Wichtiger Sieg gegen Aufsteiger Ludwigshafen

Es ist ein hartes Stück Arbeit gewesen für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart auf dem Weg zum zweiten Saisonsieg. Mit 25:22 (13:12) setzte er sich in der ausverkauften Scharrena gegen die kampfstarken Eulen Ludwigshafen durch. Bobby Schagen sowie in der Schlussphase Johannes Bitter, Michael Kraus und Stefan Salger waren die herausragenden Akteure.

Schweißgebadet, aber sehr erleichtert stand Mimi Kraus nach dem Spiel in den Katakomben der Scharrena. Er war einer der Spieler, die maßgeblichen Anteil hatten am so wichtigen Sieg des TVB gegen den forschen Aufsteiger. Mit Rückenproblemen hat der Weltmeister derzeit zu kämpfen, sein Einsatz war unsicher. Richtig trainiert hat er schon seit zwei Wochen nicht mehr. Das merkte man ihm am Sonntag in einigen Phasen deutlich an, es flutschte nicht wie gewohnt.
Nach einer Pause Mitte der zweiten 30 Minuten drehte Kraus jedoch auf, übernahm Verantwortung und warf die entscheidenden Tore. „Ich hab’ zum Trainer gesagt, bring’ mich noch mal, ich mach’s wieder gut“, sagte Kraus und grinste. „Ich hatte davor schon die eine oder andere falsche Entscheidung getroffen.“

Die Eulen hatten sich sehr gut auf den TVB eingestellt. Mit einer beweglichen, sehr variablen und laufstarken Deckung machten sie dem TVB-Rückraum mit Kraus, Michael Schweikardt und Stefan Salger das Leben schwer. Von Vorteil für das Heimteam war, dass Bobby Schagen an die Form der ersten drei Saisonspiele anknüpfte. Der Niederländer verwandelte seine – oft schwierigen – Wurfchancen von der rechten Außenposition traumhaft sicher. Das 6:3 nach elf Minuten war bereits Schagens vierter Streich.

So leicht indes ging’s nicht allen Bittenfeldern von der Hand. Die Gäste blieben dran, Pascal Durak versenkte einen Konter zum 7:6 (14.). Der TVB musste hart für jeden Treffer arbeiten, doch auch die eigene Deckung ließ – zumindest aus der Fernwurfzone – wenig zu. Die Eulen versuchten es immer wieder über den Kreis und fanden dort auch die eine oder andere Lücke. Trotzdem blieb der TVB zunächst leicht im Vorteil. Kraus besorgte per Kempa-Tor das 10:7 (20.), Schagen per Strafwurf das 11:8 (23.). Abschütteln ließ sich der Aufsteiger nicht in einem Spiel, das vornehmlich vom Kampf geprägt war – und von einer mäßigen Schiedsrichterleistung. Je länger die Partie dauerte, desto undurchsichtiger wurden die Entscheidungen von Marcus Hurst und Mirko Krug. Allen voran bei Aktionen am Kreis standen sie häufig vor der Frage: Abwehr- oder Stürmerfoul? Dieses Spielchen sorgte jedenfalls für reichlich Unruhe auf dem Feld.

Ein weiteres Problem für den TVB waren die Zeitstrafen und die Abpraller, die sich in der Regel die Eulen schnappten. Beim 13:11 hatte der TVB zwei Minuten vor der Halbzeit die Chance, auf drei Treffer wegzuziehen. Doch Schagen jagte einen Strafwurf an die Latte, mit der Pausensirene traf Denni Djozic zum 13:12.
Schlecht kam der TVB aus der Halbzeit zurück. Erst scheiterte Schweikardt mit einem Siebenmeter, dann leistete sich das Heimteam in Überzahl drei Fehlabspiele (13:13). Gut, dass Bitter immer besser ins Spiel fand und mehrfach zur Stelle war. Die erste Gästeführung beim 15:14 (37.) seit dem 2:1 konnte auch der Keeper nicht verhindern. Schagen glich aus, dann gönnte der TVB-Trainer Markus Baur Mimi Kraus eine schöpferische Pause. Sein Vertreter Max Häfner traf zum 16:15 (40.). Doch mit drei Toren in Folge meldeten sich die Gäste zurück. Beim 16:18 (42.) lag der TVB erstmals mit zwei Toren im Hintertreffen. Das Heimteam hatte weiterhin große Mühe, sich ordentliche Wurfpositionen herauszuspielen. Schweikardt und Schagen mit seinem neunten Tor glichen zwar wieder aus (18:18/48.), aber fünf Tore in 18 Minuten waren eine dürftige Ausbeute.

Für die finalen zehn Minuten kehrte Kraus aufs Spielfeld zurück. Er und Stefan Salger übernahmen nun die Verantwortung und waren für die restlichen sieben Tore verantwortlich. Beim 19:18 (50.) hatte der TVB die Führung zurück, die Gäste glichen jedoch bis zum 20:20 (52.) aus. Im Anschluss nutzte der TVB die dritte Zeitstrafe gegen den Eulen-Abwehrchef Gunnar Dietrich zum 22:20, Kraus donnerte den Ball zum 23:20 unter die Latte. Alexander Feld hielt die Gäste im Spiel (23:21/55.), doch Salgers 24:21 bedeutete die Vorentscheidung – zumal Bitter längst seine Betriebstemperatur erreicht hatte. Nach Salgers sechstem Treffer zum 25:21 drei Minuten vor dem Ende war die Partie entschieden. Mehr als der Treffer zum 25:22 gelang Ludwigshafen nicht mehr.
Mit 4:4 Punkten ist der TVB damit im Soll. Nun stehen drei Auswärtsspiele gegen die Füchse Berlin, FA Göppingen und den TBV Lemgo auf dem Programm.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (1), Häfner (1), Salger (6), Schagen (9/4), Schweikardt (3/1), Späth, Baumgarten, Kraus (5), Röthlisberger, Kretschmer, Pfattheicher, Burmeister.
Eulen Ludwigshafen: Klier, Peribonio; Stüber, Egelhof, Dietrich (4), Scholz (2), Haider, Hess, Feld (1), Remmlinger (4), Falk, Durak (4/1), Bührer, Djozic (4/2), Weber, Dippe (3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW