Zur Halbzeit ist der Traum des TVB schon zu Ende

Mit einem desolaten Auftritt in den ersten 40 Minuten (13:24) hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart gestern Abend alle Chancen verbaut, die MT Melsungen zu fordern. Einziger Trost nach der 24:33-Niederlage: Der TVB riss sich im zweiten Durchgang zusammen und verhinderte das Debakel. Die schwache Form einzelner Akteure ist allerdings bedenklich.

Die Aussichten des TVB, den unerwarteten Hinspielerfolg in der Kasseler Rothenbach-Halle zu wiederholen, waren vor dem Anpfiff nicht besonders gut – auch wenn sich die Melsunger zuletzt in eigener Halle den Göppingern geschlagen geben mussten. Gestern Abend mussten sich die 4158 Zuschauer um ihr Team keine großen Sorgen machen: Der TVB 1898 Stuttgart war weit von einer Überraschung entfernt und verspielte mit einer vor allem im ersten Spielabschnitt teilweise fahrigen Vorstellung seine kleine Chance, den Favoriten zumindest ein bisschen zu ärgern.

In den ersten sieben Minuten waren die Bittenfelder nicht wirklich auf dem Spielfeld: Melsungen, angeführt vom wurfgewaltigen Nationalspieler Julius Kühn, spazierte durch die Gästeabwehr und führte mit 5:1. Im Angriff ging der TVB unkonzentriert zu Werke, leistete sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Fehlwürfe. Hoffnung machten vier gute Minuten, die von den drei besten Bittenfeldern geprägt waren: Michael Schweikardt drückte aufs Tempo, Marian Orlowski (2) und Bobby Schagen verkürzten auf 4:5. Die Entschlossenheit der beiden Torschützen ließen die meisten anderen TVB-Spieler im Angriff vermissen. Einen ganz schwachen Tag erwischte Stefan Salger im rechten Rückraum, auf der anderen Seite lief’s bei Dominik Weiß nicht besser.

So schnell sich der TVB herangearbeitet hatte, so schnell verfiel er wieder in die alten Fehler: Mit unvorbereiteten Würfen blieben die Spieler gleich reihenweise am starken Melsunger Block hängen, etliche technische Fehler spielten dem Heimteam in die Karten. Binnen fünf Minuten zog es mit einem 6:0-Lauf auf 11:4 davon (15.), Kühn donnerte den Ball mit seinem sechsten Treffer zum 14:6 (22.) in die Maschen. Auch der Torhüterwechsel, Nick Lehmann ersetzte den glücklosen Jonas Maier, brachte keinen Impuls. Melsungen hatte die Partie klar im Griff und ging mit der hochverdienten 18:10-Führung in die Halbzeit. Der TVB war in einigen Phasen lediglich ein Spielball des Gegners. Im zweiten Spielabschnitt ging es zunächst im ähnlichen Stil weiter: Maier, wieder für Lehmann im Kasten, bekam weiterhin kaum einen Ball zu fassen. Und seine Kollegen im Angriff ballerten unverdrossen in den Melsunger Block oder über den Kasten. Beim 21:11 (36.) war der Rückstand erstmals zweistellig, Tobias Reichmann legte zum 23:12 nach (38.). Es bahnte sich ein Debakel an für den TVB.

Nach 40 Minuten versuchte es der TVB-Trainer Markus Baur mit dem siebten Feldspieler als taktisches Mittel – und diese Maßnahme hatte tatsächlich Erfolg. Der TVB fand endlich den freien Mann, die Abschlussquote verbesserte sich. Binnen zehn Minuten verkürzten die Gäste auf 21:27 und waren nun ein nahezu ebenbürtiger Kontrahent. Der TVB schaffte es allerdings nicht, das Ergebnis noch freundlicher zu gestalten. Die Würfe wurden wieder unpräziser, der MT-Keeper Johan Sjöstrand blieb immer öfter Sieger in den Duellen. Lemke stellte beim 32:22 drei Minuten vor dem Ende den Zehn-Tore-Vorsprung wieder her, am Ende stand’s 33:24.

Der Laune nicht zuträglich war die Nachricht aus Lübbecke: Der Abstiegskonkurrent des TVB besiegte gleichzeitig den TSV GWD Minden klar mit 29:22 und ist nun bis auf einen Punkt an das Baur-Team herangerückt. Kleiner Trost: Weil die Eulen Ludwigshafen und der TV Hüttenberg ihre Spiele verloren, blieb’s wenigstens beim – dünnen – Zwei-Punkte-Polster auf die Abstiegsränge. Die Chancen, vor der Winterpause ein bisschen etwas draufzupacken, sind allerdings verschwindend gering: Am zweiten Weihnachtsfeiertag kommen die Rhein-Neckar Löwen in die Porsche-Arena.

MT Melsungen: Sjöstrand, Simic; Maric (1), Kühn (8), Lemke (2), Golla (5), Reichmann (4/1), Mikkelsen (2), Danner, Philipp Müller (1), Boomhouwer, Schneider (1), Allendorf (2), Jaanimaa, Michael Müller (4), Haenen (3). 
TVB 1898 Stuttgart: Maier, Lehmann; Schimmelbauer (1), Lobedank, Salger (2), Weiß, Schagen (8/2), Schweikardt (4), Späth (1) Baumgarten, Röthlisberger (1), Kretschmer, Orlowski (6), Pfattheicher (1).

Quelle: ZVW