Hoffnung auf die Wende

Schimmelbauer-Ludwigshafen

Seit neun Spielen ist der TVB 1898 Stuttgart in der ersten Handball-Bundesliga ohne Punkt, der TSV Hannover-Burgdorf ist seit elf Partien ungeschlagen: Die Kräfteverhältnisse vor der Partie des Drittletzten gegen den Dritten an diesem Donnerstag in der Scharrena sind eindeutig verteilt. Die leise Hoffnung auf einen Befreiungsschlag des TVB besteht dennoch.

Es spricht nicht viel für den TVB in diesen Tagen. Groß ist die Verunsicherung nach 0:18 Punkten, die Angst vor dem Abstieg geht um – und der Trainer steht in der Kritik. Immerhin: Vom Geschäftsführer gab’s ein – vorläufiges – Treuebekenntnis: Markus Baur, so Jürgen Schweikardt, werde in den Partien gegen Hannover und in Ludwigshafen auf der Bank sitzen.

Zweimal also noch hat der 47-Jährige die Chance, schlagkräftige Argumente zu sammeln für die Vertragsgespräche Anfang März. Beim Vorletzten Eulen Ludwigshafen am 25. Februar darf der TVB unter keinen Umständen leer ausgehen. Und eigentlich sollte er auch schon an diesem Donnerstag etwas Zählbares in der Scharrena behalten.

Letzter Heimsieg im September

Lange ist es her, dass die TVB-Fans in Stuttgart jubeln durften: Der letzte Heimsieg datiert vom 17. September 2017, als der TVB die Eulen mit 25:22 bezwang. Damals war bei 4:4 Punkten die Welt noch in Ordnung, mittlerweile sind die Nerven arg strapaziert. Vor allem nach dem jüngsten Auftritt in Lübbecke. An der 21:24-Niederlage haben die Trainer, Verantwortlichen und Spieler kräftig zu knabbern.

„Wir haben uns noch einmal das Video vom Spiel angeschaut“, sagt Markus Baur. „Die Spieler waren teilweise geschockt, als sie sahen, wie lange wir die Chance hatten, das Spiel zu gewinnen.“ In den letzten elf Minuten gelangen Lübbecke lediglich drei Tore, „und wir hatten acht-, neunmal die Gelegenheit heranzukommen“. Wie schon so oft in dieser Saison scheiterte der TVB an seiner Abschlussschwäche.

Mit Überzeugung den Abschluss suchen

In der vergangenen Saison flutschte es vor allem in der entscheidenden Phase gegen Ende deutlich besser in der Offensive. Markus Baur warnt jedoch davor, sich darauf zu verlassen, „dass es irgendwann schon wieder klappen wird“. Seine Spieler müssten in jedem Spiel versuchen, aussichtsreiche Situationen zu erzwingen, und mit Überzeugung den Torabschluss suchen. „Das heißt zwar nicht automatisch, dass man erfolgreich ist“, sagt der Trainer. „Aber die Chancen sind besser.“

Ob die Bittenfelder ausgerechnet gegen den TSV Hannover-Burgdorf die Kurve kriegen? Im Hinspiel waren sie bei der 20:27-Niederlage in allen Belangen unterlegen gegen das Überraschungsteam dieser Saison: Als Tabellendritter mischt Hannover im Konzert der Großen mit, nur dreimal – in Leipzig, bei den Rhein-Neckar Löwen und in Melsungen – verließ der TVB-Gegner als Verlierer das Spielfeld.

Neuverpflichtungen bei Hannover: Starke Kreisläufer

Baur traut dem Team von Trainer Carlos Ortega zu, dass es bis zum Ende um die internationalen Plätze mitspielen wird. Deutlich stärker als im Vorjahr seien die Hannoveraner am Kreis besetzt mit den Neuverpflichtungen Evgeni Pevnov (VfL Gummersbach) und Ilija Brozovic (THW Kiel). „Das nutzen sie sehr gut aus.“

Das Rückraumspiel sei von den Nationalspielern Kai Häfner – der in der SCHARRena zum zweiten Mal auf seinen Bruder Max trifft –, Mait Patrail und Morten Olsen geprägt. Mit Fabian Böhm sowie Runar Karason habe Ortega sehr gute Alternativen in der Hinterhand. Beim jüngsten 36:29-Sieg gegen Minden feierte der russische Nationalspieler und Spielmacher Pavel Atman nach langer Verletzungspause sein Debüt im TSV-Trikot. Stark besetzt ist Hannover im Tor mit Martin Ziemer und Malte Semisch, in prächtiger Form präsentiert sich derzeit der dänische Nationalspieler Casper Mortensen auf Linksaußen.

TVB tritt in unveränderter Aufstellung an

In der Summe hat der TVB nicht diese Qualität, doch Baur gibt sich kämpferisch. „Wir müssen versuchen, unsere Abwehrleistung aus dem Lübbecke-Spiel auf die Platte zu bringen, kompakt und physisch stark sein“, sagt er. „Vielleicht schaffen wir’s mal, gut ins Spiel zu kommen und die Halle hinter uns zu bringen.“ So wie in der vergangenen Saison, als der TVB in einem seiner besten Bundesligaspiele überhaupt Hannover mit 30:20 in die Knie zwang.

Der TVB tritt in unveränderter Aufstellung an: Jogi Bitter und Mimi Kraus haben ihren ersten Einsatz gut überstanden, der Neuzugang Robert Markotic steht vor seinem ersten Heimspiel.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW