Trainerfrage nun im Fokus

Nachdem der TVB 1898 Stuttgart am viertletzten Spieltag den Verbleib in der ersten Handball-Bundesliga perfekt gemacht hat, steht nun die Trainerfrage im Fokus. Präsentiert der TVB einen neuen Mann oder bleibt Jürgen Schweikardt verantwortlich? „Die aktuelle Konstellation wird’s jedenfalls nicht mehr geben“, sagt der Trainer und Geschäftsführer in Personalunion.

Kurz vor Mitternacht war die Feier – zumindest im Mannschaftsbus – beendet. Die Bittenfelder Delegation war zurück von der erfolgreichen Mission aus Minden. Mit dem letztlich souveränen 29:26-Sieg beseitigte der TVB 1898 Stuttgart die letzten Zweifel am Ligaverbleib und darf nun ein besonderes Gefühl genießen: In den verbleibenden Spielen gegen FA Göppingen, beim THW Kiel und gegen die HSG Wetzlar geht’s lediglich noch um die Platzierung. Zum letzten Mal erlebten die Bittenfelder in der Saison 2012/2013 einen entspannten Saisonabschluss. Anschließend kämpfte der TVB zweimal um den Aufstieg und dreimal gegen den Abstieg.

Ernsthafte Bedenken, dass der Ligaverbleib bei sechs Punkten Vorsprung in den letzten vier Spielen noch einmal in Gefahr geraten könnte, hatte Jürgen Schweikardt nicht. „Ehrlich gesagt, habe ich mich nicht damit beschäftigt, wie die Konkurrenz spielen muss, damit wir schon am Sonntag durch sind“, sagt Schweikardt. „Wir wollten aber nichts dem Zufall überlassen und die zwei Punkte aus Minden mitnehmen.“

Das ist dem TVB gelungen, weil er am Sonntag die besseren Einzelspieler in seinen Reihen hatte und in den entscheidenden Phasen einen klaren Kopf behielt. Dass das Team auch den einen oder anderen Durchhänger hatte, beunruhigte Schweikardt nicht. „Das ist Handball, da gibt es immer Wellen innerhalb eines Spiels.“ Ein bisschen geärgert habe ihn lediglich, dass sein Team nicht früher den Sack zugemacht habe in den zweiten 30 Minuten.

Wichtig sei, die Chance zu nutzen, wenn sie sich biete. „Und das ist uns in Minden geglückt.“ Auch dank des erneut starken Jonas Maier im Kasten. 15 Paraden wies die Statistik des 24-Jährigen aus, damit stellte er das Mindener Torhüter-Gespann Espen Christensen/Kim Sonne Hansen klar in den Schatten. Seine derzeit starke Form bestätigte auch Michael Kraus, der acht seiner neun Würfe – davon fünf eiskalte Siebenmeter – im Tor unterbrachte. Nebenbei setzte der Spielmacher, zusammen mit Michael Schweikardt, immer wieder den starken Simon Baumgarten in Szene. Der Kreisläufer war meist nur auf Kosten eines Strafwurfs zu bremsen.

Ein Sonderlob hat Schweikardt auch für Robert Markotic parat. „Er hat das sehr ordentlich gemacht, schade, dass er so lange verletzt war.“ Weil der Trainer mit dem Winter-Neuzugang zufrieden war, kam Stefan Salger auf Halbrechts nicht zum Einsatz. „Wenn etwas gut funktioniert, störe ich den Fluss ungern.“

Diese Haltung könnten auch die Verantwortlichen des TVB an den Tag legen, wenn sie die Trainerfrage diskutieren. Elf Punkte holte das Team in den zehn Spielen unter Jürgen Schweikardt. Eine durchaus respektable Bilanz. So gesehen, spricht nicht viel dagegen, Schweikardt weiterhin das Vertrauen zu schenken. Zumal der 38-Jährige immer wieder betont hat, Gefallen gefunden zu haben am Job an der Seitenlinie. „Sicher ist, dass es in dieser Konstellation nicht weitergehen wird“, sagt er. Anders ausgedrückt: Die Doppelfunktion Trainer/Geschäftsführer wird es in der kommenden Saison nicht mehr geben. Sollten sich die Verantwortlichen für den Trainer Jürgen Schweikardt entscheiden, müsste die Geschäftsführung mit einer externen Person verstärkt werden. Oder der Verein strukturiert intern um. So oder so: In den kommenden zwei Wochen soll die Entscheidung verkündet werden.

Noch im Mai dürfte auch ein Haken unter der Personalie Jogi Bitter gemacht werden. Der Torhüter hat bereits angedeutet, seinen Vertrag beim TVB verlängern zu wollen. Vorausgesetzt, er bleibt in der ersten Liga. Diese Hürde ist übersprungen, die Unterschrift des derzeit verletzten Weltmeisters dürfte nur noch Formsache sein.

Beim TVB kam M’Bengue nach seiner überstandenen Knieverletzung in dieser Saison noch nicht zum Einsatz. Das könnte sich im vorletzten Heimspiel gegen FA Göppingen am Donnerstag, 24. Mai (19 Uhr), in der Porsche-Arena ändern. Zumindest ein paar Minuten Einsatzzeit soll der Rückraumspieler im Derby bekommen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW