Löcher finden in der “Berliner Mauer”

Jogi-Bitter-Parade

Gegen den Aufsteiger Eulen Ludwigshafen hatte der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart mit der Favoritenrolle klarkommen müssen. Die hat er an diesem Donnerstag in Berlin nicht inne: Nach Platz vier in der vergangenen Saison möchten sich die Füchse den einen oder anderen Platz nach vorne schleichen. Der TVB hofft auf das Comeback von Dominik Weiß.

Punktemäßig haben die drei Aufsteiger TuS Nettelstedt-Lübbecke (0:10), TV Hüttenberg (1:9) und Eulen Ludwigshafen (2:8) in den ersten fünf Spielen nicht viel gerissen. Mit ihren forschen Auftritten haben jedoch vor allem die Eulen und Hüttenberg überrascht und die Favoriten mächtig ins Schwitzen gebracht.

So war der TVB 1898 Stuttgart zuletzt heilfroh, nach einem schwierigen, körperlich wie mental anstrengenden Match die Punkte gegen die Eulen behalten zu haben. Nicht minder zu kämpfen hatten die Füchse Berlin beim 30:28-Sieg in Hüttenberg. Drei Minuten vor Schluss durfte der Underdog beim 26:27-Rückstand noch von der Sensation träumen. „Die Hüttenberger haben sehr aggressiv und offensiv gedeckt, das mögen Spitzenmannschaften nicht so“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Sie wollen solche Spiele so schnell wie möglich nach Hause bringen.“

Ansprüche nach Erfolg in der letzten Saison gestiegen

Auch gegen den TVB dürfte das Team von Trainer Velimir Petkovic vom Anpfiff weg für klare Verhältnisse sorgen wollen. Schließlich sind die Ansprüche in der Hauptstadt nach dem vierten Rang in der vergangenen Saison gestiegen. Die Qualifikation für die internationalen Plätze ist Pflicht, Petkovic träumt sogar vom Titel.

„Die individuelle Klasse dafür haben die Füchse sicherlich“, sagt Markus Baur. „Und sie haben sich gut verstärkt.“ Der deutsche Nationalspieler Erik Schmidt ersetzt am Kreis Kresimir Kozina, der nach Göppingen wechselte. Für den rechten Rückraumspieler Kent Robin Tönnesen (nach Veszprem) kam vom selben Club Marko Kopljar. Die beiden Neuen sollen die Füchse auch in der Defensive voranbringen, die im Vorjahr nicht immer den stabilsten Eindruck hinterließ. Mit Kopljar (2,10 Meter), Schmidt (2,04) und Jakov Gojun (2,04) stellen die Füchse nun eine neue „Berliner Mauer“, die derzeit jedoch eine Lücke aufweist: Kopljar fehlt wegen Adduktorenproblemen auch gegen den TVB.

Berliner Kader kann Ausfälle kompensieren

Auch auf die verletzten Bjarki Elisson und Steffen Fäth müssen die Berliner voraussichtlich verzichten. Vor allem der Ausfall des deutschen Nationalspielers, der hervorragend in die Saison gekommen ist und beim 30:26-Sieg in Magdeburg zehnfacher Torschütze war, dürfte die Füchse schmerzen. „Der Kader der Berliner ist aber breit genug, um diese Ausfälle zu kompensieren“, sagt Markus Baur.

Für den isländischen Nationalspieler Elisson rückt Kevin Struck auf die Linksaußenposition. Der 20-Jährige kommt aus der eigenen Jugend und gilt als großes Talent. Der Rückraum ist mit zwei weiteren aktuellen deutschen Nationalspielern besetzt. Fabian Wiede und Paul Drux indes sind nach Verletzungspausen noch nicht bei 100 Prozent. Genügend Alternativen haben die Füchse hier immer noch. Der Routinier Drago Vukovic kann dem Spiel die entscheidenden Impulse geben.

TVB Trainer gerät ins Schwärmen
Und schließlich hat Berlin einen Mann in seinen Reihen, der ganz spezielle Qualitäten hat: Petar Nenadic. Markus Baur schwärmt regelrecht vom serbischen Nationalspieler. „Das ist ein Instinkthandballer, der alles kann.“ Nicht nur Tore werfen wie in Hüttenberg, wo er neunmal traf und mit einer hundertprozentigen Quote glänzte. Nenadic gilt auch als genialer Vorbereiter.

In Summe kann er im Spiel der Berliner den Unterschied ausmachen. „Er ist schon das Zünglein an der Waage“, sagt Baur. Wobei die Füchse auch auf anderen Positionen mit reichlich individueller Klasse aufwarten. Beispielsweise auf rechtsaußen mit Hans Lindberg und Mattias Zachrisson – und natürlich im Tor. Silvio Heinevetter und Petr Stochl zählen zu den besten Gespannen der Liga. Letzterer scheint derzeit mit 41 Jahren seinen dritten Frühling zu erleben. Zwischen 40 und 44 Prozent der Würfe hielt der Tscheche in den ersten drei Partien – das ist Weltklasse.

Füchse sollen es mit dem TVB nicht leicht haben
Der TVB reist also als klarer Außenseiter nach Berlin und steht längst nicht so stark unter Druck wie zuletzt gegen die Eulen. Einen Vorteil sieht Baur darin nicht zwangsläufig. „Wenn die Füchse einen guten Tag haben, kann man dort untergehen.“ Klein beigeben möchte er aber nicht. „Wenn wir gut und aggressiv decken, wird es für jeden Gegner schwer gegen uns.“ Hüttenberg hat es vorgemacht, wie den Füchsen beizukommen ist. Eine derart offensive Deckung indes ist nicht die Stärke des TVB. „Die eine oder andere Überraschung könnte es aber geben“, sagt Baur.

Nicht schlecht stehen die Chancen, dass Dominik Weiß – zumindest für ein paar Minuten – wieder auf dem Platz stehen wird. Auch der zuletzt angeschlagene Michael Kraus ist einsatzfähig.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW