Das Löwenrudel ist zu stark für den TVB

Erwartungsgemäß eine Nummer zu groß gewesen ist der Deutsche Meister für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Die Rhein-Neckar Löwen eroberten sich mit dem 30:21-Sieg (15:11) die Tabellenführung zurück. Vor 6756 Zuschauern in der Mannheimer SAP-Arena ärgerten die Gäste den Favoriten 24 Minuten lang, führen zu diesem Zeitpunkt mit 11:10.
Vier Tage vor dem wahrscheinlich entscheidenden Duell um den Titel beim Tabellenzweiten SG Flensburg-Handewitt hat der Meister gegen den Abstiegskandidaten seine Pflicht letztlich souverän erfüllt. Entsprechend entspannt plauderte der Sportliche Leiter der Löwen bei der Pressekonferenz nach der Partie – und wünschte dem Gegner den Ligaverbleib. „Für mich ist der TVB die stärkste Mannschaft, die unten mit dabei ist“, sagte Oliver Roggisch. „Man darf ja auch nicht vergessen, dass Mimi Kraus noch fehlt.“
Zumindest 24 Minuten machte der Außenseiter den Löwen das Leben schwer. Der Plan von TVB-Trainer Markus Baur, die Löwen mit langen Angriffen zu Fehlern zu verleiten, ging oft auf. Nach acht Minuten führten die Gäste mit 4:3, für sämtliche Tore war Bobby Schagen verantwortlich: Dreimal behielt der Niederländer beim Siebenmeter die Nerven, einmal von Rechtsaußen. Der TVB findet im Löwen-Keeper Mikael Appelgren seinen Meister.
Auch in der Folge fanden die Bittenfelder immer wieder eine Lücke in der Löwen-Deckung, die in der Anfangsphase noch nicht sattelfest wirkte. Marian Orlowski traf in der zwölften Minute zum 7:6-Vorteil für sein Team. Dann steigerte sich die Defensive des Heimteams. Der TVB hatte Mühe, Lösungen zu finden, leistete sich Fehlabspiele und scheiterte am starken Keeper Mikael Appelgren. Mit einem 4:0-Lauf drehten die Löwen das Spiel zum 10:7 (17.), setzten dabei immer wieder geschickt ihren Kreisläufer Hendrik Pekeler ein.
Der TVB blieb jedoch zunächst dran, konterte ebenfalls mit vier Toren in Folge. Jogi Bitter war mehrfach zur Stelle, vorne nutzten die Gäste ihre Chancen. Nach einem Doppelpack von Felix Lobedank war der Außenseiter beim 11:10 (24.) überraschend wieder im Vorteil und dem Favoriten ein zäher Kontrahent.
Im Anschluss indes demonstrierten die Mannheimer, warum sie eines der weltbesten Teams stellen: Eiskalt nutzten sie die Fehler der Gäste und eilten – halbzeitübergreifend – mit einem 7:0-Lauf auf 17:11 davon (32.). Es flutschte fortan beim Deutschen Meister, der seinen Vorsprung kontinuierlich ausbaute bis zum 22:14 (40.). Damit war die Partie längst entschieden, es ging lediglich um die Höhe des Sieges.
Beim 27:17 (54.) hatten die Badener erstmals auf zehn Tore gestellt. Der Löwen-Coach Nicolaj Jacobsen wechselte munter durch, auch der lange verletzte Torhüter Andreas Palicka feierte ein – gutes – Comeback. Größer wurde die Differenz nicht mehr, und zweistellig mussten sich die Gäste auch nicht geschlagen geben: Schagen erzielte per Strafwurf den 30:21-Endstand.
Letztlich war’s ein standesgemäßes Resultat – wobei der Geschäftsführer des TVB trotzdem ein bisschen traurig war. „Ich hätte mir gewünscht, dass das Ergebnis ein bisschen knapper ausgefallen wäre“, sagte Jürgen Schweikardt. „Wir müssen immer daran denken, dass am Ende die Tordifferenz entscheidend sein könnte im Kampf um den Ligaverbleib. Dasselbe Thema werden wir am Samstag gegen die Füchse Berlin haben.“
In der Tat hat der TVB seinen Vorteil durch die beiden Neun-Tore-Niederlagen gegen Flensburg und die Löwen aufgebraucht. Mit dem Bergischen HC ist das Team jetzt punkt- und torgleich. Der TBV Lemgo, der einen Punkt weniger auf dem Konto hat, steht um 20 Treffer besser da, was kaum mehr aufzuholen ist für die Bittenfelder in den verbleibenden vier Partien.
Die schlechtesten Karten indes diesbezüglich haben die Balinger, die nach der Acht-Tore-Niederlage am Mittwoch in Erlangen gegenüber dem TVB und BHC 17 Tore im Hintertreffen sind.
Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka; Schmid (1/1), Sigurdsson (5/1), Manaskov, Baena (1), Steinhauser (1), Larsen (3), Pekeler (6), Groetzki (5), Reinkind (1), Guardiola (2), Petersson (3), du Rietz (2).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer, Lobedank (3), Weiß (2), Schagen (7/5), Schweikardt (1), Burmeister, Coric, Baumgarten (1), Fotache, Kretschmer, Orlowski (6), Celebi (1).