Ein Auftritt, der Mut macht

19 Spiele, inklusive zweier Pokal-Partien, war der Handball-Erstligist MT Melsungen in der Vorbereitung ohne Niederlage gewesen. Seit Donnerstagabend kennen die Melsunger das Gefühl der Unterlegenheit wieder: Der TVB 1898 Stuttgart sorgte mit dem 29:27-Sieg für die einzige Überraschung am ersten Spieltag. „Wir können guten Mutes die nächsten Aufgaben angehen“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur.

Es gab eine ganze Reihe sehenswerter Szenen beim Punktspiel-Auftakt in der Porsche-Arena. Hauptakteur der bemerkenswertesten Aktion war Jeffrey Boomhouwer. 25:23 führte der TVB in der 50. Minute, die Schiedsrichter Christoph Immel und Ronald Klein schickten Michael Schweikardt nach einer Abwehraktion gegen den Niederländer für zwei Minuten vom Feld – und nahmen diese Entscheidung wieder zurück. Die TVB-Spieler hatten protestiert, die Referees erkundigten sich bei Boomhouwer. Und der Linksaußen gab zu, von Schweikardt nicht berührt worden zu sein.

Große Fair-Play-Geste von Boomhouwer

Boomhouwer durfte sich den verdienten Beifall der 5800 Fans abholen für diese großartige Fair-Play-Geste. Beim einen oder anderen Mannschaftskollegen indes kam sie offensichtlich nicht gut an. Schließlich hätte den favorisierten und wankenden Gästen eine Überzahl in dieser wichtigen Phase gut zu Gesicht gestanden.

Ob die numerische Überlegenheit gereicht hätte, das Spiel zu drehen, ist hypothetisch. Wohl aber eher nicht, zu spiel- und nervenstark agierten die Bittenfelder an diesem Abend. „Das war ein richtig gutes Spiel von uns“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Wir haben über 60 Minuten das durchgezogen, was wir uns vorgenommen hatten.“ Und der TVB hat eines der beiden Saisonziele bereits am ersten Spieltag erreicht: endlich mal einen Großen der Liga schlagen. Bis zum zweiten Ziel, dem möglichst frühen Ligaverbleib, ist es noch eine Weile hin. Zudem ist eine Prognose über die Stärke der Teams nach einem einzigen Spiel nicht möglich.

Das Rückzugsverhalten des TVb war hervorragend

Dessen ist sich natürlich auch Markus Baur bewusst – wobei sich der Coach über die Art und Weise, wie sich sein Team präsentiert hat, riesig freut. Seine Spieler hielten sich über die komplette Spielzeit hinweg an den taktischen Plan: Die große Stärke der Melsunger, der Tempogegenstoß, war nicht zu sehen. Das Rückzugsverhalten des TVB war hervorragend. „Wir haben kaum schnelle Gegentreffer zugelassen.“

Und im Positionsangriff mussten sich die Melsunger auf die individuelle Klasse von Julius Kühn sowie Philipp und Michael Müller verlassen – zu wenig letztlich, um dem Bittenfelder Kollektiv Paroli bieten zu können. Sehr gut gefallen hat Baur auch, wie mutig und unbekümmert sich die beiden 21-jährigen Neuzugänge Stefan Salger und Samuel Röthlisberger bei ihrem Bundesliga-Debüt präsentierten. Derartige Glanzleistungen seien zwar nicht in jedem Spiel zu erwarten. „Aber die beiden haben gesehen, was gehen kann“, sagt Baur. „Und Melsungen ist ja keine Kirmestruppe.“

Youngster trumpften auf, Routiniers überzeugten

Nicht nur die Youngster trumpften auf, auch die Routiniers überzeugten. Das Kreisspiel über die Spielmacher Michael Kraus und Michael Schweikardt mit Simon Baumgarten bekam der Gegner nicht in den Griff. Weil Stefan Salger und Marian Orlowski von den Halbpositionen enorm Druck machten, gab’s Platz am Kreis. „Wir haben schon in der Vorbereitung viel mit Simon gespielt“, sagt Baur. „Er ging schon mit einem guten Gefühl ins Spiel.“

Zuschauen dagegen musste Dominik Weiß: Der Bluterguss im Unterschenkel ließ Sprints und seitliche Bewegungen nicht zu. Entwarnung gab’s bei Manuel Späth. Der Neuzugang aus Göppingen verletzte sich am Steißbein, biss auf die Zähne und machte ebenfalls ein starkes Spiel.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW