Mit Vollgas ins vorgezogene Finale

Die Lage hat sich zugespitzt im Abstiegskampf der 1. Handball-Bundesliga zwei Spieltage vor Schluss. Mit einem Sieg am Samstag in der Porsche-Arena gegen den HSC Coburg hätte der TVB 1898 Stuttgart 22 Punkte auf dem Konto. Doch selbst die könnten am Ende nicht reichen. Andererseits wäre der TVB bei einer Niederlage des TBV Lemgo in Hannover vorzeitig gerettet.

Die Resultate in der Schlussphase der Saison vorauszusagen, kommt Kaffeesatzleserei gleich. Zu befürchten aus Bittenfelder Sicht war, dass der Drittletzte TBV Lemgo die jenseits von Gut und Böse platzierte HSG Wetzlar bezwingen könnte. Dass sich aber der VfL Gummersbach in Berlin durchsetzen würde, war sehr überraschend. Schließlich kämpfen die Füchse noch um Rang drei.

Eine Prognose zu stellen ist schwierig

Um so bedeutender war der 28:26-Sieg des TVB 1898 Stuttgart am Mittwoch in Minden. Eine Niederlage hätte ihn auf einen Abstiegsplatz abrutschen lassen, und die Chancen auf den Ligaverbleib wären drastisch gesunken. So sind nach wie vor, außer dem bereits abgestiegenen HSC Coburg, fünf Mannschaften in den Abstiegskampf verwickelt. Eine Prognose zu stellen, wer die besten Karten hat, ist schwierig.

Zwei Punkte benötigt

Ziemlich sicher jedenfalls ist, dass der TVB am Samstag im vorweggenommenen Endspiel gegen Coburg zwei Punkte benötigt – wobei er dabei keineswegs vor einer Pflichtaufgabe steht. Die Franken spielen derzeit munter mit und legen großen Kampfgeist an den Tag. Bei der 26:28-Niederlage in Kiel am 31. Spieltag, die den Abstieg bedeutete, schrammte das Team von Trainer Jan Gorr nur hauchdünn an der Sensation vorbei. Am Spieltag davor hatten die Coburger den VfL Gummersbach mit 31:30 in die Knie gezwungen. Und am Mittwoch retteten sie nach einem 16:22-Rückstand in der 45. Minute beim 27:27 gegen Hannover einen Punkt.

Gefährliche Coburger

Der TVB-Trainer warnte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel davor, den Gegner an seinem Tabellenplatz zu messen. „Coburg hat die ganze Saison immer wieder aufhorchen lassen“, sagte Markus Baur. Es könne befreit aufspielen. „Das macht sie so gefährlich.“ Ähnlich schätzte Michael Schweikardt die Lage ein. „Die Coburger Spieler wollen sich sicher noch einmal gut präsentieren und sich für Erstligavereine empfehlen“, sagte der Spielmacher.

Ein torgefährliches Duo

Mit Florian Billek und Steffen Coßbau haben die Coburger ein sehr flinkes und torgefährliches Duo auf den Außenpositionen. Der Rückraum ist mit den Routiniers Till Riehn, Stefan Lex und dem Shooter Nico Büdel gut besetzt. Seit ein paar Spielen ist auch der lange verletzte Tom Wetzel wieder mit von der Partie und verleiht dem linken Rückraum der Coburger noch mehr Durchschlagskraft.

Ex-Bittenfelder bei Hannover ohne Sieg

Sollte der TVB am Samstag in der Porsche-Arena die Oberhand behalten, würde dies einen Spieltag vor Saisonschluss den Ligaverbleib bedeuten – vorausgesetzt, der TBV Lemgo geht beim TSV Hannover-Burgdorf leer aus. Dazu indes müssten die Hannoveraner endlich ihre schlimme Serie von 2:26 Punkten beenden: Ohne Sieg ist das Team um die Ex-Bittenfelder Jens Bürkle und Kai Häfner im Kalenderjahr 2017, es reichte gerade einmal zu zwei Unentschieden.

Hannover – Lemgo erst am Mittwoch

Sollte Hannover gegen Lemgo in die Spur kommen, kann der TVB feiern – er muss sich allerdings noch ein paar Tage gedulden: Der 32. Spieltag ist gesplittet, weil Termine für internationale Spiele mit deutscher Beteiligung freigehalten wurden. So findet die Partie des großen Konkurrenten erst am Mittwoch statt. Besonders glücklich ist Baur mit dieser Konstellation nicht. „Das ist nun halt mal so. Andererseits können wir mit einem Sieg gegen Coburg Druck aufbauen auf die anderen.“

„Wir müssen mit Vollgas ins Spiel gehen“

Der Coach hofft, dass seine Spieler ihre Form konservieren und die Konzentration aufrechterhalten können. „Wir müssen mit Vollgas ins Spiel gehen. So, wie wir es eigentlich fast immer in den vielen englischen Wochen hinbekommen haben.“ Auch mit dezimiertem Kader. Mit Djibril M’Bengue fehlt seit Wochen der Shooter im rechten Rückraum. Und nach dem Ausfall von Michael Kraus sahen viele Fans den TVB mit einem Bein schon in der Zweiten Liga. Doch das Team hat diese Schwächung erstaunlich gut kompensiert. „Natürlich fehlt uns Mimi“, so Michael Schweikardt. Andererseits habe sich die Last nun auf mehrere Schultern verteilt. „Vielleicht sind wir jetzt auch nicht mehr so leicht ausrechenbar.“

Gut weggesteckt haben die Bittenfelder auch den Verlust von Tobias Schimmelbauer. Wegen einer Wadenverletzung muss der Linksaußen auch gegen Coburg passen. „Für Göppingen besteht noch eine minimale Resthoffnung“, sagte Baur.

Info

Noch rund 500 Tickets gibt’s fürs Spiel gegen Coburg. Im Anschluss findet ab 21 Uhr im Stuttgarter Event-Lokal Mash die Saisonabschlussparty „Hands up“ der Handballer in der Region statt. Wer ein Karte fürs Coburg-Spiel vorweist, bekommt die Hälfte des Eintrittspreises – fünf statt zehn Euro – erstattet. Shuttle-Busse fahren von der Porsche-Arena in die Innenstadt.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW