Entscheidung vertagt

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart muss sich noch gedulden, bis der Ligaverbleib in trockenen Tüchern ist. Nach fünf Spielen ohne Niederlage hat er sich vor 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena dem TBV Lemgo mit 27:28 geschlagen geben müssen. Die Gäste profitierten von der extrem hohen Fehlerzahl des TVB, der fast noch einen Punkt gerettet hätte.

Außer auf Sascha Pfattheicher musste der TVB erneut auf seinen Torhüter Johannes Bitter verzichten. Dessen Vertreter Jonas Maier machte seine Sache, wie schon in Gummersbach, sehr gut. An ihm lag’s nicht, dass der TVB im Kampf um den Ligaverbleib die Vorentscheidung verpasste.

Bei noch fünf Spielen und sechs Punkten Vorsprung muss sich das Team von Trainer Jürgen Schweikardt noch ein bisschen gedulden. Die Chance, vorzeitig für mehr oder weniger klare Verhältnisse zu sorgen, ließ der TVB leichtfertig liegen: Er scheiterte weniger am Gegner denn an sich selbst.

Dabei war der TVB ordentlich ins Spiel gekommen, führte schnell mit 3:1 (5.). Bei den Gästen waren Fabian van Olphen und Christian Klimek nach einer Verletzungspause zurück, Lemgo tat sich jedoch im Angriff zunächst schwer.

Mit langen Angriffen suchte das Team von Trainer Florian Kehrmann die Lücken in der Bittenfelder Deckung. Die indes agierte klug. Überraschenderweise stand’s nach 15 Minuten dennoch nur 6:6, obgleich der TVB eigentlich die bessere Mannschaft war.

Dies war in erster Linie den eklatanten Konzentrationsschwächen im TVB-Angriff geschuldet. Technische Fehler wechselten sich mit – unvorbereiteten – Fehlwürfen ab. Lemgo nützte diese Schwächen des TVB eiskalt aus – und legte von der 20. Minute an nach.

Nach dem 9:7 durch Marian Orlowski, der wie der zuletzt so starke Dominik Weiß keinen guten Tag erwischte, verloren die Bittenfelder komplett den Faden. Die Deckung ließ sich immer wieder von Tim Suton düpieren, und die Abspielfehler im Angriff waren ein gefundenes Fressen für die flinken Lemgoer Konterspieler.

Mit einem 5:0-Lauf zogen die Gäste binnen vier Minuten auf 12:9 davon (24.) und gingen mit der verdienten 16:11-Führung in die Halbzeit.

Nach der Pause agierte der TVB genauso fahrig weiter. Isaias Guardiola traf zum 17:11 (32.) und zum 19:14 (37.). Es blieb dabei: Lemgo musste lediglich auf Missgeschicke des TVB warten. Dessen Spiel entwickelte sich nun zur Ein-Mann-Show.

Michael Kraus übernahm die Verantwortung und hielt sein Team im Spiel. Das 16:20 (40.) war bereits sein siebtes Tor. Nach dem 17:21 durch Kraus und einem Kontertreffer von Manuel Späth zum 18:21 (43.) durften die Fans wieder hoffen, doch ihr Team ließ weiterhin beste Chancen liegen.

Kraus drehte, etwas zu lässig, einen Siebenmeter übers Tor, nach Patrick Ziekers 18:24 hatten die Gäste eine Viertelstunde vor dem Ende wieder alle Trümpfe in der Hand.

Nach einer Auszeit beim 20:25 (49.) setzte der TVB im Rückraum mit Michael Kraus, Michael Schweikardt und Bobby Schagen auf das spielerische Element – allerdings mit überschaubarem Erfolg. Kraus – wer sonst – traf zwar zum 22:26 (51.).

Doch im Anschluss scheiterte er gleich zweimal völlig frei am Lemgoer Keeper Piotr Wyszomirski. Nach dem 22:27 durch Andrej Kogut schien fünf Minuten vor dem Ende die Partie durch zu sein, Zieker legte zum 23:28 nach (56.). Mit einem dramatischen Finale hatte keiner mehr gerechnet. Plötzlich jedoch wackelte Lemgo.

Kraus, Finn Kretschmer und Schweikardt brachten ihr Team binnen eineinhalb Minuten auf 26:28 heran, 60 Sekunden vor der Sirene sorgte Samuel Röthlisberger für das 27:28. Nach einem wiederholten Fehlwurf der Gäste blieben dem TVB nach einer Auszeit sieben Sekunden Zeit, um einen Punkt zu retten. Den finalen Angriff spielte das Heimteam aber nicht gut aus. Weiß scheiterte mit einem direkten Freiwurf an Wyszomirski.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW