Dezimierter TVB auf verlorenem Posten

Erwartungsgemäß auf verlorenem Posten gestanden hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart gestern Abend bei der SG Flensburg-Handewitt. Mit 17:28 fiel die Niederlage des arg dezimierten TVB am Ende deutlich aus. In den ersten 30 Minuten (10:12) hatte der Außenseiter gegen den Deutschen Vizemeister prima dagegen gehalten. Nach der Pause machte die SG ernst.
Die an sich schon schwierige Personallage beim TVB hatte sich kurz vor dem Abflug in den hohen Norden noch einmal verschärft: Außer Simon Baumgarten (Rückenbeschwerden) machten auch Stefan Salger (krank) und Michael Kraus (Wirbelschmerzen) die Reise erst gar nicht mit.
Vor allem der Rückraum stellte sich damit quasi von alleine auf. Aus dem Kern-Kader blieben mit Dominik Weiß, Michael Schweikardt und Marian Orlowski nur noch drei echte Rückraumspieler übrig. Die beiden Rechtsaußen Finn Kretschmer und Bobby Schagen sowie Max Häfner und in den Schlussminuten Florian Burmeister mussten die Lücken schließen – so gut es eben ging gegen den Champions-League-Teilnehmer.
Der legte gleich los wie die Feuerwehr: Nach vier Minuten führte der haushohe Favorit mit 4:1, Lasse Svan traf zum 6:2 ins leere TVB-Tor (10.). Der TVB wehrte sich allerdings nach Kräften. Schweikardt verkürzte per Hüftwurf zum 3:6, dann wurde Johannes Bitter ein Faktor. Nach dem 7:3 parierte der Keeper zweimal gegen Holger Glandorf. Die SG leistete sich die eine oder andere Konzentrationsschwäche, was die Gäste eiskalt ausnutzten. Orlowski, der gute Finn Kretschmer und Tobias Schimmelbauer sorgten beim 6:7 überraschend für den Anschluss.
Indes: Die Flensburger antworteten umgehend mit einem 4:0-Lauf zum 11:6 nach 20 Minuten – vornehmlich über ihre gefürchteten Konter. Doch erneut ließen sich die Bittenfelder nicht abschütteln. Bitter hielt weiterhin stark, stach seinen Gegenüber Mattias Andersson im ersten Spielabschnitt aus. Der TVB rückte den Flensburgern erneut auf die Pelle: Nach einem tollen Anspiel von Max Häfner traf Schagen zum 10:11 (25.) aus Sicht der Gäste – und der TVB verpasste knapp den Ausgleich: Nachdem Bitter bei einem Siebenmeter gegen den überragenden Rasmus Lauge Sieger geblieben war, scheiterte Schimmelbauer am Pfosten. Dank Lauges Treffer ging das Heimteam mit der 12:10-Führung in die Halbzeit.
Schimmelbauer brachte sein Team mit dem ersten Tor in Hälfte zwei noch einmal heran. Danach jedoch machte die SG ernst: In der Deckung agierte sie deutlich aggressiver, Andersson steigerte sich und im Angriff erhöhten die Flensburger das Tempo. Der TVB bekam vorne wie hinten Probleme, schnell galoppierte der Favorit davon zum 17:11 (40.). Die Bittenfelder mussten sich im Angriff abmühen, um halbwegs vielversprechende Chancen zu kreieren. Immer deutlicher wurde, dass ihnen die Möglichkeiten fehlten ohne die Dynamik von Kraus und der Wurfkraft von Salger. Vom gerade erst genesenen Orlowski durften keine Wunderdinge erwartet werden, und Weiß fand nicht richtig in die Partie.
Nach Manuel Späths Treffer zum 14:18 machten die Flensburger den Deckel endgültig drauf, führten zehn Minuten vor dem Ende mit 22:14. In der Schlussphase ging’s für den TVB vornehmlich darum, nicht komplett unterzugehen. Nach Svans 25:15 (53.) war die Differenz zum ersten Mal zweistellig – und nach Kentin Mahés 26:16 gingen in der Flens-Arena für den TVB im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter aus: Während Burmeisters Wurf wurde es für einen kurzen Moment dunkel in der Halle. Beide Parteien nahmen diesen kleinen Zwischenfall mit Humor. Mahé sorgte mit einem technisch feinen Kunstwurf für den 28:17-Endstand. Am Ende also war’s die erwartet klare Angelegenheit für Flensburg. Trotzdem hat sich der TVB 1898 Stuttgart angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ganz ordentlich präsentiert.
SG Flensburg-Handewitt: Andersson, Lind; Karlsson, Glandorf (3), Mogensen (1), Svan (4), Wanne (5), Jeppsson (2), Steinhauser, Heinl, Zachariassen (1), Lauge (7), Hansen (1), Mahé (4/2), Röd.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (4), Häfner, Weiß (1), Schagen (2), Schweikardt (2), Späth (2), Röthlisberger, Burmeister, Kretschmer (4), Orlowski (2), Pfattheicher.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW