Derbysieg nach toller Leistung

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Hochverdient haben sich die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart beide Punkte im Derby bei FA Göppingen gesichert. Vor 4400 Zuschauern in der EWS-Arena siegte der TVB mit 23:21 (13:10). Garant war die starke Defensive um den großartigen Johannes Bitter. Nach einer Sechs-Tore-Führung musste der TVB zittern, in der Schlussphase stach Dominik Weiß heraus.

Verkehrte Welt in der Göppinger EWS-Arena: Während die Frisch-Auf-Fans ihre Mannschaft nach der Schlusssirene auspfiffen, tanzten die TVB-Spieler auf dem Spielfeld und feierten den ersten Punktspielsieg gegen den großen Rivalen. Keinerlei Zweifel gab’s daran, dass die Punkte gerechterweise nach Bittenfeld gingen – auch wenn die Gäste nach einem komfortablen Vorsprung in den letzten zehn Minuten zittern mussten. Doch auch in dieser kritischen Phase behielt der TVB kühlen Kopf.
Die Göppinger mussten auf Sebastian Heymann verzichten, der im Abschlusstraining umknickte und sich den rechten Mittelfuß brach. Daran indes lag’s sicherlich nicht, dass das Heimteam von Beginn an gehemmt wirkte gegen die selbstbewusst auftretenden Bittenfelder.

„Wir brauchen eine gute Deckung und ein gutes Rückzugsverhalten“, hatte der TVB-Trainer Markus Baur kurz vor Spielbeginn zu Protokoll gegeben. Beides hatte sein Team – und noch einiges mehr. Den überragenden Torhüter Johannes Bitter beispielsweise, der die Göppinger mit 20 Paraden in den Wahnsinn trieb. Oder Michael Kraus, der gegen seinen ehemaligen Verein vor allem in den ersten 30 Minuten groß auftrumpfte. Und in der entscheidenden Phase trat einer in den Vordergrund, den so keiner richtig auf der Rechnung hatte: Dominik Weiß bekam nach seiner Verletzungspause erstmals wieder im Angriff Spielanteile und besorgte die finalen vier Treffer des TVB im Alleingang.
Zunächst indes wurde das Derby von den Abwehrreihen bestimmt. Sehr gut stand die TVB-Defensive mit Dominik Weiß und Tobias Schimmelbauer auf den Halbpositionen sowie Samuel Röthlisberger und Manuel Späth im Innenblock. Es ging von Beginn an auf beiden Seiten hart zur Sache. 3:3 stand’s nach zehn Minuten, für sämtliche TVB-Treffer hatte der umtriebige Michael Kraus gesorgt, den die Göppinger nicht in den Griff bekamen. Nach 15 Minuten holten sich die Gäste beim 5:4 die erste Führung – wieder war Kraus zur Stelle. Per Konter legte Bobby Schagen zum 6:4 (17.) nach. Der TVB agierte konzentriert und hatte deutliche Vorteile auf der Torhüterposition: Gerade zwei Bälle parierte Primoz Prost in den ersten 30 Minuten, neun dagegen Bitter.

Nach einer Auszeit brachte der Göppinger Trainer Magnus Andersson den Dänen Allen Damgaard für Tim Kneule auf der Spielmacher-Position und Marcel Schiller für Joscha Ritterbach auf Linksaußen. Diese Personalien änderten aber nichts daran, dass der TVB das entschlossenere und spielerisch bessere Team blieb.
Die Göppinger wirkten verunsichert und leisteten sich etliche Fehler. Schagens Konter zum 10:7 bedeutete nach 25 Minuten die erste Drei-Tore-Führung. Bei Frisch Auf kam Daniel Rebmann im Tor für Prost – und der 23-Jährige verhinderte gegen Stefan Salger das 7:11. Das Heimteam schloss nach zwei Fehlern des TVB zum 9:10 auf, doch das Team von Trainer Markus Baur hatte nach wie vor den besseren Plan. Nach einem fantastischen Anspiel von Michael Schweikardt besorgte Simon Baumgarten die 13:10-Pauseführung des Gastes.

Kraus machte in den zweiten 30 Minuten dort weiter, wo er vor der Pause aufgehört hatte und hämmerte den Ball zum 14:10 in den Göppinger Kasten. Frisch Auf agierte weiterhin konfus in der Offensive. Bitter schnappte sich regelmäßig die Würfe von den Außenpositionen. Im Rückraum war Zarko Sesum der Einzige, der Aktente setzte. Der TVB hatte die rechte Seite mit Jens Schöngarth und Adrian Pfahl komplett im Griff.
Nach Salgers Treffer zum 15:10 (35.) vergab der TVB mehrfach die Gelegenheit, frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Zu viele Zeitstrafen leistete er sich, wobei sich die Göppinger im Überzahlspiel nicht eben geschickt anstellten. So klaute Schagen dem Gegner den Ball, als der zwei Spieler mehr auf dem Feld hatte.
Nur zwei Gegentreffer ließ der TVB in den ersten 13 Minuten des zweiten Durchgangs zu, beim 18:12 (43.) hatte er die Partie klar im Griff. Auch die dritte Zeitstrafe und damit die Qualifikation für Tobias Schimmelbauer (44.) schien das Baur-Team nicht aus der Balance zu bringen – die zweite, umstrittene Zeitstrafe gegen Manuel Späth, allerdings schon. Schiller verkürzte auf 15:19. Dominik Weiß, der nun auch im Angriff eingesetzt wurde, legte zum 15:20 und 17:21 nach.

Elf Minuten vor dem Ende hatte FA noch die Chance auf die Wende – und tatsächlich rückten die Grün-Weißen dem TVB noch einmal gefährlich nahe auf die Pelle. Rebmann hielt einige Würfe, Schiller verkürzte auf 20:21 (55.). In dieser brenzligen Phase blieben die Bittenfelder mutig. Sie agierten mit dem siebten Feldspieler, Weiß traf per Doppelschlag zum 22:20 und 23:20. Dazwischen parierte Bitter gegen Urban und Ritterbach glänzend. Die restlichen 45 Sekunden waren kein Problem mehr für den TVB, Sesums 21:23 war wertlos. Vor dem dritten Auswärtsspiel am Sonntag in Lemgo ist der TVB mit 6:6 Punkten ins Mittelfeld der Tabelle geklettert.

FA Göppingen: Prost, Rebmann; Kneule (2), Ritterbach, Damgaard (3), Bagersted, Sesum (6), Fontaine (1), Urban (2), Schiller (4/3), Pfahl, Schöngarth, Kozina (3).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (1), Häfner, Salger (5), Weiß (4), Schagen (3), Schweikardt, Späth (2), Kraus (5), Baumgarten (2), Röthlisberger (1), Burmeister, Kretschmer.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW