Trügerische Sicherheit

Mit der 27:28-Heimniederlage gegen den TBV Lemgo hat es der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart verpasst, seine gute Ausgangsposition im Abstiegskampf in eine sehr gute umzuwandeln. Dass noch kleine Restzweifel bestehen, muss sich der TVB selbst zuschreiben. „Wir haben zu schlampig gespielt“, sagt der Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikardt.

Das Drehbuch war im Grunde bereits geschrieben: Gegen den Tabellenelften TBV Lemgo wollten die Bittenfelder am Sonntag in der Scharrena ihre Serie von fünf ungeschlagenen Spielen in Serie fortsetzen und anschließend nebenan auf dem Wasen auf den praktisch sicheren Ligaverbleib anstoßen. Mit Verlängerung womöglich, schließlich wurde der Trainer und Geschäftsführer am Montag 38 Jahre alt.

Großartig gefeiert habe er nicht, sagt Jürgen Schweikardt. Was aber nichts mit der sonntäglichen Niederlage zu tun gehabt habe. Dennoch: Ein bisschen geärgert hat er sich schon darüber, dass der TVB die Chance liegenließ auf einen entspannten Mai. Ein Sieg gegen Lemgo hätte den Vorsprung auf die Abstiegsränge auf acht Punkte anwachsen lassen. Bei noch fünf Spielen wäre dies mehr als die halbe Miete gewesen. So bleibt’s bei sechs Zählern. Am Donnerstag (19 Uhr) kommt der Tabellenzweite SG Flensburg-Handewitt in die Scharrena. Die Aussichten, dass sich der TVB die gegen Lemgo verlorenen Punkte zurückholt, sind logischerweise eher gering.

Nicht ausgeschlossen ist’s, dass dem TVB seine 18 Punkte sogar reichen werden zum Klassenverbleib. Verlassen darauf indes darf er sich angesichts der immer wieder überraschenden Ergebnisse gegen Saisonende nicht. Sollte der TVB doch noch den einen oder anderen Punkt benötigen, war die Chance gegen Lemgo sicherlich am größten angesichts der verbleibenden Partien gegen Flensburg, in Minden, gegen Göppingen, in Kiel und gegen Wetzlar.

In der Anfangsviertelstunde im Spiel gegen Lemgo gab’s wenig Anlass daran zu zweifeln, dass die Serie des TVB reißen würde. „Irgendwie hatten offensichtlich viele das Gefühl, das läuft schon“, sagt Schweikardt. „Das Gefühl war aber trügerisch.“ Schon zu Beginn seien seinem Team etliche leichte Fehler unterlaufen. „Dann hatten wir zehn Minuten, in denen alles gegen uns gelaufen ist.“ In dieser Phase, in der die Bittenfelder nach der 9:7-Führung mit 11:16 in Rückstand gerieten, sei das Spiel verloren gegangen.

Grundsätzlich habe sein Team zu schlampig gespielt, elf technische Fehler und neun vergebene freie Würfe seien auf diesem Niveau einfach zu viel. Unterm Strich habe die Summe viele Kleinigkeiten zur Niederlage geführt – die mäßige Tagesform einzelner Spieler eingeschlossen. „Uns fehlten ein paar Prozent an Motivation, Aufmerksamkeit und Konzentration“, sagt Schweikardt. Es sei die große Kunst, in diesen Bereichen in möglichst jedem Spiel das Maximale abzurufen. „Und im Gegensatz zu den Top-Teams brauchen wir in jedem Spiel die Höchstform, um zu gewinnen. Daran müssen wir arbeiten.“

Außer auf den am Rücken operierten Max Häfner muss der TVB womöglich weiterhin auf Johannes Bitter und Sascha Pfattheicher verzichten. Der Torhüter hat nach wie vor Rückenschmerzen. „Die Ursache ist nach wie vor offen“, sagt Schweikardt. Der Rechtsaußen knickte um, die Diagnose steht ebenfalls noch aus.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW