Präsent sein, falls Magdeburg schlampt

Dominik-Weiß

Zweiter Teil der englischen Woche für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Bevor er am Sonntag in Wetzlar um den Einzug ins Pokal-Halbfinale kämpft, bekommt er es an diesem Donnerstag (19 Uhr, Porsche-Arena/ZVW-Liveticker) mit dem Tabellenfünften SC Magdeburg zu tun. Der TVB ist krasser Außenseiter, hat aber mit dem Sieg in Ludwigshafen neuen Mut gefasst.

Ein wenig entspannter blicken die Bittenfelder auf die Tabelle nach dem überlebenswichtigen 25:24-Sieg beim direkten Konkurrenten Eulen Ludwigshafen. Von Entwarnung im Abstiegskampf kann zwar zwölf Spieltage vor Schluss nicht die Rede sein, aber immerhin hat sich der TVB mit vier Punkten in die Vorlage gebracht.

Die Chancen, das Polster an diesem Donnerstag noch etwas komfortabler zu gestalten, stehen zumindest auf dem Papier nicht besonders gut: Der SC Magdeburg hat sich in der Tabelle dort platziert, wo ihn die Experten auch am Ende der Saison erwarten: auf Rang fünf.

Starke Auftritte legte der SCM im EHF-Pokal hin, sämtliche drei Gruppenspiele entschied das Team von Trainer Bennet Wiegert für sich. Zuletzt gab’s einen 29:19-Sieg beim slowakischen Meister Tatran Presov.

Fünfmal trafen der SCM und der TVB in der ersten Liga aufeinander, sämtliche Duelle gingen an die Magdeburger. Bei ihren Gastspielen in Stuttgart allerdings hatten sie zweimal größere Schwierigkeiten: 2015 beim 33:30 und in der Vorsaison. Da schrammte der TVB beim 31:32 knapp an einer Überraschung vorbei, hatte in der 43. Minute noch mit 23:19 geführt.

„Das war eines unserer besten Spiele in der vergangenen Spielzeit“, sagt der TVB-Trainer und -Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Als Maßstab indes dienten diese Resultate nicht. „Beide Mannschaften sind jetzt in anderen Situationen.“ Damals hatte der SCM mit 5:7 Punkten in der Tabelle hinter dem TVB gelegen (6:6). Aktuell peilen die Magdeburger einen Top-5-Platz an, der TVB kämpft ums Überleben in der Liga.

Kämen da zwei nicht einkalkulierte Punkte nicht wie gerufen? „Es gibt keinen Zeitpunkt, der nicht ideal wäre für einen Sieg“, sagt Jürgen Schweikardt. „Wir haben uns intensiv auf Magdeburg vorbereitet und wissen, was auf uns zukommt: ein absolutes Top-Team.“

Nach einem durchwachsenen Saisonstart kam das Team von Trainer Bennet Wiegert ins Rollen und ist seit sieben Spielen ungeschlagen. Nicht in allen Partien indes setzte es sich deutlich durch (26:23 in Ludwigshafen, 23:22 in Leipzig, 30:27 gegen Göppingen).

Dennoch müssen die Bittenfelder eine kleine Sternstunde erwischen, wenn sie den Magdeburgern gefährlich werden möchten. „Wenn Magdeburg das Spiel konzentriert angeht, wird es gewinnen“, sagt Schweikardt. „Falls nicht, möchten wir da sein.“ So oder so: Sein Team habe ein Heimspiel vor über 5000 Fans in der Porsche-Arena, da müsse es jedem Spieler eine Freude bereiten, gegen so einen Top-Gegner zu spielen.

Einstellen muss sich der TVB dabei nicht nur auf den torhungrigsten Angriff der Liga – wobei die Rhein-Neckar Löwen mit zwei Spielen in Verzug sind. „Das Tempospiel der Magdeburger ist extrem gut, die können einen ganz schnell überrennen.“

Ein probates Gegenmittel sei, die Zahl der technischen Fehler so gering wie möglich zu halten. Eine weitere große Stärke des SCM sei das Spiel Eins-gegen-eins. Mit Michael Damgaard und Marko Bezjak verfüge der Gegner über Spieler, die diesbezüglich zu den Besten der Liga gehörten.

Ansonsten sind die Magdeburger, wie es sich für eine Spitzenmannschaft gehört, auf sämtlichen Positionen doppelt besetzt: im Tor mit Jannick Green und Dario Quenstedt, im linken Rückraum mit Damgaard und Piotr Chrapkowski, im rechten Rückraum mit Mads Christiansen und Nemanja Zelenovic, auf der Spielmacherposition mit Bezjak und Christian O’Sullivan, am Kreis mit Gleb Kalarash und Zeljko Musa und natürlich auf den Außenpositionen (Robert Weber/Daniel Pettersson sowie Matthias Musche/Lukas Mertens).

Der TVB wird mit unverändertem Kader antreten – also ohne Finn Kretschmer, Tobias Schimmelbauer und Robert Markotic. Gute Fortschritte macht Felix Lobedank in der Reha nach seiner Achillessehnenverletzung. Schweikardt geht davon aus, dass der Linkshänder „ein bis zwei Wochen“ vor Markotic zurückkehren wird.

Lobebank hat beim TVB derweil noch eine weitere Aufgabe zugeteilt bekommen: Er arbeitet im Trainerteam um Karsten Schäfer und Jürgen Schweikardt mit – abhängig davon, inwieweit es sein Reha-Plan zulässt.

Vor einer besonderen Partie steht Johannes Bitter: Der TVB-Keeper spielte von 2004 bis 2007 für den SC Magdeburg.

Tickets für das heutige Spiel gibt es noch ausreichend an der Abendkasse der Porsche-Arena.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW