TVB bleibt eiskalt im Nervenspiel

Riesenjubel beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Der 26:25-Sieg (14:15) beim VfL Gummersbach gestern Abend ist ein großer Schritt gewesen in Richtung Klassenverbleib. Der starke Dominik Weiß sorgte vor 3112 Fans in der Schwalbe-Arena mit seinem achten und letzten Treffer vier Sekunden vor dem Ende für die Entscheidung.

Es passte zum Spiel, dass ausgerechnet der „Lange“ beim finalen Angriff die Verantwortung übernahm und den Gummersbacher Torhüter Matthias Puhle mit einem Aufsetzer überwand. Dominik Weiß hatten es die Bittenfelder vornehmlich zu verdanken, dass sie in den dürftigen ersten 25 Minuten nicht aussichtslos ins Hintertreffen geraten sind. Die Chance auf den Ausgleich des Heimteams durch Tobias Schröter vereitelte mit der Schlusssirene TVB-Keeper Jonas Maier, der sich wie das gesamte Team mit zunehmender Spieldauer steigerte.

Am Ende gab’s kein Halten mehr für die Spieler und Verantwortlichen des TVB. „Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die 18 Punkte nicht reichen für den Ligaverbleib“, sagte der überglückliche TVB-Trainer und -Geschäftsführer Jürgen Schweikardt unmittelbar nach dem – wieder einmal – äußerst nervenaufreibenden Spiel.
Jogi Bitter verletzt: Das Duell der Ex-Nationalkeeper fällt aus
VfL Gummersbach gegen TVB 1898 Stuttgart: Das ist normalerweise auch ein Vergleich der ehemaligen deutschen Nationaltorhüter Carsten Lichtlein (VfL) gegen Johannes Bitter (TVB). Vor elf Jahren wurden die beiden zusammen Weltmeister, am Donnerstag indes fiel das Duell ins Wasser: Bitter musste wegen Rückenproblemen kurzfristig passen – zweifelsfrei eine große Schwächung für den TVB, schließlich hatte sich Bitter zuletzt in prächtiger Form präsentiert. Dass auch Bitters früherer Kollege nicht zum entscheidenden Faktor wurde für den VfL, spielte dem TVB in die Karten. Mehr Probleme hatte er mit Matthias Puhle, der Lichtlein in den zweiten 30 Minuten ablöste und eine starke Leistung zeigte.
Überraschend rückte beim TVB der lange verletzte Robert Markotic in den Kader – und gleich in die Startformation. Akzente setzte der Winterneuzugang indes zunächst nicht. Auch seine Mannschaftskollegen machten nicht den Eindruck, als wollten sie mit aller Macht mit einem Sieg in Gummersbach für die Vorentscheidung im Abstiegskampf sorgen. Der TVB lief von Beginn an einem Rückstand hinterher, wirkte in der Defensive wie in der Offensive unkonzentriert und phasenweise phlegmatisch. Zudem fand der Bitter-Vertreter Jonas Maier nicht ins Spiel.

Nach einer Viertelstunde führte der VfL, angeführt vom flinken Spielmacher Josef Pujol, mit 10:5. Das Heimteam nutzte die vielen technischen Fehler des TVB, Florian Baumgärtner besorgte nach 25 Minuten die verdiente 15:10-Führung für das entschlossener auftretende Team. Beim TVB wusste lediglich Weiß zu gefallen, der mutig den Torabschluss suchte und eine starke Quote hatte. In den letzten fünf Minuten vor der Pause erwachten die Gäste aus ihrer Lethargie. Weiß markierte das 15:11, Michael Kraus düpierte Lichtlein zweimal mit einem Schlagwurf und traf mit einem Kunstwurf ins leere Tor. 15:14 führte der VfL zur Pause, der TVB war längst im Spiel – wie auch Maier, der bei etlichen Würfen auf dem Posten war.
In den zweiten 30 Minuten machte der TVB dort weiter, wo er in den ersten aufgehört hatte. Die Abwehr stand kompakt, war schnell auf den Beinen. Der Gummersbacher Rückraum war nahezu abgemeldet, auch den Kreis hatte der TVB weitgehend im Griff. Nach 35 Minuten besorgte Stefan Salger beim 15:15 den ersten Ausgleich seit dem 1:1. Bis zur Führung dauerte es allerdings noch sechs Minuten, weil die Gäste zu leichtfertig mit ihren – guten – Chancen umgingen und immer wieder am guten Puhle scheiterten.

Sascha Pfattheicher brachte den TVB beim 17:16 erstmals in Vorteil – und das Schweikardt-Team legte gegen die ratlosen und nervösen Gummersbacher nach zum 18:16 und damit zum 8:1-Lauf. Der TVB war eindeutig das bessere Team (20:17/21:18/22:19). Zwölf Minuten vor dem Ende leistete er sich aber wieder eine kleine Schwächephase, kassierte zwei Gegentore in Unterzahl zum 22:21. Und dann ließen die Bittenfelder gleich zwei Siebenmeter gegen den eingewechselten Lichtlein liegen. Mit einem Abpraller traf Simon Baumgarten zum 23:21. Und nach Weiß’ siebten Tor zum 24:21 hatte der TVB sechs Minuten vor dem Ende alle Trümpfe in der Hand. Er machte es aber erneut spannend und musste in der 58. Minute durch Schröter den 24:24-Ausgleich hinnehmen. Baumgarten blieb vom Kreis ganz cool (25:24), ehe Pujol mit einem verdeckten Wurf sein Team auf mindestens einen Punkt hoffen ließ. In einer Auszeit 16 Sekunden vor der Schlusssirene besprachen die Bittenfelder den finalen Angriff – und Weiß bewies Nervenstärke.

VfL Gummersbach: Lichtlein, Puhle; Schröter (4), Baumgärtner (4), Matic, Sommer (2/1), Pujol (6), Koepp (2/1), Timm, Zhukov (3), von Gruchalla, Becker (2), Preuß (2), Feuchtmann.
TVB 1898 Stuttgart: Maier, Sdunek; Schimmelbauer (1), Markotic (2), Salger (1), Weiß (8), Schagen (1), Schweikardt (3), Späth (1), Kraus (2), Baumgarten (4), Kretschmer, Orlowski, Röthlisberger, Pfattheicher (3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW