Schwacher Start, unglückliches Ende

Nichts ist es geworden mit dem zweiten Auswärtssieg in Folge für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Nach schwachen ersten 30 Minuten (8:14) erkämpfte sich der TVB beim TBV Lemgo zwei Minuten vor dem Ende das 21:21-Unentschieden. In der Schlussphase war das Glück auf Seiten des TBV Lemgo, der die Partie mit 24:21 für sich entschied.
Nach 129 Sekunden war das Abwehrkonzept der Bittenfelder bereits über den Haufen geworfen: Tobias Schimmelbauer traf den nach innen ziehenden Isaias Guardiola im Gesicht. Der Spanier ging – etwas theatralisch – zu Boden. Und die Schiedsrichter Christian vom Dorff und Fabian vom Dorff zückten nach kurzer Beratung die Rote Karte gegen den defensivstarken TVB-Linksaußen.
Der TVB-Trainer Markus Baur musste seine Abwehr umbauen, als Entschuldigung für den unterirdischen Start in die Partie taugt dies indes nicht: Dominik Weiß, der nach seiner starken Schlussphase in Göppingen im Angriff das Vertrauen bekam, scheiterte gleich mit einem Konter am TBV-Keeper Peter Johannesson. Der Gastgeber nutzte drei weitere Fehlwürfe und technische Fehler der Bittenfelder und zog schnell über 3:0 und 4:1 auf 6:2 (12.) davon.
Der TVB fand gegen die bewegliche und aggressive Lemgoer Deckung kein Mittel, agierte viel zu statisch und unkonzentriert. Beim 7:3 nach 17 Minuten bat Baur seine Spieler zur Besprechung und forderte mutigere Aktionen von ihnen. Gefruchtet indes hat diese Ansage nicht: Lemgo, angeführt vom starken Guardiola, blieb klar die bessere Mannschaft. Christoph Theuerkauf besorgte nach 22 Minuten das 10:4. Der TVB war völlig von der Rolle und scheiterte immer wieder an Johannesson, der es zur Halbzeit auf elf Paraden und damit 58 Prozent gehaltener Bälle brachte.
Keinen guten Tag erwischte Michael Kraus, der im Abschluss bisweilen zu überhastet agierte. Ein Heber von Patrick Zieker über den gewiss nicht schlechten Johannes Bitter brachte den TBV Lemgo beim 14:7 (28.) mit sieben Toren in Vorteil in einem zu diesem Zeitpunkt ungleichen Duell. Stefan Salger, im ersten Abschnitt noch einer der Besten, verkürzte zum 8:14 zur Pause. Ziemlich bedient war der TVB-Geschäftsführer in der Halbzeit. „Uns fehlt alles, was man braucht, um hier zu gewinnen“, sagte Jürgen Schweikardt. „Mit dem 14:8 sind wir noch ganz gut weggekommen.“
Deutlich engagierter und wacher kehrten die Bittenfelder aus der Halbzeit zurück. Weiß und Michael Schweikardt trafen zum 14:10, Max Häfner zum 15:11 (35.). Der Youngster übernahm im zweiten Abschnitt, im Wechsel mit Schweikardt, die Spielmacherfunktion. Kraus musste mit dem Platz auf der Auswechselbank vorliebnehmen. Auch Florian Burmeister bekam im linken Rückraum seine Spielanteile. Die Lemgoer wirkten plötzlich nicht mehr so sicher in ihren Aktionen. Die Fehlerquote stieg rasant, was auch an der nun stabileren Bittenfelder Deckung lag vor dem immer stärker werdenden Bitter. Nach Bobby Schagens Treffer zum 16:13 (41.) war der TVB wieder auf Schlagdistanz, Salger setzte mit seinem vierten Tor zum 16:14 noch einen drauf.
Es dauerte allerdings noch eine Weile, bis die Gäste näher an den Gegner herankamen. Das lag vor allem an dem nach wie vor nicht besonders effektiven Angriff, der sich zu viele Fahrkarten leistete. Die Abwehr dagegen stand prächtig, nur fünf Gegentore kassierte der TVB in den ersten 20 Minuten in Hälfte zwei beim 19:16.
In der Schlussphase hatten die Gäste in der einen oder anderen Situation auch Pech. Schweikardt scheiterte frei am Pfosten, dann landete ein Abpraller wiederholt bei Lemgo. Nach Tim Hornkes 21:18 (54.) hatte Lemgo die besseren Karten. Doch das Team von Trainer Florian Kehrmann wurde immer nervöser. Weiß, Manuel Späth und Simon Baumgarten trafen mit drei Toren in Folge – zwei Minuten vor dem Ende – zum 21:21-Ausgleich. Mit einem umstrittenen Siebenmeter brachte Theuerkauf das Heimteam mit 22:11 in Front. Im Anschluss scheiterten Weiß und Salger an Johannesson. Guardiola sorgte mit dem 23:21 gegen die offensive TVB-Deckung für die Entscheidung, nach dem 24:21 von Theuerkauf per Konter gab’s für die Lemgoer Fans kein Halten mehr. Der TBV Lemgo zitterte sich mit viel Mühe ins Ziel. Der TVB 1898 Stuttgart verpasste die Chance auf weitere Auswärtspunkte vor allem aufgrund der extrem schwachen ersten 30 Minuten.
TBV Lemgo: Wyszomirski, Johannesson; Kogut (1), Guardiola (8), Ebner, van Olphen (1), Theuerkauf (6/2), Hornke (5), Hübscher, Suton, Zerbe, Lemke, Bartok (1), Valiullin, Klimek, Zieker (2).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer, Häfner (1), Salger (4), Weiß (3), Schagen (4), Schweikardt (3), Späth (1), Kraus (2), Baumgarten (1), Röthlisberger (1), Burmeister (1), Haspinger.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW