Rumpfteam erkämpft sich einen Punkt

Michael-Schweikardt

Johannes Bitter hat wieder einmal die Stuttgarter Scharrena zum Beben gebracht: Der Torhüter des TVB 1898 Stuttgart parierte in der finalen Aktion des Spiels einen Strafwurf und rettete dem Handball-Erstligisten beim 27:27 (13:15) gegen den TSV GWD Minden einen hart erkämpften, aber hochverdienten Punkt. Der TVB musste auf sechs Stammkräfte verzichten.
Vier Minuten vor dem Ende hatte der TVB mit 27:25 in Führung gelegen und die Hand gar an zwei Punkten. So war die am meisten diskutierte Frage nach dem Spiel, ob’s denn nun ein gewonnener oder verlorener Punkt war für das Team von Trainer Markus Baur. So ganz sicher war sich auch der starke TVB-Kreisläufer und Abwehrchef Manuel Späth nicht. „Angesichts der letzten Aktion müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein“, sagte er. „Am Schluss hat uns vielleicht ein bisschen die Erfahrung gefehlt.“

Dass der TVB überhaupt die Chance hatte etwas mitzunehmen, war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Außer den Langzeitverletzten Djibril M’Bengue und Felix Lobedank fehlten gleich vier weitere Stammkräfte: Simon Baumgarten (Rückenprobleme) und Finn Kretschmer (Bänderverletzung) waren noch nicht einsatzfähig. Das Lazarett ergänzt haben unter der Woche Michael Kraus (Muskelfaserriss) und Marian Orlowski (Bänderverletzung am Fuß). So schlimm hat es die Bittenfelder schon lange nicht mehr erwischt – und das ausgerechnet vor dem wichtigen Spiel gegen Minden.
Entsprechend frustriert gab sich der Geschäftsführer vor dem Spiel. „Wir müssen analysieren, wieso uns die Verletzungen so geballt treffen“, sagte Jürgen Schweikardt. „In dieser Konstellation sind wir klarer Underdog.“ So indes trat der TVB nicht auf gegen den in Bestbesetzung angereisten Gegner. Nach sieben Minuten versenkte der überragende Bobby Schagen seinen ersten von fünf Strafwürfen zum 4:2. Auch aus dem Feld heraus blieb der Niederländer ohne Fehl und Tadel und sorgte von Rechtsaußen für die 8:5-Führung (13.) des TVB, der von Beginn an mutig und mit viel Herz spielte.
Nach einer Auszeit kamen die Mindener besser ins Spiel. Luka Zvizej und der flinke Andreas Cederholm verkürzten auf 7:8, Marian Michalczik glich zum 9:9 (20.) aus. Beim TVB häuften sich nun die technischen Fehler, mit einem 6:1-Lauf holten sich die Gäste nach 25 Minuten die 11:9-Führung.

Der starke Max Häfner glich mit zwei Toren in Folge zum 11:11 aus (26.), die Fehlerquote des TVB blieb aber überdurchschnittlich hoch. Während die Mindener kräftig durchwechseln konnten und variabel spielten, waren die Möglichkeiten beim TVB arg begrenzt. Zudem hatte er in der einen oder anderen Situation auch Pech. So fand der direkte Freiwurf von Nenad Bilbija durch die Arme der Bittenfelder Mauer den Weg zum Tor – und Jogi Bitter ließ den Ball zum 13:15-Halbzeitrückstand ins Netz passieren.
Am Keeper lag’s allerdings nicht, dass der TVB im Hintertreffen lag. Bitter stach seinen Gegenüber Espen Christensen klar aus und wurde nach der Pause erst recht zum Faktor. Zweimal Späth und Schagen drehten die Partie schnell zum 17:16 (36.). Es entwickelte sich nun ein packendes Match, in dem beide Teams hart um die Tore kämpfen mussten. Zunächst lief der TVB stets einem knappen Rückstand hinterher (18:19/19:20/20:21/21:22). Häfner brachte das Heimteam elf Minuten vor dem Ende beim 23:22 wieder in Vorteil, Stefan Salger legte zum 24:22 nach (51.). Doch der TVB musste einen neuerlichen Rückschlag einstecken: Tobias Schimmelbauer verletzte sich an der Schulter und musste die heiße Schlussphase von der Bank aus verfolgen.

Bitter war nun kaum noch zu bezwingen, parierte dreimal hintereinander. Nach Michael Schweikardts 25:23 (53.), Späths 26:24 (55.) und Salgers 27:25 vier Minuten vor dem Ende sah’s gut aus für den TVB. Zvizej überwand anschließend Bitter per Strafwurf zum 26:27-Anschluss. Nach einem Fangfehler von Dominik Weiß donnerte der Mindener Christoffer Rambo den Ball über den Kasten. Doch der TVB ließ diese Einladung zum Sieg liegen: Salger schloss überhastet ab, Magnus Gullerud bugsierte den Ball zum 27:27-Ausgleich ins Netz.
Nach einer Auszeit blieben dem TVB 40 Sekunden zum Siegtreffer. Doch auch Häfner traf die falsche Entscheidung, verfehlte den Mindener Kasten. Und so kamen die Gäste unverhofft noch einmal zur Möglichkeit, beide Punkte aus Stuttgart mitzunehmen. Doch dieses Mal versagte Zvizej die Nerven. Bitter machte sich groß, blieb im Duell mit dem slowenischen Nationalspieler Sieger, und rettete einen Punkt.
Weiter geht’s für den TVB in zwei Wochen mit dem Spiel beim Aufsteiger TV Hüttenberg. Bis dahin sollten zumindest Orlowski und Kretschmer wieder spielfähig sein.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (1), Häfner (4), Salger (2), Weiß (4), Schagen (9/5), Schweikardt (2), Späth (4), Röthlisberger (1), Burmeister, Haspinger, Pfattheicher.
TSV GWD Minden: Christensen, Paske; Mansson (1), Richtzehnhain, Rambo (2), Korte, Südmeier (1), Pusica (2), Gullerud (3), Michalzcik (4), Svitlica (3), Staar, Doder (2), Cederholm (3), Bilbija (2), Zvizej (4/3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW