TVB wehrt sich gegen den Zweiten

Ein zweites Berlin hat’s nicht gegeben am Donnerstag vor 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena, die Überraschung blieb diesmal aus: Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart musste sich der SG Flensburg-Handewitt mit 28:35 (13:16) geschlagen geben, hielt aber bis zum 21:23 in der 44. Minute prima mit. In der Schlussviertelstunde entschied die SG die Partie dank ihrer individuellen Klasse.

Spiele lassen sich nicht miteinander vergleichen. Dennoch: Mit der Leistung vom Donnerstagabend hätte der TVB Stuttgart gegen den TBV Lemgo wohl die Punkte in der Scharrena behalten und müsste jetzt nicht an jedem Spieltag im Abstiegskampf nach der Konkurrenz schielen.
Das Team von Jürgen Schweikardt, bei dem Djibril M’Bengue nach langer Verletzungspause wieder im Kader stand, startete ohne großen Respekt vor dem haushohen Favoriten. Allen voran Mimi Kraus fand schnell Spaß am Spiel, mit zwei Schlagwürfen zum 3:2 und 4:3 (5.) narrte er den Flensburger Keeper Mattias Andersson. Auf der anderen Seite parierte Jonas Maier, die neue Nummer eins des TVB für den Rest der Saison anstelle von Jogi Bitter (siehe Artikel rechts), zweimal prächtig.

Die Flensburger versuchten, ihr Tempospiel aufzuziehen und setzten den TVB dank ihrer Ballsicherheit unter Druck. Nach zehn Minuten schien die Partie beim 7:5 für die Gäste den erwarteten Verlauf zu nehmen – zumal Kraus nun das eine oder andere Mal eine Spur zu selbstbewusst den Abschluss suchte und scheiterte.
Die meiste Gefahr droht über die Außenpositionen.
Der TVB stand jedoch in der Defensive gut und machte es der SG im Positionsangriff schwer. Und vorne leistete sich das Heimteam deutlich weniger technische Fehler als zuletzt gegen Lemgo. Nach einer weiteren Parade des guten Maier erzielte Bobby Schagen das 7:7 (15.), anschließend glichen Dominik Weiß (8:8), Stefan Salger (9:9) und Tobias Schimmelbauer (10:10) aus.

Weil die Flensburger aus dem Rückraum nicht so richtig zum Zug und selten zu ihren gefürchteten Kontern kamen, mussten sie sich auf ihre – großartigen – Außenspieler verlassen. Gegen die Würfe von Lasse Svan und Hampus Wanne war Maier ohne Chance. Wanne brachte sein Team per Strafwurf beim 12:10 (20.) mit zwei Toren in Führung, doch der TVB blieb dran. Kurz vor der Pause indes scheiterten Stefan Salger und Bobby Schagen am inzwischen eingewechselten SG-Keeper Kevin Moeller. Der starke Thomas Mogensen und Holger Glandorf trafen zum 15:11 (27.) für die SG, die mit der 16:13-Führung in die Halbzeit ging.

Diese bauten sie vier Minuten nach der Pause auf 20:15 aus, zurücklehnen indes durften sie sich längst noch nicht. Der TVB kämpfte sich wieder heran. Mit zwei Siebenmeter-Treffern verkürzte Kraus zum 19:21 (39.). Die Deckung des TVB arbeitete weiterhin konzentriert. Die größte Gefahr drohte den Bittenfeldern nach wie vor über die Außenpositionen.
Bis zum 21:23 durch Marian Orlowski (44.) durfte der TVB von der Sensation träumen. Dann zeigten die Flensburger, warum sie zu den weltbesten Teams gehören: Mogensens überragende Qualität im Eins-gegen-eins und der kluge Glandorf sorgten binnen sieben Minuten für den 6:1-Lauf zum 29:22 (51.) und damit für die Entscheidung.

In der Schlussphase schwanden dem TVB zudem die Kräfte, er mühte sich aber weiterhin, den Rückstand nicht allzu groß werden zu lassen. Am Ende war der Favorit beim 35:28 zwar der klare und verdiente Sieger. Der TVB muss sich aber nicht grämen, schließlich hat er dem Tabellenzweiten lange Zeit die Stirn geboten.
Nun kann das Team von Trainer Jürgen Schweikardt in der zweiwöchigen Pause Kräfte sammeln, ehe der Abstiegskampf-Endspurt mit der viertletzten Partie in Minden eingeläutet wird.

TVB 1898 Stuttgart: Maier, Lehmann; Schimmelbauer (2), Burmeister, M’Bengue, Salger (1), Weiß (6), Schagen (1), Schweikardt, Späth (4), Kraus (6/3), Markotic (2), Baumgarten (3), Röthlisberger, Kretschmer (1), Orlowski (2).
SG Flensburg-Handewitt: Andersson, Moeller; Karlsson, Glandorf (5), Mogensen (7), Svan (6), Wanne (6/4), Jeppsson, Steinhauser, Heinl (1), Toft Hansen (2), Gottfridsson (3), Lauge Schmidt (3), Mahé, Rod (2).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW