Ernüchternde Hinrunden-Bilanz

Tobias-Schimmelbauer-Team

Mit der 22:27-Niederlage gegen den SC DHfK Leipzig hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart die Hinrunde beendet. Die Bilanz ist ernüchternd: Nur ein Punkt mehr als in der vergangenen Saison steht auf dem Konto, und der Abstand von drei Zählern zu den Abstiegsrängen könnte sich bis zur EM-Pause im Januar noch verringern.

Gut gefüllt sind in der Regel die Pressetribünen in der Stuttgarter Scharrena und Porsche-Arena bei den Spielen des TVB 1898 Stuttgart. Am Sonntag früh wurde es in der Scharrena noch ein bisschen enger als sonst: Gleich vier Medienvertreter aus Leipzig hatten sich angesagt – und ein recht exotischer Gast. Aus Bern war ein Reporter angereist. Objekt der Begierde war sein Schweizer Landsmann im TVB-Trikot, Samuel Röthlisberger. Der Reporter dürfte gute Nachrichten in die Heimat mitgebracht haben, denn der Abwehrspezialist legte wieder einmal einen überzeugenden Auftritt aufs Parkett. Wie die meisten von Röthlisbergers Kollegen in der Defensive.

Insgesamt 21 Fehlwürfe aus dem Spiel heraus
Dass der TVB auch im sechsten Spiel hintereinander als Verlierer vom Platz trottete, lag vielmehr an der schludrigen und unkonzentriert agierenden Offensivabteilung. „So ein Spiel ärgert einen natürlich wahnsinnig“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur am Tag danach mit Blick auf die statistischen Werte. Sechs verlorene Bälle führten zu direkten Gegentoren, Bobby Schagen (zweimal) und Michael Schweikardt scheiterten beim Siebenmeter. Aus dem Spiel heraus leistete sich der TVB insgesamt 21 Fehlwürfe, etliche auch aus hervorragenden Positionen. Das ergibt eine Wurfquote von knapp unter 50 Prozent.

Baur: “Die Defensive war aktiver als zuletzt”
Fatal und für Baur nicht nachvollziehbar waren die Fehlpässe in die Hände der Leipziger, die sich vor allem Marian Orlowski leistete. „Dabei wussten wir, dass die Leipziger auf solche Pässe spekulieren, und haben uns darauf vorbereitet“, sagt Baur. „Ich weiß nicht, ob das nun mit Verunsicherung oder Angst zu tun hat. Wenn allerdings diese Basics jedenfalls fehlen, wird’s ganz schwer.“

Doppelt ärgerlich war die Niederlage für den Coach, weil sein Team am Sonntag eine andere Baustelle geschlossen hatte. Die Abwehr hat Leipzig vor schwierige Aufgaben gestellt, aus dem Rückraum kam der Gegner kaum zum Erfolg. „Die Defensive war aktiver als zuletzt, das Zusammenspiel mit dem Torhüter hat gut funktioniert“, sagt Baur. „Das war uns ja angekreidet worden.“

Rote Karte für Schimmelbauer
Zu Punkten indes hat es wieder nicht gereicht – auch wenn Baur sein Team mit Leipzig in vielen Bereichen ebenbürtig sah. „In den entscheidenden Phasen war Leipzig abgezockter, das ist dann der Qualitätsunterschied.“

Bisweilen fehlt’s auch an der Disziplin. So war die Rote Karte, die sich Tobias Schimmelbauer nach 20 Minuten einhandelte, extrem unnötig. Nach seiner zweiten Zeitstrafe meckerte der Linksaußen so lange, bis die Schiedsrichter eine doppelte Zeitstrafe aussprachen. „Auch wenn er das Gefühl hatte, dass er am Foulspiel nicht beteiligt war, muss er einfach ruhig sein.“

Nur drei Punkte Abstand zu den Abstiegsplätzen
Nach der zwölften Saisonniederlage beendet der TVB die Hinserie mit neun Punkten, hat damit lediglich einen Zähler mehr gesammelt als in der vergangenen (Zitter-) Saison und nur die drei Aufsteiger TV Hüttenberg, Eulen Ludwigshafen und TuS Nettelstedt-Lübbecke hinter sich gelassen.

Ob’s bei den drei Punkten Abstand zu den beiden Abstiegsplätzen bis zum Jahreswechsel bleiben wird, ist eher fraglich: In den beiden restlichen Partien in Melsungen und gegen die Rhein-Neckar Löwen wird der TVB sein Konto wohl kaum aufhübschen können. Die Chancen der Konkurrenz sind diesbezüglich deutlich größer: Lübbecke hat noch Lemgo und Minden zu Gast. Die Eulen Ludwigshafen rechnen sich in Erlangen etwas aus – wobei die Franken mit dem überraschenden 28:25-Sieg in Göppingen sicherlich Selbstvertrauen getankt haben dürften. In der Tabelle hat der HCE den TVB eingeholt. „Es war eine Frage der Zeit, bis Erlangen da unten rauskommt“, sagt Baur. Außer den drei Aufsteiger sieht er „vielleicht noch“ den VfL Gummersbach als Abstiegskonkurrenten.

In der EM-Pause “schauen, wie es weitergeht”
Der TVB kämpft also auch in seiner dritten Erstliga-Saison ums Überleben. „Wir sind schon enttäuscht, das haben wir uns anders vorgestellt“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Das Team müsse jetzt mit der Situation umgehen. Während der EM-Pause im Januar sei Zeit zur ausgiebigen Analyse. „Da müssen wir schauen, wie es weitergeht.“ Auch mit der – wieder einmal schwierigen – Kaderplanung für die neue Saison. Der eine oder andere Vertrag läuft aus, auch der des Trainers Markus Baur. „Auch mit ihm werden wir uns im nächsten Monat zusammensetzen“, sagt Schweikardt.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW