Überlebenswichtige Punkte für den TVB

In einem nervenaufreibenden Spiel hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart gestern Abend beim 28:26-Sieg (15:14) in Minden zwei überlebenswichtige Punkte gesichert. Nach dem 17:19-Rückstand in der 45. Minute behielt der TVB in der Schlussphase die Nerven. Bei einer Niederlage wäre das Team von Trainer Markus Baur auf einen Abstiegsrang gerutscht.
Der TVB hat dem enormen Druck Stand gehalten: Die Abstiegskonkurrenten VfL Gummersbach (28:27 in Berlin) und TBV Lemgo (29:26 gegen Wetzlar) hatten am frühen Abend überraschend vorgelegt. Bei einer Pleite in Minden hätte der TVB ziemlich schlechte Karten gehabt.
Die Voraussetzungen vor diesem bedeutenden Spiel in der Kampa-Halle waren alles andere als gut, denn das Verletzungspech bleibt dem TVB ein treuer Begleiter: Nach Djibril M’Bengue und Michael Kraus fehlt im Saisonendspurt auch Tobias Schimmelbauer: Der abwehrstarke Linksaußen zog sich einen Muskelfaserriss an der Wade zu und musste das Geschehen in Minden abseits des Platzes verfolgen. Da der etatmäßige Aushilfs-Linksaußen Michael Schweikardt den Job von Kraus auf der Spielmacherposition ausfüllen muss, war der TVB-Trainer Markus Baur zum Improvisieren gezwungen – in der Defensive wie im Angriff.
Stark: Weiß, Schweikardt und Celebi
Der TVB erwischte keinen guten Start: Can Celebi und Bobby Schagen per Strafwurf trafen nur den Pfosten, nach vier Minuten führte der Aufsteiger mit 2:0. Dominik Weiß, der auf Linksaußen und im Rückraum ein starkes Spiel zeigte, verkürzte zum 1:2, doch der Gastgeber zog auf 5:2 davon (8.). Aus der Ruhe bringen ließ sich der TVB allerdings nicht, nach 17 Minuten sorgte der gute Michael Schweikardt beim 9:8 für die erste Führung der Gäste. Der Spielmacher legte auch zum 12:10 vor (22.). Nachdem der TVB zweimal die Chance zur Drei-Tore-Führung liegen ließ, machte es Marian Orlowski besser (14:11/27.). Zur Pause kämpfte sich Minden aber zum 14:15 heran. Im zweiten Spielabschnitt trat zunächst ein Mindener in den Vordergrund: Der Keeper Gerrie Eijlers brachte die TVB-Schützen mit einer ganzen Reihe von Paraden zur Verzweiflung. 19:17 führte Minden nach 45 Minuten, magere zwei Tore bei neun Fehlwürfen gelangen den Gästen nur in 15 Minuten.
Nach einer Auszeit besannen sich die Bittenfelder wieder und gingen konzentrierter zu Werke. In Unterzahl holte Orlowski beim 20:19 die Führung zurück, Celebi machte beim 21:19 (48.) den 4:0-Lauf perfekt. Die Mindener versuchten es fortan gegen die gute TVB-Defensive konsequent mit dem siebten Feldspieler und glichen zum 22:22 (54.) aus. Es entwickelte sich ein packendes Duell, in dem Weiß und Celebi in den Schlussminuten die Akzente setzten: Nach dem 23:23 brachte Celebi den TVB mit einem Doppelschlag mit 25:23 in Führung, Weiß besorgte zweieinhalb Minuten vor dem Ende das 26:24 und Celebi legte zum 27:25 nach. Orlowski machte mit dem 28:25 alles klar. Christoffer Rambos Treffer zum 26:28 kam zu spät.
Mit diesem bitter notwendigen Erfolg bleibt der TVB im Geschäft, muss aber am Samstag gegen den HSC Coburg dringend nachlegen. Angesichts der starken Konkurrenz dürfte die 20 Punkte nicht zum Ligaverbleib reichen.
Jubel gab’s auch in Mannheim: Die Rhein-Neckar Löwen verteidigten mit dem Sieg gegen Kiel vorzeitig ihren Titel.
TSV GWD Minden: Eijlers, Sonne-Hansen; Freiman, Staar, Sjöstrand, Rambo (5), Südmeier (1), Larsson, Jernemyr, Gullerud (3), Michaelczik (4), Svitlica (11/5), Doder, Freitag (2).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Lobedank (1), Weiß (10), Schagen, Schweikardt (4/2), Coric, Baumgarten (1), Fotache, Kretschmer, Orlowski (7), Celebi (5).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW