Fuchsjagd im WILD BOYS Revier

Der Kampf um den Klassenerhalt in der DKB Handball Bundesliga nimmt an Dramatik zu. Gehen wir davon aus, dass Frisch Auf Göppingen nach der Leistung im EHF-Pokalfinale nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben wird, sind insgesamt fünf Teams noch nicht über dem Berg.

Und diese Mannschaften sind nur durch zwei Zähler voneinander getrennt. Das deutet darauf hin, dass der Kampf um den Klassenerhalt erst am letzten Spieltag entschieden wird und zwei der drei Teams, die die DKB-Handball Bundesliga am Ende der Saison verlassen müssen, erst in einem Herzschlagfinale ermittelt werden. Das Torverhältnis kann also im Endeffekt mitentscheiden. Die besten Karten hat auf Rang 13 mit 19 Zählern der VfL Gummersbach, der aber vor Wochenfrist überraschend beim abgeschlagenen Schlusslicht HSC Coburg mit 29:30 unterlag. Davor finden sich der Bergische HC, der der wesentlich höher eingeschätzten HSG Wetzlar ein 18:18 abtrotzte, und unser TVB mit jeweils 18 Punkten. Die WILD BOYS unterlagen am Mittwochabend  beim deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen mit 30:21, erkämpften sich aber vor Wochenfrist ein sehr wertvolles 24:24 Remis beim TBV Lemgo und sorgten damit dafür, dass die Ostwestfalen auf einem Abstiegsplatz verweilen. Den Punktgewinn bezahlte der TVB Stuttgart allerdings sehr teuer. Spielmacher Michael „Mimi“ Kraus erlitt einen Mittelhandbruch. Für ihn ist die Saison damit beendet. Auf Rang 17 der Tabelle befindet sich mit dem schlechtesten Torverhältnis (- 94) und 17 Zählern der HBW Balingen-Weilstetten. Aber die Gallier von der Alb sind immer für Überraschungen gut, wie etwa beim 28:23 Heimsieg gegen Leipzig. Für sie geht es am Samstag im württembergischen Derby gegen den frischgebackenen EHF-Pokalsieger aus dem Filstal bereits um alles oder nichts.

Aber nicht nur der Kampf um den Klassenerhalt ist spannend, sondern auch die Entscheidung um den Titel. Hier liefert sich die SG Flensburg-Handewitt seit Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen. Am Wochenende blickt nun alles nach Flensburg, wo die Rhein-Neckar Löwen zur vermeintlichen Vorentscheidung im Kampf um die deutsche Meisterschaft zu Gast sind. Und auch die Entscheidung um die Champions League-Teilnahme ist noch nicht gefallen. Hier sind der THW Kiel und unser heutiger Gegner, die Füchse aus Berlin, derzeit nur durch zwei Minuspunkte getrennt.

Die Mannschaft aus der Hauptstadt wird also voll konzentriert hier in Stuttgart antreten, denn die Teilnahme an der Champions League ist auch für die Berliner sehr lukrativ. Trainer Velimir Petkovic wird seine Mannschaft also entsprechend heiß machen. International sind die Füchse in den letzten Jahren dank ihrer beiden Siege beim Super Globe, der Weltmeisterschaft für Vereinsmannschaften, aus dem Schatten des THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt herausgetreten. In Doha besiegten die Berliner 2015 den FC Barcelona mit 28:27 und 2016 die Franzosen von Paris St. Germain mit 29:28. Und das sind mit Sicherheit keine Leichtgewichte im internationalen Handball.

Aber auch in der Jugendarbeit stellen die Rheinickendorfer Füchse, der Stammverein der Füchse Berlin, ein absolutes Schwergewicht dar. Die A-Jugend der Hauptstädter steht im Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Im Halbfinale wurde der SC DHfK Leipzig zweimal besiegt. Und Bob Hanning hat ein Gespür für Talente, von denen sicherlich der eine oder andere bald in der Bundesligamannschaft auftauchen wird.

Den Sprung in den aktuellen Bundesliga-Kader geschafft haben bereits Paul Drux, Fabian Wiede, Mark Ferjan, Fynn-Ole Fritz und Kevin Struck. Und Drux und Wiede gehören bekanntlich zum Kader des neuen Bundestrainers Christian Prokop. Aber auch Torhüter Silvio Heinevetter und Steffen Fäth sind aus der aktuellen Nationalmannschaft nicht wegzudenken. Kapitän der Berliner ist der tschechische Nationaltorhüter Petr Stochl. Der Kopf der Mannschaft von Trainer Velimir Petkovic heißt Petar Nenadic. Der häufig nur im Angriff eingesetzte serbische Internationale lenkt das Spiel der Hauptstädter und ist dabei auch ein ständiger Unruheherd für die gegnerischen Abwehrreihen.

„Auf ihn müssen wir ganz besonders achten“, weiß TVB-Coach Markus Baur. Er sieht seine Mannschaft als klaren Außenseiter im Duell mit dem aktuellen Super Globe Sieger. Die Abwehr wird es heute richten müssen, wollen die WILD BOYS den Füchsen ein Bein stellen. Als überragender Rückhalt erwies sich zuletzt in den Spielen gegen Gummersbach, Hannover-Burgdorf und in Lemgo Torhüter Johannes Bitter, der in diesen drei Begegnungen nur insgesamt 69 Gegentore zuließ, also ein Schnitt von 23 pro Spiel. „Das ist schon ein überragender Wert“, lobt Trainer Markus Baur den Weltmeister von 2007. Nach der Verletzung von Michael Kraus muss es nun auf der Spielmacherposition Michael Schweikardt richten. Auf seine Vorarbeit warten besonders der in den letzten Spielen sehr starke Marian Orlowski und Kreisläufer Simon Baumgarten. „Es wird am Ende auf jedes Tor ankommen“, mahnt TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. Dabei setzt er auch auf die lautstarke Unterstützung durch das Publikum in der SCHARRena. „Diese Atmosphäre brauchen wir, um eine Minimalchance gegen diese europäische Spitzenmannschaft zu haben“, zeigt Schweikardt großen Respekt vor den Berlinern.

Quelle: Joachim Gröser, TVB