Gegen Leipzig sind Punkte möglich

Die standesgemäße 23:33-Niederlage am Donnerstag beim Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen ist abgehakt, beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart richten sich die Blicke auf Sonntag. Gegen den SC DHfK Leipzig gilt es, alle Kräfte zu mobilisieren. Realistisch betrachtet ist es die letzte Chance für den TVB, in diesem Kalenderjahr noch zu punkten.

Die Kräfteverhältnisse waren eindeutig in der Mannheimer SAP-Arena: Die Rhein-Neckar Löwen waren in allen Belangen überlegen gegen den TVB 1898 Stuttgart, der jedoch eine Blamage verhinderte. „Wir haben viele gute Sachen gemacht“, sagt Markus Baur. Etliche vergebene freie Chancen hätten ein knapperes Resultat zur Halbzeit verhindert. Positiv stimmt den Trainer, dass sein Team in den zweiten 30 Minuten drangeblieben sei. Immerhin ging der zweite Abschnitt lediglich mit 15:17 verloren. Und das, obwohl der Coach außer auf den verletzten Michael Kraus nach der Halbzeit auch auf seinen zweiten Spielmacher verzichten musste: Michael Schweikardt stand zu Beginn trotz einer starken Erkältung auf dem Spielfeld, blieb aber dann aber auf der Bank.

Weiß am Sonntag einsatzbereit
Hinter der tauchte acht Minuten vor dem Ende auch Dominik Weiß auf: Nach einem Schlag auf die Wade musste sich der Rückraum-Shooter, der wie Stefan Salger auf der anderen Halbposition wenig Akzente setzte, behandeln lassen. Weiß kehrte jedoch noch einmal aufs Feld zurück, einem Einsatz am Sonntag dürfte demnach nichts im Wege stehen. Kurz gezittert hat Markus Baur in der 25. Minute: Nach einer Abwehraktion kollidierte der Torhüter Jonas Maier mit dem Löwen-Kreisläufer Hendrik Pekeler unglücklich, größeren Schaden indes nahm keiner.

Der TVB braucht einen Glanztag
Nach zwei Tagen Pause unternimmt der TVB am Sonntag im drittletzten Spiel in diesem Kalenderjahr den nächsten Versuch, sich ein kleines Polster auf die Abstiegsränge zu erarbeiten. 19:11 Punkte hat der SC DHfK Leipzig auf dem Konto – genauso viele wie der THW Kiel. Alleine diese Tatsache zeigt, welches Kaliber der TVB in der Scharrena vor der Brust haben wird. Angesichts der restlichen Gegner, MT Melsungen und noch einmal die Löwen, sind die Aussichten in dieser Partie noch am besten. Nichtsdestotrotz braucht der TVB einen Glanztag, um den selbstbewussten Kontrahenten zu überraschen. Zuletzt feierten die Leipziger beim 35:21 in Ludwigshafen ihren höchsten Erstligasieg. Zuvor hatten sie unter anderem FA Göppingen (33:28), Melsungen (30:27) und die SG Flensburg-Handewitt (25:22) in die Schranken gewiesen.

Baur: “Das ist schon eine Hausnummer”
Entsprechend groß ist der Respekt bei Markus Baur. „Leipzig ist auf allen Positionen doppelt besetzt, hat erfahrene und entwicklungsfähige Spieler.“ Der Kader blieb nahezu unverändert – und wurde mit dem deutschen Nationalspieler Philipp Weber, er kehrte von der HSG Wetzlar zurück, extrem verstärkt. „Der ist schon eine Hausnummer“, sagt Baur. Derzeit müssen die Leipziger auf den Torschützenkönig der vergangenen Saison wegen eines Mittelfußbruches verzichten. Zuletzt fehlten auch der Torhüter Jens Vortmann und der linke Rückraumspieler Tobias Rivesjö, beide sollen am Sonntag wieder dabei sein.

Fünf Leipziger im vorläufigen EM-Kader
Dass die Ausfälle die Leipziger nicht aus der Spur brachten, spricht für den starken, ausgeglichenen Kader. Aus dem wurden gleich fünf Spieler in den vorläufigen EM-Kader berufen: Weber, Niclas Pieczkowski, Maximilian Janke, Franz Semper und Bastian Roscheck. Großes Plus des TVB-Gegners ist seit Jahren die mannschaftliche Geschlossenheit und die immens große Kampfkraft, mit der die Leipziger auch den Großen der Liga immer wieder die Stirn bieten. Das heißt: Eine Chance dürfte der TVB nur haben, wenn er den Kampf annimmt. „Wir müssen in diesem Bereich sogar noch besser sein als Leipzig“, sagt Baur. „Wir müssen alles investieren, was wir haben. Und wir müssen dafür sorgen, dass die Fans die Scharrena zum Rauchen bringen.“

In den jüngsten beiden Heimspielen gegen Leipzig hat dies funktioniert, der TVB siegte jeweils mit 28:26. Überhaupt: In fünf Jahren nahmen die Sachsen lediglich einmal die Punkte aus Stuttgart mit.

Blicke sind auf Maier gerichtet
In der vergangenen Saison war Jogi Bitter der Matchwinner für den TVB, am Sonntag richten sich die Blicke wieder auf dessen Vertreter Jonas Maier. Der Keeper zeigte sich nach dem Spiel bei den Löwen alles andere als deprimiert. „Sicher hat’s bisher nicht so gut funktioniert“, sagte er. „Aber wer weiß, vielleicht habe ich mir auch etwas für Leipzig aufgehoben.“
Zweiter Keeper wird wieder Daniel Sdunek sein.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW