TVB knackt Geheimfavoriten

Besser hätte es kaum laufen können für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart zum Saisonauftakt: 5821 Fans in der Porsche-Arena feierten ihr Team am Donnerstagabend nach dem überraschenden 29:27-Sieg (14:14) gegen die hoch gehandelte MT Melsungen. Kämpferisch war der TVB bärenstark, taktisch und spielerisch sogar die bessere Mannschaft.
Die Fans rieben sich 60 Minuten lang die Augen: Der TVB hielt gegen den Geheimfavoriten nicht nur hervorragend dagegen, sondern drehte ihm am Ende auch noch eine lange Nase. Am verdienten Erfolg gab’s hernach auch keinerlei Zweifel, selbst der Gegner erkannte dies an.
Um gegen einen Hochkaräter wie die MT Melsungen bestehen zu können, ist eine gehörige Portion Mut vonnöten. Die legte der TVB von der ersten Aktion an den Tag: So knallte der Junioren-Nationalspieler Stefan Salger dem Melsunger Keeper Johan Sjöstrand nach 23 Sekunden den Ball zum 1:0 um die Ohren.
Der 21-Jährige zeigte – wie auch die anderen Neuzugänge des TVB –, eine couragierte Leistung. Samuel Röthlisberger und Manuel Späth spielten stark in der Defensive. Max Häfner düpierte bei seinem Kurzeinsatz den gegnerischen Keeper mit einem frechen Wurf.
Der TVB, der auf den angeschlagenen Dominik Weiß verzichten musste, legte zunächst stets ein Tor vor, die Gäste glichen postwendend aus. Die größten Probleme hatte der TVB mit Julius Kühn: Gegen die Wucht des deutschen Nationalspielers war oft kein Kraut gewachsen. Der Ausgleich zum 8:8 (18.) war bereits der vierte Treffer des Halblinken.
Beim Heimteam zeigte sich Bobby Schagen besonders treffsicher: Sieben Tore, davon fünf Siebenmeter, hatte der Rechtsaußen am Ende zu Buche stehen und blieb dabei ohne Fehlversuch. Beim 11:9 (25.) hatte sich der TVB die erste Zwei-Tore-Führung erspielt und präsentierte sich dabei deutlich variabler als der Gegner. Während Melsungen meist durch Einzelaktionen zum Erfolg kam, klappte beim TVB insbesondere das Kreisspiel hervorragend: Michael Schweikardt und Michael Kraus setzten den sehr guten Simon Baumgarten immer wieder glänzend in Szene. Es blieb jedoch ein enges Match, und das 14:14 zur Pause versprach spannende zweite 30 Minuten.
Nicht so richtig zum Zug beim TVB kam Marian Orlowski im linken Rückraum. Deshalb versuchte es der TVB-Trainer Markus Baur immer wieder mit Kraus, Schweikardt und Salger im Rückraum. Im Laufe der Partie mischten hier auch Finn Kretschmer und Schagen kurzzeitig mit.
Der große Trumpf der Heimteams war, dass es stets ruhig blieb und diszipliniert agierte. Auch von den 14:15- und 15:16-Rückständen ließ es sich nicht verunsichern. Schagen holte beim 17:16 die Führung wieder zurück (37.). Röthlisberger traf nach einem tollen Anspiel von Kraus zum 20:18 (40.) und Salger per Konter zum 22:19 (42.) – der ersten Drei-Tore-Führung im Spiel. Spätestens jetzt war klar, dass es für die Melsunger ein unangenehmer Abend werden könnte.
Philipp und Michael Müller hielten die Gäste zwar im Spiel, doch der TVB hatte immer eine Antwort parat.

Die Deckung kämpfte verbissen, zudem steigerte sich der Torhüter Jogi Bitter. Schweikardts Zauber- Dreher brachte das 25:22 (49.), Melsungen blieb dran (25:24/51.). In der entscheidenden Phase behielt der TVB die Nerven: Zunächst traf Schweikardt nach einer Bitter-Parade ins verwaiste Gästetor zum 26:24, dann knallte Kraus den Ball zum 27:24 in den Kasten.
Auch zwei misslungene Aktionen von Tobias Schimmelbauer und Kraus hatten keine negativen Auswirkungen. Salger traf drei Minuten vor dem Ende ganz cool zum 28:25. Kühns Hammer zum 28:26 beantwortete Kraus mit einem ebenso fulminanten Wurf zum 29:26. In den restlichen 98 Sekunden ließ der TVB nichts mehr anbrennen, mehr als das 27:29 gelang den Gästen nicht mehr.
Während sie mit hängenden Köpfen vom Spielfeld trotteten, feierten die Fans ihren TVB noch minutenlang.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Schimmelbauer (3), Häfner (1), Salger (5), Weiß, Schagen (7/5), Späth, Schweikardt (4), Kraus (4), Baumgarten (3), Röthlisberger (1), Kretschmer, Orlowski (1), Pfattheicher.
MT Melsungen: Sjöstrand, Simic; Maric (1), Kühn (7), Lemke, Golla, Reichmann (1), Mikkelsen, Danner (2), Philipp Müller (4), Boomhouwer, Schneider (1), Allensdorf (4/3), Jaanimaa, Michael Müller (7), Haenen

Quelle: Thomas Wagner, ZVW