“Plan B” heißt Jürgen Schweikardt

Schweikardt-Pressekonferenz

Am Sonntag hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart von seinem Trainer Markus Baur getrennt. „Wir sind nach der gemeinsamen Analyse zum Entschluss gekommen, dass die Mannschaft jetzt einen neuen Impuls braucht“, sagte Christian May, Sprecher der TVB-Gesellschafter, bei der Pressekonferenz am Montag. „Wir haben nicht mehr so viele Möglichkeiten.“

Die bittere 21:24-Niederlage in Lübbecke ist den Verantwortlichen des TVB offensichtlich derart an die Nieren gegangen, dass sie in der Trainerfrage früher als vereinbart tätig wurden. Schon vor dem Spiel bei den Eulen Ludwigshafen musste der Trainer Markus Baur seine sieben Sachen packen.

„Wir haben lange gemeinsam diskutiert, im Gesellschafterkreis und mit dem Trainer“, sagte der Gesellschaftersprecher Christian May bei der Pressekonferenz am Montag in der Stuttgarter Scharrena. „Und wir sind überzeugt davon, dass wir diesen Schritt jetzt gehen mussten.“

Den „neuen Impuls“ auf dem Spielfeld soll nun der Geschäftsführer setzen. „Wir hatten keinen Plan B in der Tasche, keinen Trainer, den wir aus dem Hut zaubern konnten“, so May weiter. „Wir trauen Jürgen Schweikardt zu, die Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen.“

Geschäftsführer und Trainer in Personalunion war Schweikardt bereits zu Zweitligazeiten des TVB. Nun wird er diese Doppelfunktion erneut ausfüllen. Nach dem Lübbecke-Spiel habe er die Tendenz im Umfeld gespürt, dass es eventuell mit Markus Baur nicht weitergehen könnte.

„Es war klar, dass auch mein Name ins Spiel kommen wird“, so Schweikardt. „Auch, weil wir finanziell nicht mehr viel Spielraum haben.“ Er sei sich bewusst, dass er nun in sehr großer Verantwortung stehe. „Aber das bin ich sowieso. Und ich wollte mich ihr auch nicht entziehen, schließlich ist der TVB mein Heimatverein.“

Er spüre noch immer das „Trainerfeuer“ in sich und habe große Lust auf diesen Job. „Aber mir wäre es viel lieber gewesen, wenn wir den Weg mit Markus Baur weitergegangen wären.“ Er werde sich jetzt auch nicht vor die Mannschaft stellen und sagen, „jetzt wird alles besser, ich werde vieles von Markus’ Philosophie übernehmen“. Wichtig sei zu versuchen, die Verunsicherung nach zehn Niederlagen zu lösen und vor dem „eminent wichtigen“ Spiel am Sonntag an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen. „Mehr kann man in der Kürze der Zeit sowieso nicht tun.“

Als Assistent zur Seite stehen wird Jürgen Schweikardt weiterhin Karsten Schäfer, wahrscheinlich wird der Trainerstab noch erweitert: Angedacht ist, den derzeit verletzten Felix Lobedank einzubinden.

Wie lange Jürgen Schweikardt die Doppelfunktion ausfüllen wird, ist nicht sicher. „Wir werden uns auf die Suche nach einem neuen Trainer machen“, so Christian May. „Es wird aber sicher kein Interimstrainer sein, sondern eine langfristige Lösung.“ Kontakte zu potenziellen Kandidaten gebe es noch nicht. Geplant werde „bis auf weiteres“ mit Jürgen Schweikardt. „Sollten wir vorher einen geeigneten Trainer finden, ist es auch recht.“

Große Sorgen, keinen Nachfolger für Baur zu finden, machen sich die Verantwortlichen nicht. „Wir sind ein attraktiver Verein“, sagte Schweikardt. Das Anforderungsprofil des neuen Coaches sei unverändert: „Er sollte Deutsch sprechen und von der Mentalität her zu uns passen.“ Und er müsse erfolgreich sein. „In den letzten eineinhalb Jahren hat das nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellte hatten.“

Mit der Trainerfrage dürfte sich Jürgen Schweikardt in den kommenden Wochen eher weniger beschäftigen, schließlich gibt es genügend andere Baustellen. So bleibt dem TVB das große Verletzungspech ein treuer Begleiter durch die Saison. Nach Finn Kretschmer (Fingerbruch) fallen auch Tobias Schimmelbauer (zweifacher Bänderriss im Knöchel) und der Neuzugang Robert Markotic (Sehnenanriss am Hüftbeuger) mindestens sechs Wochen aus.

Als Geschäftsführer muss sich Schweikardt überdies um die Personalplanungen kümmern. Die Verträge mit Marian Orlowski, Simon Baumgarten und Johannes Bitter laufen aus, Gespräche stehen demnächst an – wobei der Torhüter als entscheidender Eckpfeiler im Team gilt. „Wir sind ständig im Austausch mit Jogi“, so Schweikardt. „Ich habe ein gutes Gefühl, dass er verlängern wird. Aber das funktioniert natürlich nur, wenn wir in der Liga bleiben.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW