Punkte werden benötigt

TVB-in-der-Auszeit

Neun Niederlagen in Serie, Drittletzter, zwei Punkte Abstand auf die Abstiegsplätze: Markus Baur, Trainer des Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart, braucht dringend ein Erfolgserlebnis. Für die nächsten beiden Spiele bekommt er von seinem Geschäftsführer eine Job-Garantie. „Es bleibt dabei“, sagt der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Wir setzen uns wie besprochen Anfang März zusammen.“

Von wegen Trendwende: Die Lage für den TVB hat sich nach der 21:24-Pleite beim Aufsteiger und Abstiegskonkurrenten TuS N-Lübbecke weiter verschlechtert. Das letzte Erfolgserlebnis gab’s am 5. November vergangenen Jahres beim 28:23 in Hüttenberg, es folgten neun Niederlagen hintereinander – ein Negativrekord in der noch jungen Bundesligageschichte des TVB.

Es ist allerdings nicht alleine die magere Anzahl von Punkten, die dem TVB zu schaffen macht. Der phasenweise hilflose Auftritt am Sonntag beim biederen Liga-Neuling gibt zu denken und nährt nicht eben die Hoffnung auf einen Befreiungsschlag in den kommenden schweren Spielen. Irgendwie scheint es nicht vorwärtszugehen beim TVB – und da nun einmal der Trainer für den sportlichen Erfolg zuständig ist, wird die Kritik an Markus Baur immer lauter.

Ist das Spiel an diesem Donnerstag (19 Uhr) in der Scharrena gegen den TSV Hannover-Burgdorf womöglich bereits das letzte für den Weltmeister von 2007? Nein, sagt der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Wir haben im Januar besprochen, dass wir uns Anfang März zusammensetzen und über die Vertragsverlängerung reden. Daran hat sich nichts geändert.“ Sprich: Baur wird sowohl am Donnerstag als auch im darauffolgenden Spiel beim Aufsteiger und Vorletzten Eulen Ludwigshafen am 25. Februar auf der Trainerbank sitzen.

Schweikardt ist es leid, ständig mit dem Trainerthema konfrontiert zu werden. „Es ist ad acta gelegt, wir konzentrieren uns auf die kommenden Spiele.“ Das Team müsse nun jede Gelegenheit nutzen, zu punkten. „Es ist auch ganz egal, wie der Gegner heißt. Es ist auch gegen Hannover etwas möglich.“ Dazu müssten sich die Bittenfelder allerdings im Angriff gewaltig steigern. Das weiß auch der Geschäftsführer. „Wir haben zurzeit aus dem gebundenen Spiel heraus Probleme, uns fehlen die einfachen Tore und das Tempospiel“, sagt Schweikardt. Die Verunsicherung aufgrund der langen Durststrecke sei auch in Lübbecke zu spüren gewesen. „Es fehlt nach wie vor die letzte Entschlossenheit im Abschluss, und mit Selbstvertrauen sind die Spieler logischweise auch nicht gerade reich gesegnet.“

„Riesig enttäuscht“ vom Auftritt seiner Mannschaft war auch der Trainer. „Mit 21 Toren kannst du kaum gewinnen“, sagt Markus Baur. Mit seiner Offensivschwäche hat der TVB in dieser Saison zu kämpfen – bis auf wenige Ausnahmen. So gelangen in den jüngsten sechs Spielen nie mehr als 24 Tore. Treffsicherer waren die Bittenfelder in den Testspielen während der EM-Pause, weshalb Baur vor der Partie in Lübbecke guter Hoffnung war. „Wir wollten uns mit einer starken Defensive das Selbstvertrauen für die Offensive holen“, so Baur.

Teil eins des Planes ging auf, der Gegner fand 30 Minuten keine Mittel gegen das TVB-Bollwerk vor dem guten Jonas Maier im Tor. Die Bittenfelder schafften es jedoch nicht, die Defensivqualitäten in den Angriff zu übertragen. „Es war schon erschreckend, wie viele Chancen wir ausgelassen haben“, sagt der Coach. Ganz gleich, mit welcher Rückraumformation es Baur versuchte: Die Wurfquote von Marian Orlowski, Dominik Weiß, Stefan Salger, Michael Kraus und Michael Schweikardt war zu schwach. Licht und Schatten hatte der Neuzugang Robert Markotic im rechten Rückraum. „Fürs erste Spiel war’s aber ganz in Ordnung“, sagt Baur.

Trotz der schwachen Wurfausbeute hatte der TVB 1898 Stuttgart nach der Pause beim 8:8 die Chance, die Wende herbeizuführen. Dann jedoch machten ihm die vielen technischen Fehler zu schaffen, welche Lübbecke mit Gegenstoßtoren bestrafte. „Die haben uns letztlich das Genick gebrochen.“ Der TVB selbst kam kaum zu Kontergelegenheiten – oder ging sie nicht entschlossen genug an.

Es bleibt nach diesem unterm Strich ungenügenden Auftritt die Erkenntnis, dass der TVB auf der Stelle zu treten scheint – und in höchster Abstiegsgefahr schwebt angesichts des knackigen Restprogramms. „Mir ist natürlich klar, dass die Stimmen gegen mich jetzt lauter werden“, sagt Markus Baur. „Ich bin schon lange genug im Geschäft und weiß, dass jetzt schnell Ergebnisse hermüssen.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW