TVB offensiv wieder zu schwach auf der Brust

Eine deutliche Angelegenheit ist das Bruder-Duell der ersten Handball-Bundesliga gestern Abend gewesen. Der favorisierte Tabellenvierte TSV Hannover-Burgdorf mit Kai Häfner ließ dem TVB 1898 Stuttgart mit Max Häfner beim 27:20 (16:11) keine Chance. Der TVB zeigte sowohl in der Defensive wie in der Offensive zu viele Schwächen, um die Recken ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.
Etwas überraschend feierte der zuletzt von Rückenproblemen geplagte Simon Baumgarten in der mit 3272 Fans gefüllten Swiss-Life-Hall sein Comeback. Damit entspannte sich die Personalsituation beim TVB etwas – und eine kleine Chance rechneten sich die Gäste im Vorfeld schon aus. Auch wenn die Hannoveraner in sechs Heimspielen lediglich einen Punkt abgegeben hatten.
Entsprechend selbstbewusst legte der Tabellenvierte los und stellte den TVB mit seiner aggressiven Abwehr vor enorme Probleme. Die Bittenfelder gerieten schon in der Anfangsphase das eine oder andere Mal ins Zeitspiel. Kai Häfner traf nach neun Minuten zum 5:2 für den Favoriten. Der TVB legte zwar zwei Treffer nach zum 5:4, doch fortan waren die Recken eindeutig Herr im eigenen Haus. Morten Olsen führte klug Regie, Casper Mortensen traf per Siebenmeter zum 9:5 (17.). Markus Baur brachte Max Häfner für Dominik Weiß und ließ fortan fast durchweg mit dem siebten Feldspieler und zwei Kreisläufern agieren.
Diese Taktik funktionierte jedoch nur bedingt, weil sich seine Spieler im Angriff nicht allzu geschickt anstellten. Viel zu unvorbereitet schlossen sie ab, blieben am Block hängen oder scheiterten an TSV-Keeper Martin Ziemer. Hannover nahm die Einladungen an und traf im ersten Spielabschnitt gleich viermal ins leere Tor – wie Sven-Sören Christophersen zum 13:7 (23.). Erschwerend hinzu kam für den TVB, dass Johannes Bitter hinter der oft zu inkonsequenten Abwehr nicht seinen besten Tag hatte und das Duell gegen Ziemer klar verlor. So durfte nach dem 15:9 (28.) Jonas Maier zwischen die Pfosten. Mit dem 11:16-Rückstand gingen die Gäste in die Halbzeit.
Entsprechend groß war die Enttäuschung zu diesem Zeitpunkt beim Geschäftsführer. „Das war kein gutes Spiel von uns“, sagte Jürgen Schweikardt – und hoffte auf den zweiten Durchgang. Schließlich hatte der TVB in der vergangenen Saison auch mit sechs Toren im Hintertreffen gelegen und noch einen Punkt mitgenommen.
Davon indes waren die Gäste gestern Abend ein gutes Stück entfernt. Wobei Hannover zu Beginn der zweiten 30 Minuten längst nicht mehr so zielstrebig agierte und sich eine ganze Reihe leichte Fehler leistete. Der TVB allerdings spielte viel zu unkonzentriert und brachte sich so selbst um die Chance, dem Gegner näher auf die Pelle zu rücken. Zu wenig Gefahr ging von den Halbpositionen aus. Weder Stefan Salger noch Dominik Weiß oder Marian Orlowski setzten Akzente. Die Last lag mehr oder weniger auf Michael Schweikardt, der ein gutes Spiel machte.
Nach Max Häfners Treffer zum 14:18 (40.) war der TVB noch einigermaßen in Reichweite, und nach Schweikardts 15:20 (45.) stand’s in der zweiten Halbzeit immerhin 4:4. Nachdem Schweikardt anschließend am eingewechselten Malte Semisch vom Siebenmeterstrich gescheitert war, zogen die Hannoveraner das Tempo wieder an. Kai Häfner sorgte mit dem 23:15 (48.) für die erste Acht-Tore-Führung der Recken.
Die Partie war zu diesem Zeitpunkt längst entschieden. Für den TVB ging’s lediglich noch um ein ordentliches Resultat. Jonas Maier bekam noch viermal die Gelegenheit, sich auszuzeichnen. An den klaren Kräfteverhältnissen indes änderte sich nichts mehr. Hannover schaukelte den sechsten Heimsieg im siebten Spiel über 24:15, 25:18 und 26:19 zum 27:20 locker nach Hause.
Kleiner Trost für den TVB: Auch die Abstiegskonkurrenten blieben gestern ohne Punkte.
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer, Semisch; Johannsen, Mortensen (3/2), Patrail (1), Pevnov (3), Lehnhoff (1), Kai Häfner (5), Böhm (3), Karason (1), Olsen (4), Brozovic (2), Diebel, Kalafut, Christophersen (1), Kastening (3).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier (1); Max Häfner (1), Salger (2), Weiß (2), Schagen (4/3), Schweikardt (4), Späth (1), Baumgarten, Röthlisberger, Burmeister, Kretschmer (1), Orlowski (4).

 

Quellen: Thomas Wagner, ZVW