Personalnotstand – Hoffnungen bei Kraus

4:4 Punkte hätten die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart bei einem Sieg gegen die Eulen Ludwigshafen auf dem Konto und wären damit im Soll. Ganz so einfach indes dürfte es am Sonntag nicht werden: Zum einen hat sich der Aufsteiger in den ersten vier Spielen stark präsentiert. Zum anderen plagen den TVB – wieder einmal – große Verletzungssorgen.

Schwer gebeutelt waren die Bittenfelder in der vergangenen Saison, nicht zuletzt aufgrund des immensen Verletzungspechs hatten sie lange um den Ligaverbleib zittern müssen. Auch in dieser noch sehr jungen Spielzeit muss sich der Trainer Markus Baur den Kopf nicht zerbrechen, wen er aufs Spielfeld schicken soll. Allen voran der Rückraum ist derzeit extrem ausgedünnt.

Kraus’ Einsatz ungewiss
Die operierten Felix Lobedank und Djibril M’Bengue befinden sich mitten in der Rehabilitation. Marian Orlowski dürfte nach seinem Innenbandanriss aus der Partie in Magdeburg frühestens in fünf Wochen wieder einsatzfähig sein. Die Einsatzchancen von Dominik Weiß, dem ein Hämatom am Schienbein entfernt worden ist, schätzt Baur „eher minimal“ ein. Und Michael Kraus? Der Spielmacher musste in Magdeburg aufgrund einer Überlastungsreaktion der Lendenwirbelsäule passen. Ob er gegen die Eulen wieder aufs Spielfeld zurückkehren wird, ist ungewiss und dürfte sich kurzfristig entscheiden.

Mit spielerischen Mitteln zum Erfolg
Angesichts der vielen Ausfälle böte sich an, Florian Burmeister und Martin Kienzle aus dem erweiterten Kader nach oben zu ziehen. Dummerweise haben sich die beiden im Auftaktspiel des TVB II in Schwaikheim ebenfalls verletzt und sind damit keine Option.

„Wir müssen jetzt schauen, dass wir das Beste aus der Situation machen“, sagt Markus Baur. Wobei die taktischen Möglichkeiten angesichts des Personalnotstands äußerst überschaubar sind. „Wir müssen schon überlegen, wie wir das angehen.“ Mit Stefan Salger steht lediglich noch ein Spieler für die sogenannten einfachen Tore aus dem Rückraum parat. Zwangsläufig muss der TVB also versuchen, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen.

Gute Deckungsarbeit entscheidend
Beispielsweise mit dem jungen Max Häfner (21), der zuletzt reichlich Spielanteile bekommen hat. In Magdeburg agierte der TVB phasenweise – und gleichzeitig – mit den beiden Rechtsaußen Bobby Schagen und Finn Kretschmer im Rückraum. Schagen ist am Sonntag zudem eine Alternative auf der Spielmacher-Position.

Entscheidend sei, so Baur, eine gute Deckungsarbeit. „Wir brauchen die einfachen Tore über den Gegenstoß, im Sechs gegen sechs dürfte es kein so schönes Spiel werden.“ Eine taktische Variante könnte auch das Spiel mit zwei Kreisläufern sein. Das indes funktioniert nur, wenn der Rückraum durchschlagskräftig ist.

Drittes Auswärtsspiel in Lemgo
So oder so: Der TVB steht gegen die Eulen am Sonntag ein wenig unter Zugzwang. Geht er leer aus gegen den Aufsteiger, läuft er Gefahr, nach Abschluss der englischen Woche mit den beiden Auswärtsspielen in Berlin (Donnerstag) und in Göppingen (Sonntag in einer Woche) im Tabellenkeller festzusitzen. Im Anschluss steht in Lemgo die dritte Auswärtspartie in Folge an.

Eulen anfangs nicht viel zugetraut
Die Eulen aus Ludwigshafen holten sich beim 24:20 gegen den TBV Lemgo in ihrem vierten Saisonspiel die ersten Punkte – und hatten auch in den drei Partien zuvor gegen Göppingen (25:32), in Magdeburg (26:30) und bei den Füchsen Berlin (24:31) einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Die Favoriten mussten sich jedenfalls erheblich strecken, ehe die Punkte eingefahren waren.

Dabei war den Eulen vor der Saison nicht besonders viel zugetraut worden. Erst am finalen Spieltag machten sie den dritten Aufstieg nach 2010 und 2014 perfekt. Jeweils lediglich eine Saison hielten sich die Eulen damals in der ersten Liga. Dieses Mal rechnen sie sich mehr aus – auch, weil es nur noch zwei Absteiger geben wird.

Keine großen Namen im Kader der Gegner
Markus Baur hatte bereits vor der Saison davor gewarnt, den Neuling zum Absteiger Nummer eins zu stempeln. Das sporne ihn nur an. „Die Eulen gehen in jedes Spiel und sagen sich, denen zeigen wir’s.“ Optimismus verbreitete in der Saisonvorschau auch der Eulen-Coach. „Wir wollen die Konkurrenten stressen“, sagte Benjamin Matschke.

Der größte Trumpf der Ludwigshafener ist der Team- und Kampfgeist. Große Namen sind nicht zu finden im Kader. Mit knapp 25 Jahren im Schnitt haben die Eulen den jüngsten Kader aller Mannschaften. Die Stützen im Team sind der erfahrene Torhüter Kevin Klier (33) sowie der ehemalige Lemgoer Rückraum-Shooter und Abwehrspezialist Gunnar Dietrich (31). „Das ist ein eingespieltes Team und eine gewachsene Einheit“, sagt Markus Baur.

Zuletzt fehlten der Ex-Erlanger Oliver Heß (Hexenschuss) und David Schmidt (Muskelfaserriss). Aufpassen muss der TVB auf den wurfgewaltigen Zwei-Meter-Mann Patrick Weber im linken Rückraum. Die Fäden zieht der ehemalige Junioren-Nationalspieler Alexander Feld. Neu im Team sind unter anderem Frederic Stüber (vom TV Neuhausen), Jonathan Scholz (Bietigheim) und Jan Remmlinger (Balingen).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW