TVB verpasst Bonuspunkte knapp

Nur um Haaresbreite ist der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart an der Überraschung vorbeigeschrammt: Vor 2241 Zuschauern in der Scharrena bot der Außenseiter dem großen Favoriten Füchse Berlin bei der 27:29-Niederlage (13:13) einen leidenschaftlichen Kampf und hätte sich einen Punkt verdient gehabt. Kleiner Trost: Die Konkurrenten Balingen und Lemgo ließen ebenfalls Federn.
Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein heißer Kampf gewesen in der Scharrena. Die Temperaturen waren nicht besonders gut geeignet zum Handballspielen. Für erhitzte Gemüter bei den Fans und Verantwortlichen des TVB sorgten die schwachen Schiedsrichter Christian Moles und Lutz Pittner. Auch wenn das Gespann letztlich nicht für die Niederlage des TVB verantwortlich gemacht werden darf: Mit der einen oder anderen fragwürdigen Entscheidung sorgte es immer wieder für Nadelstiche beim TVB, die ziemlich schmerzten.
Der Tabellenvierte war ohne Petar Nenadic nach Stuttgart angereist, dennoch standen durchweg Nationalspieler auf dem Spielfeld. Von großen Namen ließ sich der TVB jedoch nicht beeindrucken. Nach dem 2:3-Rückstand (4.) trat beim TVB einer hervor, der in der Offensive zuletzt nicht so viele Akzente gesetzt hatte: Dominik Weiß drehte die Partie mit einem Doppelpack zum 4:3 (5.), steuerte auch den Treffer zum 6:5 (9.) bei und tankte gleich Selbstvertrauen.
Die TVB-Abwehr war sehr gut auf den Füchse-Rückraum mit Paul Drux, Fabian Wiede und Steffen Fäth eingestellt. Und der starke Keeper Jogi Bitter stach seinen Gegenüber Silvio Heinevetter in den ersten 30 Minuten klar aus. Nach zwei Kontertreffern von Tobias Schimmelbauer und Vio Fotache lag der TVB überraschend mit 8:5 vorne (12.).
In einer Auszeit stellten die Füchse um: Für Wiede kam Kent Robin Tönnesen im rechten Rückraum und führte sich mit zwei Toren zum 8:7 gleich gut ein. Der TVB verlor nun etwas den Faden. Im Positionsspiel hatte er die Füchse zwar ordentlich im Griff, bei den Kontern indes nicht: Hans Lindberg nutzte zwei Fehlwürfe des Heimteams zur 9:8-Führung der Gäste. Und es kam noch schlimmer: Nach 20 Minuten machte Kresimir Kozina beim 11:8 den 5:0-Lauf der Berliner perfekt.
Das Team von Trainer Markus Baur kämpfte sich jedoch zurück. Felix Lobedank, der ebenso wie Can Celebi einige Mühe hatte im rechten Rückraum, glich zum 11:11 aus. Marian Orlowskis Knaller bedeutete den 13:13-Halbzeitstand.

Orlowski traf auch zum 14:13 kurz nach dem Wechsel in einer Partie, die immer hitziger wurde – auch, weil die Schiedsrichter weiterhin eine klare Linie vermissen ließen. Bobby Schagen traf per Kempa-Trick zum 17:16 (36.), Michael Schweikardt düpierte den unglücklich agierenden Heinevetter mit einem Beinschuss zum 18:17 (39.). Nachdem Schimmelbauer beim 20:18 (40.) und Orlowski beim 21:19 (43.) für die Zwei-Tore-Führungen gesorgt hatten, kochte die Halle.
Bei den Füchsen kam Petr Stochl für Heinevetter. Zwei Fehlwürfe und ein technischer Fehler brachten den TVB beim 21:22 wieder ins Hintertreffen (46.). Nach Celebis 23:23-Ausgleich rettete der ins leere Tor zurückgeeilte Bitter artistisch, dann scheiterte Schagen mit einem Siebenmeter an Heinevetter. Die Füchse legten nun stets einen Treffer vor, der TVB glich bis zum 25:25 aus (56.). Der Underdog schnupperte an der großen Überraschung, doch die Berliner hatten noch einen Trumpf in der Hinterhand: Steffen Fäth, bis dahin äußerst unauffällig, zeigte seine individuelle Klasse beim 26:25 und 28:26 für den Favoriten. 78 Sekunden vor dem Ende bedeutete diese Führung die Entscheidung. Schimmelbauers Anschlusstreffer zum 27:28 kam zu spät, Tönnesen setzte mit dem 27:29 den Schlusspunkt.
Unterm Strich mussten die Füchse froh sein, die Punkte mit in die Hauptstadt genommen zu haben. Das sah auch Velimir Petkovic so. Der Füchse-Trainer, der zuletzt heftig gegen die Schiedsrichter gewettert hatte, hatte dieses Mal – zumindest bei der Pressekonferenz nach dem Spiel – nichts auszusetzen an den Unparteiischen. Die hatten Petkovic zuvor 60 Minuten lang ungestraft an der Außenlinie toben lassen und ignorierten auch „Petkos“ lautstarken Duelle mit den Männern am Zeitnehmertisch. Sechs Minuten vor dem Ende zückten Moles/Pittner unter den Pfiffen der Fans die Gelbe Karte für den Füchse-Coach.
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Bitter; Schimmelbauer (4), Lobedank (1), Weiß (6), Schagen (2/1), Schweikardt (4/1), Coric (1), Baumgarten (1), Fotache (1), Kretschmer, Porges , Orlowski (6), Celebi (1).
Füchse Berlin: Heinevetter (1), Stochl; Wiede (1), Ellison (6), Struck, Gojun, Tönnesen (4), Plaza Jiminez, Lindberg (8/3), Fäth (3), Kozina (3), Drasko Nenadic, Drux (3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW