Der TVB braucht noch einen langen Atem

Die Rhein-Neckar Löwen streben der Titelverteidigung in der ersten Handball-Bundesliga entgegen, spannender geht’s im Tabellenkeller zu. Fünf Teams dürften die beiden Absteiger unter sich ausmachen, der TVB 1898 Stuttgart darf sich bei vier Punkten Polster neun Spiele vor Saisonschluss nicht zu sicher fühlen. Eine bessere Ausgangsposition verpasste er mit dem Remis gegen Hüttenberg. Es ist die immergleiche Diskussion nach Spielen wie jenen am Sonntag in der Scharrena, die keinen Sieger gefunden haben: Hat der TVB beim 30:30 gegen den Vorletzten TV Hüttenberg die Vorentscheidung im Abstiegskampf verpasst oder seine ordentliche Ausgangsposition verteidigt? So richtig sortiert diesbezüglich hatte sich der Trainer und Geschäftsführer am Tag danach noch nicht. „Es ist schade, dass wir ausgerechnet in diesem Spiel unsere Defensive nicht stabil bekommen haben“, sagt Jürgen Schweikardt. In der Tat: 30 Tore müssten zu Hause normalerweise reichen für einen Sieg – zumal der Gegner diese Marke in 25 Partien lediglich einmal knackte bei der 30:31-Niederlage in Lemgo.

 

Es fehlt an Alternativen in der Abwehr

Die Bittenfelder bekamen die Hüttenberger über die 60 Minuten hinweg nie unter Kontrolle. Allen voran der zehnfache Torschütze Ragnar Johannsson spazierte mehrfach unbehelligt bis an die Nahwurfzone. Nach 45 Minuten reagierte Jürgen Schweikardt und stellte Samuel Röthlisberger an Stelle von Marian Orlowski gegen den flinken Isländer. Auch die 5:1-Deckung griff nicht sofort. „Uns fehlen in der Deckung auf dieser Seite durch die Ausfälle von Tobias Schimmelbauer und Max Häfner schlichtweg die Alternativen“, so Schweikardt. Er mache Orlowski „keinen großen Vorwurf“, Johannsson habe sehr gut gespielt. Das Problem indes sei nicht nur die linke Halbposition gewesen, die Abwehr sei „ohne Ausnahme“ nicht so schnell auf den Beinen gewesen. Die kleineren, flinken Spieler lägen den großgewachsenen Manuel Späth, Dominik Weiß und Samuel Röthlisberger nicht so sehr. „Allerdings hat Hüttenberg auch mit viel Dampf und Zug gespielt.“ Unterm Strich habe die Abwehr auch ihre beiden Torhüter nicht in ausreichenden Maße unterstützen können – „oder Jogi und Jonas hätten ein paar mehr freie Würfe parieren müssen“.

 

Strittige Entscheidung

Trotz der Defensivschwächen hätte der TVB beide Punkte in der Scharrena behalten können – wenn der finale Angriff nicht mit einer strittigen Entscheidung geendet hätte. Die Schiedsrichter sahen bei der Hüttenberger Abwehraktion gegen Simon Baumgarten kein Foulspiel. Darauf und auf einen Freiwurf hatte der TVB – auch – spekuliert. Stefan Salger wäre in diesem Fall zur Tat geschritten, wie er es dreimal zuvor erfolgreich getan hatte. Dass Jürgen Schweikardt den Linkshänder ausschließlich bei Freiwürfen aufs Feld schickte, hatte einen Grund: „Gegen die aggressive, offensive Abwehr fand ich Bobby Schagen als schnellen Spieler die bessere Option“, so Schweikardt. Tatsächlich machte der Niederländer seine Sache sehr gut, war torgefährlich und glänzte mit etlichen klugen Anspielen. Einen mutigen Auftritt legte Weiß in den zweiten 30 Minuten hin – und holte sich ein Lob seines Trainers ab. „Das war herausragend, Dominik hatte einen wesentlichen Anteil am Unentschieden.“ Überhaupt war Schweikardt mit dem „Tempospiel, den vielen einfachen Toren und dem Überzahlspiel“ sehr zufrieden“.

 

Wie viele Punkte fehlen noch?

Was das Remis am Ende wert ist, sei dahingestellt. Hier und da jedenfalls wird eifrig gerechnet, wie viele Punkte zum Ligaverbleib nötig sind. „Es könnte schon sein, dass man 18 braucht“, sagt Schweikardt. Damit fehlen dem TVB noch vier. Neunmal noch hat er die Chance, sich die vier Zähler zu erkämpfen – und dabei noch fünfmal Heimrecht. Ein Vorteil indes scheint dies nicht unbedingt zu sein, schließlich haben die Fans in dieser Saison erst zwei Siege in Stuttgart bejubeln dürfen. Der letzte liegt exakt sechs Monate zurück, am 17. September gab’s ein 25:22 gegen die Eulen Ludwigshafen. So gesehen, dürfte der TVB nicht traurig sein, dass er am Sonntag (12.30 Uhr) wieder in der Fremde ran muss. Bei einem Team, das zuletzt auch keine Bäume ausgerissen hat. Nur zwei Siege holte der SC DHfK Leipzig in den sechs Spielen in diesem Kalenderjahr, am Sonntag blamierte sich das Team von Trainer Michael Biegler bei der 24:29-Niederlage in Gummersbach. „Dieses Ergebnis ist uns nicht so recht“, sagt Schweikardt. „Leipzig wird zu Hause jetzt das Messer zwischen den Zähnen haben.“

 

Quelle: Thomas Wagner / ZVW