TVB muss auf gnädige Löwen hoffen

Marian-Orlowski-Melsungen

Die Leistung des Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart gegen Melsungen lässt das Schlimmste befürchten für die Partie gegen die Rhein-Neckar Löwen am Dienstag in der Porsche-Arena: Der Tabellenführer präsentiert sich in Galaform. „Wichtig ist, dass wir uns nach dem Spiel nichts vorwerfen lassen müssen“, sagt TVB-Trainer Markus Baur.

Nach der Partie am Donnerstag in Kassel gegen die MT Melsungen musste sich der TVB die Kritik gefallen lassen, zum wiederholten Mal in dieser Saison erst wach geworden zu sein, nachdem das Spiel bereits in die  falsche Richtung gelaufen war. „Gegenüber dem Leipzig-Spiel war das ein deutlicher Rückschritt“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt.

40 Minuten lang leichtes Spiel für die Melsunger
Zwar hatte der TVB auch gegen die Ostdeutschen die Halle als Verlierer verlassen, am Einsatzwillen indes gab’s nicht viel auszusetzen. Gegen Melsungen allerdings schon. „Wenn man gegen einen körperlich so präsenten Gegner nicht von Anfang an dagegenhält, wird’s schwer“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Das stinkt mir schon gewaltig.“ Die Melsunger hatten 40 Minuten lang leichtes Spiel mit dem zaghaften TVB – und sie mussten dabei nicht einmal übermäßigen Körpereinsatz zeigen. Ohne Zwei-Minuten-Strafe kam das Team von Trainer Michael Roth aus – ungewöhnlich, schließlich liegt es in der Zeitstrafentabelle auf Rang drei. „Es hat häufig der letzte Schritt in die Tiefe gefehlt“, sagt Baur, der Marian Orlowski ein Sonderlob ausstellt. „Er hat es in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht.“ Dass der TVB selbst lediglich einmal in Unterzahl war, ist ein Zeichen dafür, dass er auch in der Abwehr nicht besonders kontaktfreudig war. Zumindest in den ersten 30 Minuten. Hinzu kam, dass der Torhüter Jonas Maier bei weitem nicht an seine Leistung aus dem Leipzig-Spiel anknüpfte.

Niederlage im erträglichen Rahmen
„In der zweiten Halbzeit haben wir es besser gemacht“, sagt Baur. Das habe sein Team den einen oder anderen Fehler der Melsunger provoziert. „Und im Spiel sieben gegen sechs haben wir etwas mehr Sicherheit in unser Spiel bekommen“ – und damit die Niederlage beim 24:32 im erträglichen Rahmen gehalten.

Melsungen war ein starker Gegner, am Dienstag indes bekommen die Bittenfelder ein noch größeres Kaliber vorgesetzt. „Was die Löwen derzeit abziehen, das ist der Wahnsinn“, sagt Baur. „Die spielen in einer anderen Liga.“ Auf den furiosen 37:23-Sieg gegen die Füchse Berlin ließ der Spitzenreiter am Donnerstag ein nicht minder beeindruckendes 32:27 gegen den Titelkonkurrenten SG Flensburg-Handewitt folgen.

Böses Erwachen bei den Löwen?
Sollten die Löwen am zweiten Weihnachtsfeiertag ähnlich aufspielen, dürfte es für den TVB ein böses Erwachen geben. Im Hinspiel vor drei Wochen hatten die Löwen den TVB nach 40 Minuten mit 24:14 distanziert. Doch wie gegen Melsungen riss sich der TVB danach am Riemen und hielt die Niederlage beim 23:33 im Rahmen. „Wir müssen uns auf drei, vier Aufgaben konzentrieren“, sagt Baur. „Wenn die Löwen in Fluss kommen, werden sie uns niederrennen und abschießen.“

Eine Schlappe, das weiß auch der Trainer, wäre nicht förderlich. Mit einem unguten Gefühl müsste der TVB in die EM-Pause gehen, und bei den Fans hätte er allmählich seinen Kredit verspielt. „Wir dürfen uns nicht vorwerfen lassen, dass wir uns nicht mit letzter Kraft dagegengestemmt hätten“, sagt Baur. So sieht’s auch der Geschäftsführer. „Wichtig ist, dass die Zuschauer zufrieden nach Hause gehen nach zuletzt nicht so guten Heimspielen von uns“, sagt Jürgen Schweikardt.

Noch nicht auf dem Abstiegsplatz
Zufrieden sein muss der TVB auch, wenn er die zwei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge mit ins neue Jahr nimmt. Die Konkurrenten sind derzeit immer wieder für Überraschungen gut. „Wir müssen, wie im Vorjahr, auf uns schauen“, sagt Baur. „Und noch stehen wir nicht auf einem Abstiegsplatz.“

Unsicher ist der Einsatz von Felix Lobedank. Der Linkshänder hat wieder Probleme mit der Achillessehne. Als zweiter Torhüter hinter Jonas Maier steht dieses Mal Daniel Sdunek parat.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW