Nur Kiel lieferte eine Show

Max-Haefner

Der gute Auftritt in Hüttenberg hatte die Hoffnung genährt beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart, dem THW Kiel die Stirn bieten zu können. Entsprechend groß war die Enttäuschung nach der 24:36-Niederlage am Donnerstag bei den rund 5500 Fans in der Porsche-Arena. „Vielleicht haben wir zu früh resigniert“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt.

Dass sich der TVB nach dem Spiel gegen Kiel der Abstiegszone wieder genähert haben würde, war zu erwarten gewesen. Nicht indes, dass es der Deutsche Rekordmeister so leicht haben würde. Schließlich hatte der TVB mit dem überzeugenden 28:23-Sieg in Hüttenberg zuletzt eine Menge Selbstvertrauen getankt. Der THW Kiel dagegen war mit 13:9 Punkten ein gutes Stück hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Kiel rückt die Verhältnisse wieder zurecht
Am Donnerstag rückten die Zebras die Verhältnisse allerdings wieder zurecht in einem Spiel, an dem Krimi-Freunde wenig Spaß hatten. So richtig Stimmung kam in der Porscha-Arena jedenfalls nie auf – was zum einen am ungleichen Duell lag, aber auch am phasenweise müden Auftritt des TVB. Der machte nicht den Eindruck, sich mit aller Macht der Niederlage entgegenzustemmen.

Die Angriffsbemühungen des TVB zermürbt
Die gute Kieler Deckung zermürbte die Angriffsbemühungen des TVB, die Zebras hatten die spielstarken Michael Schweikardt und Max Häfner sehr gut im Griff. Stefan Salger, der in Hüttenberg aufgrund von Schulterproblemen weitgehend geschont worden war, musste nach einem Zusammenprall mit Rune Dahmke nach 18 Minuten erneut angeschlagen auf der Bank Platz nehmen und griff erst in der Schlussphase wieder ein. Dennoch war er, nach dem siebenfachen Torschützen und besten Bittenfelder Marian Orlowski, mit fünf Treffern der erfolgreichste Werfer – und hatte mit 63 Prozent eine ordentliche Quote.

Dominik Weiß fehlt es an Stabilität
Immer noch an Stabilität fehlt es dagegen Dominik Weiß. In Hüttenberg hatte der „Lange“ ein gutes Spiel gemacht, gegen Kiel setzte er zu wenig Impulse im halblinken Rückraum. „Das war natürlich zu wenig“, sagt der Trainer Markus Baur.

Trainer Baur will nicht den Stab über sein Team brechen
Auch wenn es der Coach „schade“ fand, vor so einer Kulisse mit zwölf Toren Differenz zu verlieren, wollte er nicht den Stab über sein Team brechen. „Die Phase zu Beginn des Spiels und am Anfang der zweiten Halbzeit war in Ordnung“, sagt er. Zwei, drei unglückliche Entscheidungen der Schiedsrichter hintereinander hätten dem TVB die Chance verwehrt, auf vier, fünf Tore heranzukommen. „Dann waren’s neun, und die Sache war erledigt.“

Am Donnerstag ist Mimi Kraus vielleicht wieder dabei
Unterm Strich sei der Qualitätsunterschied beider Mannschaften groß gewesen, „in der Breite fehlen uns einfach die personellen Alternativen“. In der Abwehr beispielsweise Simon Baumgarten und Tobias Schimmelbauer, auf deren Comeback Markus Baur am Donnerstag in Hannover hofft. Möglicherweise kann auch Michael Kraus das Angriffsspiel wieder beleben. Die Reha nach seinem Muskelfaserriss in der Wade läuft jedenfalls gut.

Schweikardt erwartet gegen den Letzten einen anderen Auftritt
Spätestens im nächsten Heimspiel gegen das Tabellenschlusslicht TuS Nettelstedt-Lübbecke am 26. November dürfte der Spielmacher wieder im Kader stehen. In dieser so wichtigen Partie erwartet auch der Geschäftsführer wieder einen anderen Auftritt des TVB. „Wir wollten den Leuten gegen Kiel etwas bieten, schließlich haben wir in der Porsche-Arena ein anderes Publikum als in der Scharrena“, sagt Jürgen Schweikardt. „Das ist uns leider nicht gelungen.“ Wie schon bei der ernüchternden 22:26-Niederlage gegen den VfL Gummersbach habe sich das Team in der Porsche-Arena nicht von seiner besten Seite gezeigt. „Gegen die Rhein-Neckar Löwen am zweiten Weihnachtsfeiertag müssen wir uns wieder besser präsentieren.“

TVB kann Fans in den nächsten Heimspielen versöhnen
Dazwischen ist der TVB noch sechsmal gefordert – und kann seine Fans in den Heimspielen gegen Lübbecke und Leipzig versöhnen. Mit ordentlichen Darbietungen und möglichst vier Punkten.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW