Optimismus, aber auch Personalsorgen

Jonas-Maier

Die Bilanz von 0:20 Punkten ist ernüchternd, die Lage für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart ist ernst. Die ordentliche Leistung des Drittletzten bei der 26:33-Niederlage gegen den Tabellenzweiten TSV Hannover-Burgdorf am Donnerstag gibt jedoch Anlass zu Optimismus vor dem wegweisenden nächsten Spiel beim Vorletzten Eulen Ludwigshafen.

Das Daumendrücken der Fußball-Kollegen von nebenan hat nicht gereicht für die Überraschung: Die VfB-Kicker Holger Badstuber, Daniel Ginczek und Ron-Robert Zieler zitterten in der Scharrena mit dem TVB – wobei Letzterer mit gemischten Gefühlen zu kämpfen hatte. Schließlich spielte der VfB-Keeper lange Jahre in Hannover.

Die 96er spielen als Aufsteiger eine starke Saison, die Handballer der Turn- und Sportvereinigung Hannover-Burgdorf sind noch erfolgreicher unterwegs und lehren die Top-Teams das Fürchten. In nur drei von 21 Spielen gingen sie leer aus, da können nur der Deutsche Meister Rhein-Neckar Löwen und die Füchse Berlin mithalten. Weil die Berliner am Donnerstag nicht im Einsatz waren, schob sich das Team um den Ex-Bittenfelder Kai Häfner vorläufig auf Rang zwei der Tabelle.

Was die Recken draufhaben, demonstrierten sie in der Scharrena. Ausgeglichen besetzt und mit dem einen oder andere Ausnahmekönner in seinen Reihen, schlug das Team des spanischen Trainers Carlos Ortega immer dann zu, wenn Gefahr bestand, dass der TVB ihm gefährlich nahe rücken könnte. Ganz im Stil einer abgezockten Spitzenmannschaft.

„Uns war klar, dass wir keine Chance haben werden, wenn Hannover auf hohem Niveau spielt“, sagt Markus Baur am Tag nach der Partie. Trotz der Niederlage war der TVB-Trainer mit der Vorstellung seiner Mannschaft zufrieden – abgesehen von den letzten fünf Minuten. Da ließ sein Team nach dem 26:29 vier Hannoveraner Treffer in Folge zu und verpasste ein knapperes Resultat. „Das musste nicht sein und stört mich schon sehr.“

In den 55 Minuten davor hatte der TVB den Favoriten vor manche Schwierigkeit gestellt, die wieder einmal mäßige Abschlussquote spielte dem Gegner jedoch in die Karten. Knapp 50 Prozent der Würfe fanden den Weg ins Gästetor. Eine Ausnahme bildete Manuel Späth: Der Kreisläufer traf bei fünf Versuchen fünfmal.

Deutlich Luft nach oben hat nach wie vor der Stuttgarter Rückraum. Marian Orlowski war mit sechs Treffern zwar der erfolgreichste Torschütze, er warf aber auch 13-mal aufs Tor. Mimi Kraus verwandelte alle drei Siebenmeter, aus dem Spiel heraus brauchte er für zwei Treffer zehn Versuche. „Das ist halt seine Spielweise“, sagt Markus Baur. „Es gibt auch Spiele, da trifft er mit solchen Aktionen. Es ist immer ein schmaler Grat.“ Dominik Weiß ist weiter auf der Suche nach seiner Sicherheit, bei Stefan Salger wechselten Licht und Schatten. Und der Neuzugang Robert Markotic ist noch nicht die erhoffte Verstärkung.

Gebraucht wird der Kroate in den kommenden Spielen jedoch mehr denn je, schließlich beklagt der TVB erneut zwei Verletzte: Der Rechtsaußen Finn Kretschmer wird wegen eines Fingerbruchs mindestens vier Wochen fehlen. Noch schwerwiegender dürfte der Ausfall von Tobias Schimmelbauer wiegen. Im Zweikampf mit Evgeni Pevnov knickte er um. Die Diagnose steht zwar noch aus, es ist aber davon auszugehen, dass Baur auch auf Schimmelbauer einige Spiele verzichten muss. Allen voran in der Defensive, wo Schimmelbauer auf der Halbposition gesetzt ist, trifft dies den TVB hart. „Da müssen wir uns etwas überlegen“, sagt Baur. In der Offensive steht Max Häfner parat – wobei der Coach mit Michael Schweikardt oder auch Dominik Weiß weitere Alternativen hat.

Ganz gleich, wer auf welcher Position spielen wird: Am Sonntag in einer Woche, im Abstiegsduell bei den Eulen Ludwigshafen, benötigt der TVB eine ähnliche Leistung wie gegen Hannover. „Ich denke, allen ist bewusst, was auf dem Spiel steht“, sagt Baur. Mit der elften Niederlage in Folge rutschte sein Team auf einen Abstiegsrang. Ein Sieg dagegen verschaffte dem TVB vier Punkte Polster – und dem Trainer vermutlich das entscheidende Argument für die Vertragsverhandlungen Anfang März.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW