gewinnen. „Und wir können sicher sein, dass die Göppinger das genauso sehen. Sie kommen nicht hierher, um ein bisschen Handball zu spielen.“ Der TVB-Coach erwartet ein „intensives“ Spiel – zumal der Gegner die 21:23-Hinspiel-Niederlage gegen den TVB vergessen machen wollen.

Diese Pleite war eine von etlichen Tiefschlägen in der ersten Saisonhälfte für die Göppinger, die erst am 14. Spieltag ihren dritten Sieg holten. Beim 28:26 gegen den Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen zeigte Frisch auf Göppingen, dass er es mit den Großen der Liga locker aufnehmen kann.

Indes: Von Rückschlägen blieb der TVB-Gegner auch nach der Trennung von Trainer Magnus Andersson nicht verschont. „Die Göppinger haben sich in der Bundesliga sicherlich mehr erhofft“, sagt Schweikardt. „Unter Rolf Brack haben sie sich aber schon stabilisiert.“

Gleich vier Bittenfelder feiern in der Porsche-Arena ein Wiedersehen mit ihrem Ex-Club: Während die Frisch-auf-Zeiten von Simon Baumgarten, Michael Schweikardt und Michael Kraus schon ein ganzes Stück zurückliegen, sind die Erinnerungen von Manuel Späth noch frisch: Der Kreisläufer trug in der vergangenen Spielzeit noch Grünweiß.

Beide Mannschaften werden im Derby nicht in Bestbesetzung antreten. Bei Göppingen mussten im Final Four Jens Schöngarth und Daniel Fontaine passen, Anton Halen fehlt schon länger. Beim TVB sind Johannes Bitter, Max Häfner und Sascha Pfattheicher nicht dabei. Fragezeichen stehen hinter zwei Spielern: Djibril M’Bengues Comeback nach seinen langwierigen Knieproblemen war fest eingeplant, nun zwickt den Linkshänder allerdings die Schulter. Wie auch Dominik Weiß, der sich zuletzt in der Defensive wie in der Offensive in starker Form präsentierte. Dafür könnte Felix Lobedank wieder in den Kader rücken.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW