Neues Glück beim TVB?

Neuer Trainer, neues Glück beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart? Mit einer solchen Interpretation kann der Nachfolger des entlassenen Trainers Markus Baur nicht viel anfangen. „Ich habe nichts Großartiges geändert“, sagt Jürgen Schweikardt nach dem 25:24-Sieg bei den Eulen Ludwigshafen: „Es war genauso Markus’ Sieg.“

Nach zehn Niederlagen in Serie durften die Bittenfelder am Sonntag nach dem schwer erkämpften und am Ende auch etwas glücklichen Erfolg in Ludwigshafen wieder jubeln. Und mittendrin stand der Geschäftsführer und neue Trainer, Jürgen Schweikardt, dem auch am Tag nach dem wichtigsten Sieg in dieser Spielzeit die „riesige Erleichterung“ noch anzumerken war. Schließlich hätte eine Niederlage zum Einstand des Nachfolgers zweifelsfrei diejenigen auf den Plan gerufen, die Baurs – zu diesem Zeitpunkt für viele überraschende – Entlassung kritisiert hatten.

 

War also der Trainerwechsel doch die richtige Entscheidung? Jürgen Schweikardt ist klug genug, den Ball bei diesem sensiblen Thema flachzuhalten. „Wir bauen auf der guten Arbeit von Markus Baur auf“, sagt er. „Es wäre doch das Dümmste gewesen, wenn ich jetzt alles umgestellt hätte.“ Zudem weiß der Trainer und Geschäftsführer sehr wohl, dass sein Team die Friedrich-Ebert-Halle durchaus auch als Verlierer hätte verlassen und auf einen Abstiegsplatz rutschen können. „Sicherlich hatten wir das Glück im richtigen Moment auf unsere Seite, die Eulen hätten den Sieg ebenso verdient gehabt“, sagt er. „Vielleicht aber waren wir ein, zwei Tore besser.“

Das sahen nicht alle Verantwortlichen der Eulen so. Für deren Geschäftsführer jedenfalls war klar, wer die Partie zumindest mitentschieden hatte. „Wenn wir in der stärksten Liga der Welt spielen, sollten wir auch schauen, dass wir die stärksten Schiedsrichter der Welt haben“, sagte Marcus Endlich bei der Pressekonferenz nach dem Spiel und kritisierte die Leistung von Christoph Immel und Ronald Klein.

 

Für Jürgen Schweikardt dagegen waren die Spielleiter „kein Faktor“ in der Partie, der ihm „viel Spaß“ gemacht habe. „Ich denke, es war kein Abstiegskrampf, sondern ein Abstiegskampf, in dem alles drin war, was den Handball so ausmacht.“ Natürlich sei vor dem Hintergrund des Drucks, der auf beiden Teams lastete, nicht zu erwarten gewesen, „dass der Ball wie am Schnürchen durch die Reihen laufen wird, im Vordergrund stand das Ergebnis“.

Die Bittenfelder hatten es mit einem Gegner zu tun, der alles auf die Platte brachte, was ihm zur Verfügung stand. „Den Eulen hat man in jeder Aktion angemerkt, dass es für sie ums Überleben ging“, sagt Schweikardt. Er habe sein Team darauf vorbereitet, dass die Eulen eine enorme Leidenschaft an den Tag legen würden. Seine Spieler hätten jedoch von der ersten Minute an super dagegengehalten.

 

Zwei Trainingsspiele absolvierte der TVB unter der Woche gegen die Drittligisten Oppenweiler/Backnang und Kornwestheim, die sie mit zwölf und acht Toren Differenz gewannen. „Erstens wollte ich wieder ins Coaching reinkommen“, sagt Schweikardt. „Zweitens war’s wichtig, dass Jogi Bitter Spielpraxis bekommt, und drittens haben wir zwei, drei neue Dinge ausprobieren können.“

Beispielsweise die überraschende Rückraum-Formationen mit Dominik Weiß, Marian Orlowski und Bobby Schagen. Der Niederländer hatte auch bei Baur phasenweise im rechten Rückraum gespielt, Orlowski in der Spielmacherrolle indes war eine Neuerung. Und Weiß war zuletzt nicht erste Wahl im linken Rückraum. „Ich denke, diese Formation hat etwas“ – auch wenn die „ordnende Hand“ von Michael Schweikardt oder Mimi Kraus fehle.

 

Schweikardt freut sich „übermäßig, dass Dominik zum entscheidender Faktor geworden ist“. Auch für zwei andere Spieler hat der neue Trainer ein Sonderlob parat: Stefan Salger habe in der zweiten Halbzeit wichtige Tore erzielt und Zeitstrafen herausgeholt. Eine besonders schwierige Aufgabe hatte Max Häfner zu lösen: In der Abwehr musste er sich nach der Pause mit dem besten Eulen-Torchützen, dem agilen David Schmidt, auseinandersetzen. Der Linkshänder und künftige Stuttgarter war kaum zu bremsen. Auch Jürgen Schweikardt war beeindruckt von seinem Neuzugang, der sich hundertprozentig in den Dienst seiner aktuellen Mannschaft gestellt habe. „Hut ab, David hat das richtig gut gemacht, er wollte sich nichts nachsagen lassen. Aber auch Max hat stark gespielt.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW