Bitter: “Davon haben wir geträumt”

Team-Sieg-TVB

Johannes „Jogi“ Bitter strahlte übers ganze Gesicht nach getaner Arbeit am Sonntag. „Wir haben davon geträumt, das Derby hier zu gewinnen“, sagte der überragende Torhüter unmittelbar nach dem 23:21-Sieg des TVB 1898 Stuttgart bei FA Göppingen vor laufender Kamera. 6:6 Punkte hat der TVB nach einem happigen Auftaktprogramm auf dem Konto. „Damit können wir leben“, sagt der Trainer Markus Baur.

Nein, Rachegelüste kamen nicht auf bei Michael Kraus nach dem Triumph an alter Wirkungsstätte. Ein bisschen Genugtuung indes war herauszuhören bei seiner Analyse kurz nach dem Erfolg. „Es tut mir leid für Göppingen“, sagte der TVB-Spielmacher. „Aber wir waren über 60 Minuten die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen.“ Gefreut habe er sich über die gute Leistung der jungen Spieler. „Die hatten eine schöne Feuertaufe hier.“

Kein Interview mit Andersson
Die Göppinger Spieler und Verantwortlichen dagegen verkrochen sich nach dem Schlusspfiff, begleitet von vereinzelten Pfiffen ihrer Fans, in die Kabine. Der Trainer Magnus Andersson, der vor dem Spiel zugegeben hatte, „ein bisschen nervös“ zu sein, schwänzte das Interview mit dem TV-Sender.

Historischer Erfolg für TVB
Angespannt und teilweise fahrig präsentierte sich auch sein Team – und der TVB nutzte diese Situation aus, um einen historischen Erfolg zu landen: den ersten Sieg in einem Pflichtspiel gegen den einst übermächtigen Konkurrenten im sechsten Anlauf. Knapp war der TVB in der Saison 2013/2014 im DHB-Pokal gescheitert (36:39). In der Bundesliga standen die Bittenfelder dreimal auf verlorenem Posten (23:31, 26:35 und 29:35). In der finalen Partie der vergangenen Saison schnupperten sie beim 26:26-Unentschieden in der EWS-Arena am Sieg. Am Sonntag nun war Frischauf an gleicher Stätte fällig.

“Noch genügend Fehler gemacht”
„Wir haben gebrannt und von Anfang an an den Sieg geglaubt“, sagte Bitter. Er selbst hatte dazu einen erheblichen Beitrag geleistet: Bei 43 Prozent der Würfe, die auf seinen Kasten kamen, war der Weltmeister zur Stelle. „Ich habe es geschafft, in einen Flow zu kommen“ – wie die gesamte Mannschaft des TVB. Dem Gegner hingegen war die Unsicherheit in nahezu jeder Aktion anzusehen. „Wir haben Göppingen nie ins Spiel kommen lassen“, sagte der Trainer Markus Baur. „Allerdings haben wir noch genügend Fehler gemacht.“

Sieben technische Fehler leistete sich sein Team in den ersten 30 Minuten und 14 Fehlwürfe im zweiten Spielabschnitt. Mit dieser Quote ist ein Spiel normalerweise kaum zu gewinnen. Dass der fantastische Bitter alleine verantwortlich war für den Erfolg, will Baur so aber nicht stehenlassen. „Sicherlich brauchen wir einen super Torhüter, um in Göppingen zu gewinnen“, so der Coach. Entscheidend jedoch sei die Teamleistung gewesen.

Sieben Zeitstrafen für den TVB
Einen wesentlichen Anteil, dass die Partie in der Schlussphase nicht noch kippte, hatte Dominik Weiß. Der „Lange“ zeigte nach seiner Verletzungspause in der Deckung eine gute Leistung und war auch in brenzligen Situation im Angriff zur Stelle.

Der TVB hatte in Göppingen nicht nur mit der durchwachsenen Abschlussquote zu kämpfen, sondern auch mit der Regelauslegung der Schiedsrichter Peter Behrens und Marc Fasthoff. Siebenmal schickten sie einen TVB-Spieler für zwei Minuten auf die Strafbank, nur einmal einen Göppinger. Drei Siebenmeter bekam FA zugesprochen, keinen einzigen der TVB. „Das ungleiche Verhältnis spiegelt vielleicht wider, was den Unterschied ausmachte in diesem Spiel“, so Baur. „Unsere Bereitsschaft und die Aggressivität.“

Zwei kuriose Zeitstrafen gegen Stefan Salger
Besonders kurios waren die beiden Hinausstellungen für Stefan Salger. Zuerst wurde er wegen Spielverzögerung bestraft. Ein Angriff des TVB wurde abgepfiffen. Der Youngster wollte den Ball auf den Boden legen. Das Spielgerät war jedoch so stark mit Harz behaftet, dass es sich nicht von Salgers Hand lösen wollte. Bei der zweiten Zeitstrafe verhinderte Salger – eher aus Versehen – bei einem Angriff-/Abwehrwechsel die schnelle Mitte der Göppinger.

Im Mittelfeld der Tabelle
Vor dem dritten Auswärtsspiel in Folge am kommenden Sonntag (12.30 Uhr) in Lemgo hat sich der TVB mit 6:6 Punkten im Mittelfeld der Tabelle platziert – vor Göppingen (4:6) und punktgleich mit dem THW Kiel. Dieser Momentaufnahme misst der Trainer allerdings keine besondere Bedeutung zu und hält den Ball flach. „Ich denke, mit dem Saisonstart können wir ganz gut leben“, sagt er.

Schwierig, die Porsche-Arena zu füllen
Nicht ganz so prickelnd indes ist der Zuschauerzuspruch bis jetzt. 5600 Plätze bietet die EWS-Arena in Göppingen, nur 4400 Fans verfolgten das Derby am Sonntagmittag – was umgehend die Kritiker auf den Plan ruft. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Man darf nicht alles auf die neuen Anwurfzeiten schieben.“ Die Spiele im August, September und teilweise auch im Oktober seien immer schwierig zu vermarkten. „Man kann draußen noch was machen, außerdem gibt es Konkurrenzveranstaltung wie den Cannstatter Wasen.“ So sei’s auch für den TVB nicht ganz einfach, die Porsche-Arena am Sonntag, 8. Oktober, um 12.30 Uhr zu füllen. „Natürlich hätten wir das Spiel lieber in der kleineren Scharrena ausgetragen, aber es ging vom Terminplan her leider nicht anders.“

Spielplan zu spät veröffentlicht
Das Problem sieht Schweikardt vielmehr darin, dass der Spielplan zu spät veröffentlicht worden ist. „Viele Fans wussten gar nicht, dass das Derby jetzt schon stattfindet.“ Die Spiele müssten künftig früher fixiert werden, damit sich die Zuschauer darauf einstellen könnten.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW