Neues Ziel: Abstand halten

Jonas-Maier-Torwart

Vier Punkte Polster hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart auf die Abstiegsränge. Angesichts des anhaltenden Verletzungspechs und des harten Restprogramms könnte sich die Situation für den TVB bis zur EM-Pause im Januar noch verschärfen. Im ersten von fünf Spielen ohne Johannes Bitter und Michael Kraus muss der TVB am Sonntag zur HSG Wetzlar.

6:6 Punkte hatte der TVB nach sechs Spieltagen auf dem Konto – und schien früh auf dem besten Weg, sein Saisonziel zu erreichen. Acht Partien später indes sieht’s nicht danach aus, als könnten sich die Bittenfelder während der Europameisterschaftspause – mit einem beruhigenden Polster auf die Abstiegsränge – verstärkt mit der Kaderplanung für die vierte Saison in der ersten Liga auseinandersetzen. Im Gegenteil: Aus dem Abstiegskampf wird sich der TVB so schnell kaum heraushalten können.

Es wird schwierig, zu punkten
Die Verantwortlichen müssen schon zufrieden sein, wenn der TVB nach dem letzten Spiel gegen die Rhein-Neckar Löwen am zweiten Weihnachtsfeiertag sein Vier-Punkte-Polster verteidigt hat. Zum einen dürfte es schwierig werden, aus den Partien gegen Wetzlar, dem Doppelpack gegen die Löwen, Leipzig und Melsungen überhaupt zu punkten ohne die verletzten Führungsspieler Bitter und Kraus. Zum anderen haben die Abstiegskonkurrenten längst Lunte gerochen. Allen voran das Schlusslicht TuS Nettelstedt-Lübbecke. Gegen Göppingen, Hüttenberg, Lemgo und Minden ist für den Aufsteiger durchaus der eine oder andere Zähler drin.

Die Heimpleiten gegen Lübbecke und Gummersbach schmerzen
Keine Frage: Die Situation ist prekär für den TVB. Und selbst verschuldet. Ohne die Heimpleiten gegen die Abstiegskonkurrenten Gummersbach und Lübbecke wäre er bei acht Punkten Abstand zum ersten Abstiegsrang in einer komfortablen Situation und könnte die missliche personelle Lage entspannter betrachten.

Enger Zusammenrücken und versuchen, das Bestmögliche herauszuholen
Allen voran die Torhüterposition ist derzeit das große Thema. „Sicherlich ist Jogi einer der besten, vielleicht sogar der beste Torhüter der Liga“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Wir haben aber vollstes Vertrauen in Jonas Maier und Daniel Sdunek.“ Auch in der vergangenen Saison habe der TVB in etlichen Spielen ohne Bitter und Kraus auskommen müssen und sei mit der Situation „ganz gut“ zurechtgekommen. „Es ist, wie es ist. Wir müssen jetzt eben wieder enger zusammenrücken und versuchen, das Bestmögliche herauszuholen.“ Gut möglich, dass zwei Spieler aus dem Lazarett bei diesem Vorhaben mithelfen können: Bei Felix Lobedank und Tobias Schimmelbauer stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie am Sonntag in den Kader zurückkehren.

„Die HSG hat das Maximale herausgeholt“
In Wetzlar trifft der TVB auf das Überraschungsteam der vergangenen Saison: Auf Rang sechs hatte Wetzlar keiner erwartet. „Die HSG hat das Maximale herausgeholt“, sagt Baur. Die Stärke des Gegners bekam auch der TVB zu spüren, der zweimal chancenlos war beim 25:33 und 18:28. In dieser Saison läuft’s noch nicht ganz so rund bei der HSG, die nur drei Punkte mehr auf dem Konto hat als der TVB. Das Team von Trainer Kai Wandschneider ließ in eigener Halle gegen Minden (24:24), Hüttenberg (23:23) und Leipzig (22:23) Punkte. Zuletzt indes brachte Wetzlar den Tabellenführer Füchse Berlin ins Schwitzen und musste sich beim 24:29 in der Schlussviertelstunde beugen.

Wetzlar bei Gegenstößen gefährlich
Als Saisonziel gaben die Verantwortlichen den vorzeitigen Ligaverbleib an. Wohl auch, weil sie mit dem Nationalspieler Philipp Weber den besten Torschützen und Vorlagengeber nach Leipzig ziehen lassen mussten. Trotzdem sieht Baur den Gegner breiter aufgestellt als im Vorjahr. Mit dem schwedischen Rückraum- und Abwehr-Allrounder Olle Forsell Schefvert und Alexander Hermann (vom BHC) im linken Rückraum hat die HSG zwei starke Spieler verpflichtet. Zwei „halbe“ Neuzugänge sind die lange verletzten Joao Ferrez und Maximilian Holst. Doppelt besetzt ist die Spielmacher-Position mit Philipp Pöter und Filip Mirkulovski, am Kreis setzt der deutsche Nationalspieler Jannik Kohlbacher die Akzente. Gefährlich ist die HSG bei Gegenstößen über die schnellen Außenspieler Kristian Björnsen, Kasper Kvist uns Holst.

„Buric ist einer der Top-Torhüter der Liga“
Große Stärke ist die variable Defensive vor Torhüter Benjamin Buric. Lediglich Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen haben weniger Gegentore kassiert als die HSG, wobei die Löwen ein Spiel im Hintertreffen sind. „Buric ist einer der Top-Torhüter der Liga“, sagt Baur über den bosnischen Nationalkeeper. Läuft’s bei ihm mal nicht so gut, stehen mit Nikolai Weber und Till Klimpe (19) gleich zwei weitere gute Schlussmänner parat.

Die Fakten sprechen also für die HSG Wetzlar, die bis auf den Langzeitverletzten Abwehrchef Evars Klesniks alle Spieler zur Verfügung hat. Dass der Gegner den TVB unterschätzen könnte, glaubt Baur nicht. „Kai Wandschneider wird seine Mannschaft bestimmt darauf ansprechen, dass wir auch noch andere gute Spieler haben außer Bitter und Kraus.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW