Rückschlag für den TVB

Tobias-Schimmelbauer-Wurf

Tschüss Mittelfeld, hallo Abstiegskampf: Vor 5976 Zuschauern in der Porsche-Arena hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart am Sonntag dem Vorletzten VfL Gummersbach mit 22:26 (9:13) beugen müssen. Allen voran die dürftige Angriffsleistung verhinderte den vierten Saisonsieg im achten Spiel. Mit 6:10 Punkten reist der TVB am Donnerstag nach Flensburg.
Nach dem Schlusspfiff hallten vereinzelte Pfiffe durch die nahezu ausverkaufte Porsche-Arena. Der TVB hatte den Fans die anschließenden Feierlichkeiten auf dem Cannstatter Wasen gründlich vermiest. Gegen die gewiss nicht übermächtigen Gummersbacher hätte der TVB mit einer „normalen“ Leistung sein Punktekonto ausgleichen können. Doch das Team scheiterte vielmehr an den eigenen Unzulänglichkeiten als am VfL.
Von vielen leichten Fehlern auf beiden Seiten war die Anfangsphase geprägt. In der siebten Minute fand der TVB-Linksaußen Tobias Schimmelbauer zum zweiten Mal im guten VfL-Keeper Carsten Lichtlein seinen Meister, der gefährliche Gäste-Rechtsaußen Florian von Gruchalla traf zum 2:1 für den Vorletzten (8.). Nach einem schönen Abspiel von Michael Schweikardt, einem der besten Bittenfelder an diesem Tag, traf Manuel Späth zur 4:3-Führung (15.). Die Gummersbacher versuchten es immer wieder über den Kreis, doch die TVB-Deckung ließ zunächst wenig zu. Aus dem Rückraum kam bei den Gästen recht wenig. Allerdings stellte sich auch der TVB nicht besonders geschickt an im Angriff: Er nahm sich unvorbereitete Würfe, rannte sich in der VfL-Deckung fest oder scheiterte an Lichtlein.
So hechelte der TVB stets einem knappen Rückstand hinterher. Daran änderte auch das ordentliche Comeback von Marian Orlowski nach 18 Minuten nichts, der zum 6:6 erfolgreich war (20.). Symptomatisch für den missratenen Auftritt des TVB waren die folgenden beiden Szenen: Zunächst sah der TVB-Keeper Johannes Bitter bei einem Kullerball des VfL zum 6:7 zum wiederholten Male nicht besonders glücklich aus. Dann musste Michael Kraus, der angeschlagen ins Spiel gegangenen war und keinen guten Tag erwischte, wegen Meckerns für zwei Minuten auf die Strafbank.
In der 27. Minute brachte Florian Baumgärtner den VfL beim 10:8 erstmals mit zwei Toren in Führung. Beim TVB löste Jonas Maier Jogi Bitter ab – doch in der Schlussphase agierte der TVB extrem unglücklich: Schweikardt brachte sein Team zwar auf 9:10 heran. Der starke VfL-Kreisläufer Moritz Preuss beantwortete die Bittenfelder Fehlwürfe mit zwei Treffern zum 9:12. Und schließlich traf Marko Matic nach einem TVB-Ballverlust zur 13:9-Halbzeitführung für die Gäste ins verwaiste Tor.
Deutlich energischer und mit den neuen Außenspielern Max Häfner und Finn Kretschmer kehrte der TVB aus der Pause zurück. Maier parierte gegen Baumgärtner seinen ersten – allerdings auch einzigen – Wurf. Häfner und Kretschmer verkürzten zum 11:13 (32.). Der VfL musste seine Deckung umstellen, weil Stanislav Zhukov schon in der 31. Minute die dritte Zeitstrafe kassierte und auf die Tribüne musste.
Negative Auswirkung auf das Spiel der Gäste hatte dies jedoch nicht – im Gegenteil: Nach einem weiteren Doppelschlag von Preuss rannte der TVB beim 11:15 (35.) wieder einem Vier-Tore-Rückstand hinterher. Im Angriff agierte das Team von Trainer Markus Baur nun mit etwas mehr Druck und Tempo, dafür wirkte die Abwehr anfälliger. Wobei auch die Gummersbacher nun variabler agierten und über die Außenpositionen gefährlich wurden.
Nach einer Auszeit sorgte Bobby Schagen per Kempa-Tor für das 16:19 (42.), von den Außenpositionen legte der VfL zum 21:16 nach. 15 Minuten blieben dem TVB noch, die Wende herbeizuführen. Ein erneuter Torhüterwechsel sollte dabei helfen. Und tatsächlich glänzte Bitter mit einigen Paraden, hielt unter anderem drei Siebenmeter.
Kraus brachte mit seinem ersten und einzigen Treffer zum 20:22 (50.) die Halle und den TVB zurück. Die Gummersbacher versuchten nun, mit einem zusätzlichen Feldspieler und zwei Kreisläufern die TVB-Deckung auseinanderzuspielen. Das gelang Alexander Becker mit dem für die Gäste extrem wichtigen Tor zum 23:20 (54.).
Schagen verkürzte zum 21:23 (55.), doch Maximilian Jaeger legte zum 21:24 nach und sorgte für Ernüchterung unter den Fans. Nach zwei Fehlabspielen von Kraus und Schweikardt sowie einer spektakulären Parade von Lichtlein gegen Schweikardt beseitigte von Gruchalla mit einem Konter zum 21:25 (57.) die letzten Zweifel am verdienten Gummersbacher 26:22-Sieg.
Der VfL zeigte die über 60 Minuten konstantere Leistung und profitierte in erster Linie von der erneut schwachen Angriffsleistung des TVB. Mit 22 Toren und einer Quote von rund 50 Prozent sind in der ersten Liga selten Spiele zu gewinnen.
Vor allem dann nicht, wenn das Torhüterduell auch noch verloren geht wie am gestrigen trüben Sonntag.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (1), Häfner (1), Salger (3), Weiß (1), Schagen (2), Schweikardt (6/2), Späth (1), Kraus (1), Baumgarten, Röthlisberger (1), Burmeister, Kretschmer (2), Orlowski (3).
VfL Gummersbach: Lichtlein, Puhle; Schröter, Jäger (3/1), Baumgärtner (6), Matic (2), Pujol (1), Köpp, Timm, Zhukov, von Gruchalla (8/2), Becker (1), Preuss (5), Feuchtmann.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW