Zu viele Löcher in TVB-Deckung

Nichts ist es geworden aus dem erhofften Sechs-Punkte-Polster für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Vor 2151 Fans in der ausverkauften Scharrena musste er sich gegen den Vorletzten TV Hüttenberg mit einem 30:30-Unentschieden (14:13) zufrieden geben. Problem im spannenden Spiel war die löchrige Defensive, die mit den flinken Gegnern große Mühe hatte.

Viel hat nicht gefehlt, und der TVB hätte sich die ersehnten beiden Punkte im direkten Duell mit dem Abstiegskonkurrenten mit dem finalen Angriff doch noch gekrallt. Beim Spielstand von 30:30 blieben nach einer Auszeit 24 Sekunden Zeit für den Siegtreffer. Der TVB versuchte, seinen Kreisläufer Simon Baumgarten in Szene zu setzen. Der wurde von gleich drei Hüttenbergern in die Mangel genommen, konnte den Ball aber nicht kontrollieren. Statt auf Freiwurf entschieden die Schiedsrichter Sebastian Grobe und Adrian Kinzel zum Entsetzen der TVB-Fans auf Stürmerfoul.

Ein Sieg wäre etwas glücklich gewesen für das Team von Trainer Jürgen Schweikardt, das sich in der Defensive längst nicht so stabil präsentierte wie zuletzt. Die Hüttenberger waren hervorragend auf die Bittenfelder eingestellt – und sie hatten im zehnfachen Torschützen Ragnar Johannsson den überragenden Spieler des Tages in ihren Reihen. Den rechten Rückraumspieler, der ohne Fehlwurf blieb, bekam der TVB nie unter Kontrolle. Zudem schlug er zu selten einen Vorteil aus dem Überzahlspiel: Vier Strafminuten des TVB standen zwölf der Gäste gegenüber.
Flinke Hüttenberger, Ragnar Johannsson nicht zu bremsen

Der Tabellenvorletzte war nach den beiden jüngsten Punkteteilungen gegen Lübbecke und Wetzlar selbstbewusst nach Stuttgart angereist und erwies sich von Beginn an als der erwartet widerborstige, extrem kampfstarke und flinke Kontrahent. Mit ihrer offensiven 3:2:1-Deckung und viel Laufarbeit störten die Gäste geschickt den Spielfluss des TVB-Rückraums mit Dominik Weiß, Marian Orlowski und Bobby Schagen. Die 2:1-Führung des TVB beantwortete Hüttenberg mit drei schön herausgespielten Treffern der starken Mario Fernandes vom Kreis und Johannsson sowie Daniel Wernig von Rechtsaußen zum 2:4 (6.)

Marian Orlowski hatte größte Mühe mit Johannsson, der die TVB-Deckung im Eins-gegen-eins immer wieder düpierte und der vom cleveren Hüttenberger Spielmacher Tomas Sklenak glänzend in Szene gesetzt wurde. Auch dem TVB-Mittelblock um Dominik Weiß und Manuel Späth fehlte hier und da das Timing gegen die Kreisläufer der Gäste. Nachdem Späth ein tolles Anspiel des guten Schagen zur 6:5-Führung verwandelt und Stefan Salger per Freiwurf beim 7:5 (16.) die erste Zwei-Tore-Führung perfekt gemacht hatte, schien der TVB auf dem Weg, die Kontrolle übers Spiel zu bekommen.
Er tat sich aber weiterhin in der Defensive wie in der Offensive schwer. Hinzu kam, dass auch der Torhüter Johannes Bitter nicht besonders viele Würfe zu fassen bekam – lediglich drei in Halbzeit eins. So blieb’s ein verbissenes, zähes Duell, in dem der TVB zunächst meist ein Tor vorlegte, die Gäste jedoch umgehend eine Lücke in der TVB-Abwehr erspähten. Nach 24 Minuten kegelte Sascha Pfattheicher den Ball im Nachwurf zum 12:9 über die Hüttenberger Torlinie. Die Chance auf eine halbwegs beruhigende Halbzeitführung vergaben die Bittenfelder allerdings. Späth traf zum 14:11 (28.), Johannsson per Doppelschlag zum 14:13.

Mit zwei Torhüterwechseln starteten beide Teams in den zweiten Durchgang: Beim TVB kam Jonas Maier für Bitter, bei den Gästen Matthias Ritschel für Fabian Schomburg. Der TVB versuchte, übers Einlaufen an den Kreis Lücken zu reißen. Zum Erfolg kam er dadurch nur selten. Christian Rompf machte mit dem 15:14 (33.) den 4:0-Lauf des Aufsteiges perfekt. Der TVB rannte fortan meist diesem knappen Rückstand hinterher. Spätestens beim 16:18 (38.) kamen auch die Nerven ins Spiel, es schlichen sich vermehrt technische Fehler ein. Das Heimteam nahm den Kampf an und kam nun auch über die zweite Welle zu leichteren Toren. So traf Samuel Röthlisberger gleich zweimal (18:18 und 20:19).
Nach einer Auszeit (40.) löste Bitter Maier wieder ab, in Griff bekam der TVB den Gegner jedoch nicht – im Gegenteil: Dominik Mappes traf zur 24:22-Führung für den TVH (46.), Johannsson zum 25:23 (49.) und 26:24 (50.) und Moritz Zörb zum 27:25 (52.).
Der TVB kämpfte unverdrossen weiter. Der in den zweiten 30 Minuten effiziente Weiß brachte sein Team auf 26:27 heran, Michael Schweikardt egalisierte zum 27:27 (54.). Zur Führung reichte es jedoch nicht. Zwei Minuten vor Schluss behielt Schweikardt beim Siebenmeter zum 30:30 die Nerven. Der nächste Angriff der Gäste endete im Zeitspiel, diese Einladung zum Siegtreffer nahm der TVB aber nicht an. Den schlimmsten Fall, nur noch zwei Zähler Polster zu den Abstiegsrängen, verhinderte der TVB zumindest. Es bleibt bei vier Punkten – und damit weiterhin prickelnd im Abstiegskampf.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Lobedank, Salger (3), Weiß (6), Schagen (3), Schweikardt (4/1), Späth (4), Kraus (7/1), Baumgarten, Röthlisberger (2), Kienzle, Burmeister, Kretschmer, Orlowski, Pfattheicher (1).
TV Hüttenberg: Ritschel, Schomburg; Sklenak (2), Wörner, Lambrecht, Wernig (5/2), Rompf (1), Zörb (2), Fernandes (5), Johannsson (10), Klein, Sicko, Roth, Mappes (5).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW