Stuttgart verliert “Muss-Spiel”

Jonas-Maier-im-Tor

In der ausverkauften Scharrena empfing der TVB 1898 vor 2251 Zuschauern das Schlusslicht TuS N-Lübbecke. Michael Kraus kehrte bei den Stuttgartern aufs Spielfeld zurück. Das Pech ereilte diesmal aber Torhüter Johannes Bitter, der sich im Spiel eine Verletzung am Oberschenkel zuzog. Die “Wild Boys” mussten diese Partie gewinnen, um Anschluss an das Mittelfeld zu halten. Die “Red Devils” wollten endlich einmal ein Erfolgserlebnis erringen. Entsprechend kämpferisch ging es zur Sache. Stuttgart lag zumeist vorne, doch nach 50 Minuten wendete sich aufgrund der Fehlerzahl das Blatt zugunsten der Gäste. Im letzten Angriff parierte Birlehm gegen Orlowski und sicherte beim 28:29 den ersten Saisonsieg der Ostwestfalen. Orlowski (10) und Bechtloff (8/3) trafen am besten.

Stuttgart vergab den ersten Angriff, aber auch bei Nettelstedt war zu Beginn viel Sand im Getriebe. Nach Salgers 1:0 sah Zettermann die Lücke zum Ausgleich, Torbrügge hämmerte aber im Gegenstoß einen Aufsetzer über das Tor. Kurz darauf handelte sich Grabarczyk im Infight mit Späth eine Zeitstrafe ein. Es ging teils etwas giftig zur Sache, beide Teams wollten den Sieg. Markus Baur brachte den routinierten Kraus kurzzeitig und gönnte Salger eine Pause. Kurz darauf musste er mitansehen, wie Bitter Richtung Bank schlich, der linke Oberschenkel hatte zugemacht. Aaron Ziercke verfolgte im nächsten Moment mit stoischem Blick die zweite Zeitstrafe gegen Piotr Grabarczyk.

Auch Dominik Weiß saß kurz darauf zum zweiten Mal draußen. Jonas Maier hatte Bitter ersetzt, fand aber noch nicht so richtig ins Spiel. Dennoch hatte Stuttgart nach einer Viertelstunde beim Stand von 8:6 erstmals die Chance, sich auf drei Tore abzusetzen. Späth hatte ein Stürmerfoul gezogen. Doch es kam ganz anders: Birlehm fing Schweikardts Wurf auf und dem gebürtigen Waiblinger Bechtloff gelang gegen seinen Ex-Verein (bis 2007) von der Markierung das 8:7. Kraus kam auf die Platte zurück. Auch er scheiterte an Birlehm im TuS-Tor. Bagaric glich beim 9:9 (20.) aus. Lübbecke setzte Stuttgart nun gehörig unter Druck. Kurz darauf zückte Aaron Ziercke erstmals die Grüne Karte.

Der Stuttgarter Rückraum haderte seit dem Spielstart mit der Chancenauswertung. Lübbecke tat sich nach dem Wechsel auf Maier leichter. Nach der Unterbrechung wandelte sich dieses Bild: Der TVB deckte kompakter, ein Ballgewinn von Späth wurde stürmisch gefeiert. Vorne agierte Schagen im Abschluss sicher. Orlowski hatte ebenfalls den Schlüssel zum Torerfolg gefunden und traf beim 14:11 (27.) zum fünften Mal. Die beiden dominierte er das Geschehen beim TVB und rissen ihre Teamkollegen mit. Kraus erzielte das 16:12 (29.). Kurz vor der Sirene war aber kein “Wild Boy” mehr auf dem Posten: Torbrügge hatte den Ball zum Freiwurf in der Hand netzte unbedrängt zum 16:14.

Durch etwas Glück und Chuzpe war der TuS N-Lübbecke also zu Beginn der zweiten Spielhälfte weiter bei der Musik und knüpfte nach dem Seitenwechsel an die Erfolgserlebnisse an. Bechtloff, der seit langem das Spiel des TuS steuerte, verkürzte mit einem Hüftwurf auf 16:15 (34.) und Gruszka egalisierte nach einem schwachen Zuspiel von Schweikardt auf Späth. Einmal mehr behielt der TVB allerdings das Heft in der Hand: Schweikardts Doppelschlag bedeutete beim 18:16 (35.) auch die Fehlerkorrektur. Doch dass Bagaric Späth entglitt und zum 19:18 einnetzte, machte deutlich, dass sich das Blatt weiterhin jederzeit wenden konnte, wenn sich die Fehler zu sehr häuften.

Der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten. Schade nutzte einen schlechten und ungeschickten TVB-Rückzug zum 19:19 (39.). Bechtloff erzielte Schritte verdächtig das 20:20. Kurz darauf wurde Weiß nach der dritten Zeitstrafe disqualifiziert. Ein Doppelschlag von Genz ließ die Führung beim 22:23 aufseiten der Gäste wechseln. Kaleb legte nach einer Tatai-Parade nach. Nach 45 Minuten hatte der TuS N-Lübbecke alle Chancen auf zwei Auswärtszähler. Die Spieler des TVB Stuttgart wirkten nervös. Markus Baur unterbrach das Spiel um die Gemüter zu beruhigen.

Einmal in Vorlage, ließ der TuS die Zeit für sich spielen, was die Gemüter der TVB-Fans erhitzte. Ante Kaleb gelang nach 49 Minuten das 23:25. Hinten war Joel Birlehm zurück im Kasten und knüpfte mit drei schnellen Paraden an seine gute Leistung im ersten Abschnitt an. Torbrügges 23:26-Treffer war trotz eines klaren Stürmerfouls gültig. Als es nach Kraus´ Pfostentreffer um die Vier-Tore-Spielentscheidung ging, wirkten die Ostwestfalen dann auf einmal nervös: Baumgarten verkürzte auf 25:27 (55.). Der TVB 1898 Stuttgart erhielt noch einmal die Chance, das Spiel an sich zu reißen.

Dann kam es scheinbar knüppeldick für Lübbecke: Schade handelte sich eine Bankstrafe ein, Bagaric wurde von Späth gefoult und musste vom Feld, weil er den Ball nicht freigab. Gruszka als einer von vier verbliebenen Gästespielern sandte beim 27:28 (58.) ein Lebenszeichen für den Tabellenletzten, doch vorne war Stuttgarts Schagen zum 28:28 zur Stelle. Gierak hielt den TuS im Gegenzug vorne. Die Ostwestfalen bewahrten kühlen Kopf und hatten in der Schlussminute den Ball. 34 Sekunden vor dem Abpfiff nutzte Ziercke die T3-Karte. Gierak vertändelte, aber Stuttgart schaffte die Wenden nicht mehr: Orlowski schloss aus ungünstiger Position ab, Birlehm parierte und sicherte den 28:29-Sieg.

Heute Abend um 22:05 Uhr ist Spieler Michael “Mimi” Kraus zu Gast bei Sport im Dritten.

 

Quelle: www.handball-world.news