TVB will auch Erlangen Paroli bieten

Nach dem Highlight gegen Melsungen gastiert am Sonntag in der Stuttgarter SCHARRena der HC Erlangen, der zu Rundenbeginn spielfrei war. Dabei blieben am ersten Spieltag die Überraschungen weitgehend aus, sieht man einmal vom eindeutigen Auswärtssieg der HSG Wetzlar beim VfL Gummersbach ab. Und dann gab es auch in Stuttgart einen echten Paukenschlag: TVB 1898 Stuttgart – MT Melsungen 29:27, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

 

Nicht der Geheimfavorit aus Nordhessen hatte sich im ersten Spiel der neuen Runde durchgesetzt, sondern der vermeintliche Außenseiter aus dem Schwabenland. „Ich weiß auch nicht, warum wir den Saisonauftakt immer vergeigen“, ärgerte sich MT-Manager Axel Geerken hinterher, während sich TVB-Trainer Markus Baur freute: „Ich bin super happy.“ Das konnte er auch sein.

Die WILD BOYS hatten zuvor dem Favoriten einen tollen Kampf geliefert und das Spiel am Ende verdient gewonnen. Das sah Melsungens Trainer Michael Roth ähnlich. „Stuttgart hat das gut gemacht“, so der Nordbadener in nordhessischen Diensten. Legte man die Saisonvorbereitung zugrunde, musste den WILD BOYS Fans schon Angst und Bange werden. Melsungen: 17 Spiele, 17 Siege. Aber: „Im ersten Spiel hat man immer eine Chance“, so Markus Baur. Ihm gefiel vor allem die Art und Weise, wie seine Mannschaft dagegen hielt. Ob über den Kreis oder den Rückraum, die WILD BOYS waren immer einen Tick schneller. „Bei uns hat das Zusammenspiel von Torhüter und Abwehr nicht optimal funktioniert“, kritisierte Melsungens Coach Roth. Das stimmte beim TVB 1898 Stuttgart. Insbesondere in der Phase, als sich die Heimmannschaft von 18:18 auf 22:19 absetzen konnte.

 

Da zeigte sich Johannes „Jogi“ Bitter wie auch im weiteren Verlauf der Begegnung voll auf dem Posten und gab der Deckung dadurch immer mehr Sicherheit, um sich der „großen Wucht“ (Markus Baur) entgegenzustemmen. Aber es waren nicht nur die Erfahrenen um Michael „Mimi“ Kraus und Simon Baumgarten, die immer wieder Akzente setzten, sondern auch die Jungen, die den Sieg nicht mehr aus der Hand gaben. „Der Max Häfner kommt rein und macht ein Tor“, lobte WILD BOYS Trainer Markus Baur den Neuzugang aus Schwäbisch Gmünd ebenso wie Stefan Salger oder Samuel Röthlisberger. Oder auch den ehemaligen Göppinger Manuel Späth, der sich trotz einer Verletzung in der Abwehr immer wieder in die Bresche warf.

 

„So kann es weitergehen“, möchte man in der ersten Euphorie denken. Aber bereits am Sonntag kommt mit dem HC Erlangen ein ganz schwerer Brocken, gegen den die WILD BOYS in der letzten Saison nicht gewinnen konnten. Und in dieser Runde scheinen die Franken noch stärker zu sein als in der Vorsaison. Mit Johannes Sellin, Gorazd Skof, Andreas Schröder, Christoph Steinert, Nico Büdel und Sergej Gorpishin haben die Erlanger ihren Kader gezielt ergänzt. Die Mannschaft wurde in der Tiefe verstärkt. Das Wort “Klassenerhalt“ wird im Oberfränkischen aus dem Vokabular gestrichen. Dafür wurde auch der Etat erhöht, wie Manager René Selke gegenüber der HANDBALLWOCHE bestätigte. Die Ergebnisse geben den Machern in der Kommandozentrale Recht. Zehn Siege in der Vorbereitung gegen starke Gegner, zum Teil aus der Champions League, unterstreichen dies. Da kommt den Franken sicherlich auch das stramme konditionelle Programm ihres schwedischen Trainers Robert Andersson zugute.

 

„Da kommt auch von der Qualität her einiges auf uns zu“, prophezeit TVB 1898 Stuttgart Trainer Markus Baur. Aber sein Team hat durch den Auftakterfolg gegen Melsungen viel Selbstvertrauen getankt und sich auch sehr viel Respekt in der DKB Handball Bundesliga eingehandelt. Die Erlanger sind gewarnt und werden sich sicherlich entsprechend vorbereiten. Aber WILD BOYS Coach Baur stellt mit Selbstbewusstsein fest: „Wer Melsungen schlägt, sollte sich auch vor Erlangen nicht verstecken.“ Dazu muss aber beim TVB 1898 Stuttgart am Sonntag wieder alles passen, müssen vor allem die Zuschauer in der SCHARRena erneut wie eine Mauer hinter ihrem Team stehen. Der „Biddafeld, Biddafeld“-Schlachtruf soll die Halle wieder zum Beben bringen.

Quelle: Joachim Gröser, TVB