TVB: Starke Leistung, aber keine Punkte

Bobby-Schagen-Freude

Eine über weite Strecken starke Leistung hat dem Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart gestern Abend nicht zur Überraschung gereicht: Der große Favorit Füchse Berlin musste vor 6343 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle bis an die Leistungsgrenze, um beim 26:24 (14:14) auch im vierten Spiel die weiße Weste zu bewahren.
Mit seinem Verletzungspech (Felix Lobedank, Djibril M’Bengue, Marian Orlowski) steht der TVB nicht alleine da. Den Gegner vom gestrigen Donnerstag hat’s mindestens genauso heftig erwischt: Die Füchse Berlin mussten auf vier Spieler verzichten: Bjarki Elisson (Wadenverletzung), Steffen Fäth (Zerrung), Marko Kopljar (Adduktoren) und Paul Drux (Pferdekuss).
Das Verletzungspech war im Vorfeld das große Thema bei den ambitionierten Füchsen. Deren Trainer indes wollte unmittelbar vor der Partie erst gar nicht nach Ausreden suchen. „Es war in der Kabine nicht erlaubt, über diese Ausfälle zu sprechen“, sagte Velimir Petkovic. „Wir haben noch genügend gute Spieler.“
Dem TVB war’s einerlei: Petkovics Kollege Markus Baur hatte sein Team glänzend auf den Gegner eingestellt. Die herausragenden Michael Kraus und Bobby Schagen brachten ihr Team mit 2:0 und 4:2 (8.) in Führung. Nach zehn Minuten glichen die Füchse zwar zum 4:4 aus, doch der TVB blieb fortan ein äußerst unangenehmer Gegner. Er hatte den Kopf des Berliner Angriffspiels, Peter Nenadic, gut unter Kontrolle und ließ auch dessen Nebenmänner Fabian Wiede und Drago Vukovic wenig Raum zur Entfaltung. Der Favorit musste um jeden Treffer heftig kämpfen, zudem hatte der TVB im Tor mit Johannes Bitter zunächst Vorteile: Petr Stochl hatte seine besten Szenen bei den Fernwürfen von Stefan Salger, der gestern keinen guten Tag erwischte – und damit hatte der TVB ein Problem im rechten Rückraum.
Nach 16 Minuten sorgte Schagen beim 9:6 für die erste Drei-Tore-Führung des TVB. Die Füchse wirkten bisweilen ratlos gegen die klug agierenden Bittenfelder, bei denen Dominik Weiß in der Deckung ein Kurz-Comeback feierte. Bis zum 10:7 (19.) und 11:8 (21.) machten die Gäste den besseren, frischeren Eindruck. Indes: In den folgenden vier Minuten brachten sie sich mit ein paar unglücklichen Aktionen um den Lohn, die Berliner waren nach einem 4:0-Lauf zur – ersten – Führung beim 12:11 im Spiel. Beim 14:14 ging’s in die Halbzeit.
Deutlich aggressiver in der Deckung präsentierten sich die Berliner in den zweiten 30 Minuten. Kraus traf mit seinem sechsten Tor zwar zum 16:16-Ausgleich, so allmählich jedoch kam Nenadic auf Betriebstemperatur. Sein 18:16 (38.) bedeutete die erste Zwei-Tore-Führung für das Heimteam. Der TVB hatte nun erheblich mehr Mühe, die Lücken in der gegnerischen Deckung zu finden. Zudem erreichte Stochl nach und nach Bitters Niveau.
Der TVB ließ sich aber nicht abschütteln. Kraus legte Schagen zum Kempa-Tor auf zum 18:19-Anschluss, doch die Füchse waren nun auch in der Offensive deutlich zielstrebiger. Fabian Wiede und Peter Nenadic avancierten zu den treibenden Kräften bei Berlin, das sich das Drei-Tore-Polster zurückholte beim 21:18 und 22:19 (45.). Der TVB kämpfte jedoch unverdrossen weiter. Manuel Späth, der eine prima Leistung zeigte, traf per Abpraller zum 21:23 aus Sicht der Gäste. Zehn Minuten vor dem Ende war der Außenseiter nach wie vor im Spiel, nahm sich dann aber den einen oder anderen überhasteten Abschluss und scheiterte an Stochl.
Späths Treffer zum 22:24 ließ den TVB dreieinhalb Minuten vor dem Ende noch träumen. Nach Wiedes Kullertor über den Innenpfosten zum 25:22 stand der Sieger aber fest. Die Füchse spielten die restlichen 180 Sekunden clever herunter. Alles klar machte Mattias Zachrisson beim 26:23, Max Häfner besorgte den finalen Treffer zum 26:24-Endstand.
Am Ende durften sich die Bittenfelder – wieder einmal – die Komplimente des Gegners abholen. Der behielt die Punkte und bleibt zusammen mit Hannover das einzige verlustpunktfreie Team der Liga.
Bereits am Sonntag (12.30 Uhr) geht’s weiter für den TVB: Das brisante Schwaben-Derby bei FA Göppingen steht an.
Füchse Berlin: Heinevetter, Stochl; Gojun, Simak, Vukovic (3), Nenadic (6), Reißky, Wiede (6), Struck (5), Lindberg (3/1), Zachrisson (1), Jiménez, Schmidt (2), Matthes, Schauer.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer, Häfner (2), Weiß, Salger, Schagen (7/3), Schweikardt (2), Späth (3), Baumgarten (1), Kraus (8), Röthlisberger, Kretschmer (1), Pfattheicher, Burmeister.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW